"Realistisches Ausbauziel"

Naturschutzbund warnt vor Biosprit-Boom

Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) hat vor "überzogenen Erwartungen an der Nutzung von Biomasse als Kraftstoff" gewarnt. Angesichts des Klimawandels und der Abhängigkeit von Erdölimporten, könnten und müssten Biokraftstoffe zwar "einen entscheidenden Beitrag" zur Kraftstoffbereitstellung leisten. "Sie sind aber kein Allheilmittel zur Senkung der Klimabelastung im Automobilsektor", meint NABU-Präsident Olaf Tschimpke.

Eine Strategie zur Senkung der Klimagasbelastung durch den Kfz-Verkehr müsse den Gesamtverbrauch der Fahrzeuge berücksichtigen. "Biokraftstoffe können nur in Kombination mit deutlich sparsameren Fahrzeugen zu einer höheren Klimaverträglichkeit des Verkehrs beitragen", so Tschimpke. Er forderte EU-Industriekommissar Verheugen und Bundesumweltminister Gabriel auf, der Automobilindustrie die Verwendung von Biokraftstoffen nicht als Gutschriften anzurechnen. Der Klimagasausstoß von Neufahrzeugen müsse in den nächsten fünf Jahren um mindestens 25 Prozent reduziert werden, fordert der Verband.

Der kürzlich vorgestellte EU-Fortschrittsbericht zur Biokraftstoffrichtlinie schlage zwar ein realistisches Ausbauziel von 10 Prozent Biokraftstoffen am Gesamtkraftstoffmarkt bis zum Jahr 2020 vor. "Es wurden aber keine ökologische Mindestkriterien zur Herstellung definiert", bemängelt der NABU-Präsident. "Es ist zu befürchten, dass die Mineralölkonzerne auf vergleichsweise günstiges Palmöl und Ethanol auf dem Weltmarkt zurückgreifen und damit den Druck auf tropische Regenwälder dramatisch erhöhen", befürchtet Tschimpke.

Notwendig seien ein international wirksames Zertifizierungssystem sowie eine anspruchsvolle Nachhaltigkeitsverordnung zum Biokraftstoffquotengesetz. "Wir machen uns etwas vor, wenn wir Biokraftstoffe per se als grüne Energie bezeichnen. Sie sind dies nur dann, wenn sie eine positive Öko- und Energiebilanz aufweisen", sagte Tschimpke.

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