johannesburg
Nach dem Weltgipfel
Kommission für Nachhaltige Entwicklung sucht Konsequenzen aus Johannesburg
Acht Monate nach dem UN-Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung in Johannesburg haben Regierungsvertreter und Aktivisten mit Beratungen über die Verwirklichung der Beschlüsse begonnen. Auf der 11. Sitzung des CSD, der Kommission für Nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen wollen die Teilnehmer die Realisierung und Überwachung der Weltgipfel-Beschlüsse in Angriff nehmen. Die wichtigste Ziele seien die Beseitigung von Hunger und Armut, der Schutz der Umwelt und ihrer Ressourcen sowie das Ende des Raubbaus an der Natur durch umweltschädliche Produktion und Konsum. Deutschland ist unter anderen neben den USA, Japan, Frankreich und Großbritannien eines von 53 Mitgliedsländern der Kommission.
Johannesburg
Der Weltgipfel versagt in wichtigen Punkten
Der Weltgipfel in Johannesburg hat nach Ansicht von Greenpeace in vielen wesentlichen Punkte versagt. Besonders die Weigerung, sich auf Ziele für den Ausbau erneuerbarer Energien zu einigen, sei ein Desaster für den Klimaschutz. Vor allem die USA und die Ölförderstaaten verhinderten feste Zielvorgaben. Daher begrüßt Greenpeace die soeben angekündigte "Initiative für Erneuerbare Energien" der EU und lateinamerikanischer Länder, die genaue Ziele, Zeitrahmen und Finanzierungswege festlegen will.
Johannesburg
NABU bewertet Gipfelergebnisse als absolut unangemessen
Der Naturschutzbund NABU hat eine ernüchternde Bilanz zum Abschluss der Beratungen auf dem Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung in Johannesburg gezogen. Es sei viel Papier beschrieben worden, aber bei den meisten der drängenden globalen Probleme sei viel zu wenig Substanz herausgekommen, sagte NABU-Präsident Jochen Flasbarth. Statt einen energieschen Schritt zu einer zukunftsfähigen Gestaltung der Welt zu gehen, habe der Johannesburg-Gipfel sich ganz überwiegend damit befasst, Rückschritte zu verhindern.
Weltgipfel in Johannesburg
Schröder dringt auf Umsetzung des Kyoto-Protokolls
Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) appelliert an die internationale Staatengemeinschaft, der Klimaerwärmung entschieden entgegenzutreten und weitere Anstrengungen zum Klimaschutz zu unternehmen. Dazu müsse das Kyoto-Protokoll zur weltweiten Reduzierung von Treibhausgasen noch in diesem Jahr ratifiziert werden, sagte Schröder am Montag auf dem Weltnachhaltigkeitsgipfel in Johannesburg. Der Schlüssel für einen wirksamen Klimaschutz und wirtschaftliche Entwicklung liege in einer nachhaltigen Energieversorgung. Von Johannesburg erwarte er deshalb konkrete Ergebnisse. Die Hoffnungen der Menschen in aller Welt dürften nicht enttäuscht werden. Sie erwarteten "spürbare Ergebnisse".
EU in der Kritik
Umweltverbände enttäuscht von Johannesburg
Deutsche Umweltverbände üben scharfe Kritik an den bisherigen Verhandlungen des Weltnachhaltigkeitsgipfels in Johannesburg. Kleinen Erfolgen stünden Blockaden in entscheidenden Punkten wie dem Ausbau erneuerbarer Energien entgegen, erklärten BUND, Deutscher Naturschutzring, NABU und WWF am Freitag in Johannesburg. Sie riefen die Staats- und Regierungschefs auf, den Durchbruch zu schaffen sowie einen konkreten und verbindlichen Umsetzungsplan für mehr Umweltschutz und zur Bekämpfung der Armut zu verabschieden.
Liaison im eigenen Interesse
Deutsche Wirtschaft präsentiert sich in Johannesburg als nachhaltig
Der große Auftritt von BMW auf dem Weltnachhaltigkeitsgipfel in Johannesburg treibt Jochen Flasbarth Furchen in die Stirn. "Das hätten die sich früher nicht getraut", bekrittelt der Präsident des Naturschutzbundes Deutschland (NABU). Das Engagement des Automobilkonzerns für saubere Energie über Wasserstoffmotoren hält Flasbarth für einen PR-Gag. "Die schmücken sich nur mit dem Stichwort Nachhaltigkeit", sagt er, "da bleibt aber ein Glaubwürdigkeitsproblem". BMW sieht das anders. Die Industrie hat die Nachhaltigkeit für sich entdeckt. In Johannesburg begeht sie am Samstag sogar den "Tag der deutschen Wirtschaft".
