Forschung an embryonale Stammzellen könnte gesetzwidrig sein

Gentechnik

In Deutschland stehen nach einem Bericht des "Spiegel" bereits importierte embryonale Stammzellen für die Forschung bereit. Das Embryonenschutzgesetz verbietet allerdings die Forschung an Zellen, aus denen sich ein menschlicher Embryo bilden kann. Diese Frage ist bezüglich der embryonalen Stammzellen noch nicht geklärt. Biologen der Universität Essen wollen mit einem Versuch mit Zellen von Rhesus-Affen, beweisen, dass sich aus dem Material ein vollständiges Lebewesen entwickeln kann. Mit Ergebnissen wird in zwei Jahren gerechnet. Bislang hatten Stammzellenforscher immer wieder betont, aus den isolierten Zellkulturen von Embryos könne kein Lebewesen entstehen.

Der in die Kritik geratene Kieler Biochemiker Stefan Rose-John will zunächst auf die Einfuhr verzichten und eine Stellungnahme des Nationalen Ethikrats und der Deutschen Forschungsgemeinschaft abwarten. Beide gelten allerdings als klare Befürworter eines Imports. Rose-John unterstrich, ob sich aus einer einzelnen embryonalen Stammzelle ein neues Lebewesen entwickeln könne, sei noch nicht klar.

Während die Politik noch keine Einigung zur Frage der Einfuhr menschlichen Zellmaterials erzielte, räumte das amerikanische Biotech-Institut WiCell am Samstag gegenüber dem Nachrichtenmagazin "Spiegel" ein, deutsche Forscher längst mit embryonalen Stammzellen beliefert zu haben. Zudem bekundeten zwei weitere Forschungsinstitute ihr Interesse an einem Import.

WiCell-Sprecher Andrew Cohn bestätigte, sein Unternehmen habe in den vergangenen zwölf Monaten embryonale Stammzellen an deutsche Einrichtungen geliefert. Zudem will laut "Spiegel" der Hannoveraner Herzspezialist Axel Haverich noch diesen Sommer Kontakte mit einem der drei weltweiten Anbieter von embryonalen Stammzellen aufnehmen. Er will erforschen, ob sich Zellen in Herzgewebe spezialisieren lassen, um Herzfehler zu heilen.

Interesse an embryonalen Stammzellen meldete auch der Molekularbiologe Peter Gruss vom Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie in Göttingen an. "Wir würden am liebsten morgen mit der Forschung an menschlichen Embryonalzellen beginnen", sagte Gruss. Er will mit Hilfe der Stammzellen eine Therapie für Parkinson-Kranke entwickeln. Einen Antrag sei wegen der gegenwärtig aufgeheizten Stimmung allerdings noch nicht gestellt worden.

Über das Vorgehen in dieser Frage will Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) am Montag mit führenden Vertretern der Koalition beraten. Die Unions-Fraktion fordert ein Moratorium zum Import und zur Forschung an embryonalen Stammzellen in Deutschland bis zu einer Entscheidung des Bundestages.