Beck weist auf CDU-Spendenaffäre hin

Koalition erwägt angeblich schärferen Kurs gegen Steuerbetrüger

Die Affäre um milliardenschwere Steuerhinterziehungen hat in der Koalition eine Diskussion über Strafverschärfungen ausgelöst. Spitzenpolitiker von Union und SPD brachten am 18. Februar schärfere Strafen gegen Steuerbetrug ins Gespräch. Die Grünen forderten ein Aktionsprogramm gegen Steuerhinterziehung. In mehreren deutschen Städten fanden Razzien gegen mutmaßliche Steuerhinterzieher statt. Die SPD will prüfen, ob das Strafmaß für Steuerhinterziehung von derzeit bis zu zehn Jahren erhöht werden muss, wie Parteivize Peer Steinbrück sagte. Der Finanzminister sprach von einem "breiten Vertrauensverlust", wenn Menschen den Eindruck bekämen, sie seien die "eigentlichen Dummen" mit ihren Steuerzahlungen, während Eliten in ihrer Vorbildwirkung versagten. SPD-Generalsekretär Hubertus Heil forderte zudem den Einsatz von mehr Steuerfahndern.

FDP und Linke halten indes wenig von schärferen Gesetzen. "Das bestehende Strafrecht in Deutschland reicht", sagte FDP-Chef Guido Westerwelle. Das Entscheidende im Kampf gegen Steuerhinterziehung sei der Fahndungsdruck. Potenzielle Steuerhinterzieher müssten wissen, dass die Gefahr aufzufliegen, "riesengroß" sei. Linke-Vorstandsmitglied Ulrich Maurer kritisierte, die Debatte über schärfere Strafen lenkten vom Vollzugsdefizit ab.

SPD-Chef Kurt Beck zog zugleich eine Parallele zur CDU-Spendenaffäre. Bestimmte Vorgänge dürfe man nicht nach dem Motto "Schwamm drüber" tilgen, sagte Beck. Das gelte auch für unaufgeklärte Finanztransfers der CDU. Solche und andere Vorfälle führten dazu, dass immer neue Gruppen sich herausnähmen, Grenzverletzungen zu begehen

Auf Grundlage der CD-ROM mit Daten von Hunderten Großverdienern waren am Montag Fahnder im Großraum München mutmaßlichen Steuersündern auf der Spur. Medienberichten zufolge fanden auch Razzien im Raum Frankfurt am Main, Hamburg und Ulm statt.

Das Bundesfinanzministerium hat keine Zweifel, dass die Daten auf der CD-ROM juristisch verwertbar sind. Ministeriumssprecher Torsten Albig sagte, die Frage sei vor dem Datenerwerb "intensivst" geprüft worden. Steinbrück betonte, ein Informant sei an den BND herangetreten, der dann im Rahmen von Amtshilfe die Daten für die Steuerverwaltung erworben habe. "Das ist alles korrekt gelaufen", so Steinbrück. Die CD kostete laut Albig vier bis fünf Millionen Euro. Man erwarte aber Steuernachforderungen inklusive Zinsen von "mehreren Hundert Millionen Euro".

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