Johannesburg-Gipfel macht Fortschritte bei Chemiepolitik
USA blockieren bei erneuerbaren Energien
Der Weltgipfel für Nachhaltigkeit ist einen weiteren Schritt vorangekommen. Die Delegierten verständigten sich am Donnerstag darauf, den Einsatz von Chemikalien langfristig einzudämmen. Dagegen gibt es bei Fragen der Globalisierung und der Energiepolitik weiter keine Einigung. Auch beim Thema Wasser sind nach Angaben der deutschen Delegation noch keine Entscheidungen gefallen. Parallel kündigten Regierungen und Verbände 215 Entwicklungshilfepartnerschaften mit einem Finanzvolumen von bislang über 100 Millionen US-Dollar an.
Johannesburg-Gipfel
Agrarsubventionen unter Beschuss
Die Agrarsubventionen der Industrieländer standen am Dienstag beim Johannesburger Welt-Gipfel im Feuer der Kritik. Vertreter von Entwicklungsländern warfen den reichen Ländern vor, sie würden ihren Bauern sechsmal so viel an Subventionen zahlen, wie sie ärmeren Staaten an Entwicklungshilfe zukommen ließen. Täglich erhielten die Bauern in den reichen Ländern eine Milliarde Dollar Agrarsubventionen, hieß es.
Atomkraftwerke statt Ökostrom?
Johannesburg-Gipfel ringt um Kompromisse bei Handel und Subventionen
Der Konflikt zwischen Industrie- und Entwicklungsländern um den Abbau von Handelsschranken wird durch Kontroversen innerhalb der EU verschärft. Der Weltnachhaltigkeitsgipfel in Johannesburg konnte bis Mittwoch keine Einigung zur Frage von Subventionen, Zöllen und einem gerechten Ausgleich der Länder bei der Globalisierung erreichen. Ein Konsens innerhalb der EU über den Abbau von wettbewerbsverzerrenden Subventionen sei zudem am Widerstand Frankreichs gescheitert, teilte die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, Gila Altmann (Grüne), am Mittwoch in Johannesburg mit. Umweltverbände kritisierten, die EU weiche von früheren Versprechen ab und fördere statt regenerativen Energien neue Atomkraftwerke.
Gipfel in Johannesburg
Forderung der Entwicklungsländer nach Öffnung der Märkte verursacht Konflikte
Der Weltgipfel für Nachhaltigkeit in Johannisburg ringt um eine Einigung im Streit um die Öffnung der Märkte für Produkte von Entwicklungsländern. Das gibt UNO-Verhandlungskoordinator Lowell Flanders am Dienstag bekannt. Der Zugang armer Länder zu den Märkten der Industrienationen und die Frage von Subventionen gilt als eines der schwierigsten Themen auf dem Johannesburg-Gipfel. So gebe es in einigen Punkten zwar Übereinstimmung, mehrere strittige Fragen seien jedoch noch offen. Teilnehmerkreisen zufolge hatten die Entwicklungsländer am Morgen einen neuen Entwurf vorgelegt, in dem sie weitere Forderungen erhoben.
Terre des Hommes zum Umweltgipfel
Handeln statt Reden in Johannesburg gefordert
Ein Umdenken in der Umwelt- und Entwicklungspolitik hat das entwicklungspolitische Kinderhilfswerk terre des hommes anlässlich des am Montag beginnenden "UN-Gipfels für Nachhaltige Entwicklung" in Johannesburg gefordert. Ziel des Gipfels ist es, verbindliche Vereinbarungen für eine nachhaltige Entwicklung zu treffen. Nach Auffassung von terre des hommes seien viele Länder der Dritten Welt jedoch nicht in der Lage, die dafür notwendigen Mittel aufzubringen. Ausserdem fehle es an Unterstützung durch die reichen Industrieländer. "Vor zehn Jahren wurden auf dem UN-Gipfel für Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro konkrete Schritte und Ziele für Umwelt- und Klimaschutz beschlossen. Den Worten folgten bisher aber wenig Taten", so Peter Mucke, Geschäftsführender Vorstand von terre des hommes am Sonntag zu Beginn der Konferenz in Johannesburg.
Hintergründe zum Umweltgipfel in Johannesburg
Der Ausverkauf der Vereinten Nationen
"Die Einstellung der Vereinten Nationen gegenüber dem Privatsektor hat sich in den vergangenen Jahren radikal verändert. Kooperation kommt heute vor Konfrontation." Mit diesen Worten wirbt Kofi Annan, Generalsekretär der UN, für den "Global Compact", einem Abkommen zwischen ursprünglich 44 multinationalen Konzernen und den Vereinten Nationen. Aus Deutschland dabei: die Chemie-Konzerne BASF, Aventis und Bayer, die Autobauer BMW und DaimlerChrysler sowie die Deutsche Bank. In dem vor zwei Jahren unterzeichneten Compact bekennen sich die Unternehmen zu neun Grundsätzen aus den Bereichen Umweltschutz, Arbeitssicherheit und Einhaltung der Menschenrechte. Die Prinzipien basieren auf der Erklärung der Menschenrechte von 1949, dem Weltsozialgipfel von 1995 und dem Umweltgipfel von Riode Janeiro 1992. Außerdem verpflichten sich die Konzerne, Musterprojekte zu initiieren und somit ihr Engagement zu belegen. Um den Fortschritt im Rahmen der Kooperation zu dokumentieren, will die UN geprüfte Fallbeispiele veröffentlichen, die der Öffentlichkeit zur Begutachtung freistehen.
