Elektronische Patientenakte könnte Realität werden

Gesundheitswesen

Die Idee einer elektronischen Patientenakte nimmt immer konkretere Formen an. Die Bundesregierung plant nach einem Bericht der "WirtschaftsWoche", dass alle Informationen über Patienten von Kassen, Kassenärztlichen Vereinigungen, Ärzten und Krankenhäusern in einen riesigen Datenpool eingespeist werden. Dies gehe aus einem Eckpunktepapier der nordrhein-westfälischen Gesundheitsministerin Birgit Fischer (SPD) hervor. Das Bundesgesundheitsministerium bestätigte, dass die Regierung konkret über eine elektronische Erfassung von Patientendaten nachdenkt. Vor allem gehe es darum, die Chipkarte "intelligenter" zu nutzen.

Im Zeitalter der Informationstechnologie müsse es möglich sein, Daten von Patienten auf elektronischem Wege zu übermitteln, sagte Ministeriums-Sprecherin Annelis Ilona Klug. Die elektronische Patientenakte solle umfassender sein als ein Medikamenten-Pass, wie er im Zuge des Lipobay-Skandals diskutiert werde. Klug betonte, das Eckpunktepapier sei von den SPD-geführten Bundesländern erarbeitet worden. Dabei gehe es zunächst darum, Daten für die Neuregelung des Risikostrukturausgleichs zwischen den Kassen bereitzustellen.

Auch SPD-Gesundheitsexpertin Regina Schmidt-Zadel sprach sich dafür aus, auf der Chipkarte alle Arztbesuche und Untersuchungen zu registrieren. Damit könnten Mehrfachuntersuchungen vermieden werden, sagte sie ddp. Die Politikerin verwies darauf, dass es viele Verschreibungen gebe, "bei denen die eine die andere aufhebt, weil die Ärzte und Fachärzte sich oft nicht abstimmen". Vor allem auch vor dem Hintergrund des Skandals um den Cholesterinsenker Lipobay sei es wichtig, solche Parallelverordnungen stärker ins Visier zu nehmen. Datenschutz-Probleme befürchtet Schmidt-Zadel nicht. Schließlich sei es technisch heute kein Problem mehr, Angaben zu kodieren. Auch Klug verwies auf die Möglichkeit, Daten zu "pseudonymisieren".