Das Klima spielt verrückt
BUND fordert Maßnahmen noch vor Johannesburg
Sofortige und schnellere Schritte beim Klimaschutz hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) angesichts der zunehmenden Wetterextreme gefordert. Noch vor dem Weltumweltgipfel von Johannesburg müsse sich die Bundesregierung zur Minderung der Klimagase um 40 Prozent bis 2020 gegenüber dem Stand von 1990 verpflichten. Nur eine solche Vorreiterfunktion könne andere Staaten der Welt dazu bewegen, ebenfalls entschiedene Klimaschutzmaßnahmen zu beschließen.
Der Gipfel in Johannesburg steht bevor
Die Bundestagsparteien über ihre Energiepolitik
Auf dem Nachhaltigkeitsgipfel in Johannesburg soll Ende August bis Anfang September ein neuer Anlauf genommen werden. Die Bundesregierung will eine weitere Verringerung des weltweiten Treibhausgasausstoßes erreichen. Die im Bundestag vertretenen Parteien stehen allesamt hinter diesem Ziel, sind sich aber über den Weg dorthin uneins.
10 verlorene Jahre - 10 gebrochene Versprechen
Greenpeace-Jugendliche starten Kampagne zum Weltgipfel in Johannesburg
Rund 100 Greenpeace-Jugendliche gehen am Freitag in 10 Städten Deutschlands auf die Straße, um mit jeweils 10-stündigen Aktionen auf ihre Forderungen zum bevorstehenden Weltgipfel in Johannesburg aufmerksam zu machen. In Bremen, Berlin, Chemnitz und Freiburg halten als Politiker verkleidete Jugendliche ein Nickerchen in Liegestühlen und kicken sich träge eine Weltkugel zu - um die 10 verlorenen Jahre seit dem Umweltgipfel von Rio zu symbolisieren. Jugendliche in Pinguin-Kostümen sitzen in der Innenstadt von Neubrandenburg und Köln in Planschbecken und informieren Passanten darüber, dass sie aufgrund des Klimawandels ihren Lebensraum verlieren. Ein Tiger streunt durch die Krefelder Fußgängerzone auf der Suche nach seiner zerstörten Urwaldheimat. Die Bilder sind unterschiedlich, die Botschaft ist dieselbe: "10 verlorene Jahre - 10 gebrochene Versprechen!"
Johannesburg-Initiative
BUND kritisiert BDI-Ausstieg
Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland hat den heute bekannt gewordenen Ausstieg des Bundesverbands der Deutschen Industrie aus einer gemeinsamen Initiative für eine nachhaltige Wirtschaftspolitik scharf kritisiert. Die so genannten "Grundsätze zur Stärkung von Umweltschutz bei Auslandsdirektinvestitionen" waren auf Anstoß des Bundesumweltministeriums in einem 18-monatigen Dialogprozess zwischen Bundesregierung, Wirtschaft, Gewerkschaften sowie Umwelt- und Entwicklungsverbänden ausgehandelt worden. Sie sollten auf dem bevorstehenden Weltumweltgipfel von Johannesburg als deutscher Hauptbeitrag präsentiert werden.
Kinder-Kampagne im Vorfeld des Weltgipfels von Johannesburg
VCD und Klima-Bündnis starten Aktion "Auf Kinderfüßen durch die Welt"
Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) und das Klima-Bündnis der europäischen Städte mit indigenen Völkern der Regenwälder haben am Dienstag in Berlin im Vorfeld des Weltgipfels für nachhaltige Entwicklung in Johannesburg die gemeinsame Kampagne "Auf Kinderfüßen durch die Welt" gestartet. Kinder im Alter von 4 bis 10 Jahren sollen dabei spielerisch etwas über den Zusammenhang von Klimawandel, Verkehr und eigenem Verhalten lernen. Ziel der Aktion ist es, ein Bewusstsein für umweltschonende Fortbewegung zu fördern und diese im Alltag dauerhaft zu verankern.
Erdgipfel von Johannesburg
Greenpeace: Umweltminister müssen Scheitern verhindern
"Wenn man hier in Bali nicht sofort in Gang kommt, ist ein Scheitern des langersehnten Erdgipfels von Johannesburg vorprogrammiert." Mit diesen Worten kommentierte am Montag Greenpeace Sprecher Andreas Bernstorff die Halbzeitbilanz der letzten Vorbereitungskonferenz des im August stattfindenden Erdgipfels. Die sogenannte PrepCom4 Sitzung, zu der nach Ablauf der ersten Woche die Umweltminister aus über 100 Staaten anreisen werden, ist das entscheidende Treffen im Vorfeld der Ende August in Johannesburg stattfindenden Rio-Nachfolgekonferenz.
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