Patientenschutzbund beklagt "Falschgutachterei" nach Ärztepfusch

"Die Behandlungen werden immer komplizierter"

Opfer von Ärztepfusch haben eine die Vertuschung durch die Mediziner beklagt. Ein Hauptproblem, mit dem die Geschädigten zu kämpfen hätten, sei die "Falschgutachterei" durch andere Ärzte, sagte die Vorsitzende des Deutschen Patienten Schutzbundes (DPSB), Gisela Bartz, der "Frankfurter Rundschau". Trotz der am 28. Februar gestarteten Kampagne für einen offenen Umgang mit den Behandlungsfehlern werde in der Ärzteschaft weithin nach dem Motto verfahren: Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus.

Bartz forderte mehr Rechte für die Patienten. Wenn ein Geschädigter durch Behandlungsunterlagen oder ein Gutachten Fehler nachweise, müsse er "sehr schnell zu seinem Recht" kommen und dürfe "nicht von den gegnerischen Versicherungen durch die Mühlen der Justiz gedreht" werden. Der Selbsthilfe-Dachverband geht von bis zu 800.000 Schadensfällen im Jahr aus.

Experte: Wenn ärztliche Kunstfehlerquote gleich bleibt, können wir froh sein

Eine Reduzierung der Kunstfehlerquote von Ärzten und Krankenschwestern ist nach des Ansicht von Martin Hansis, Experte für medizinische Behandlungsfehler, kaum möglich. "Wenn die Quote gleich bleibt, können wir froh sein", sagte Hansis der "Berliner Zeitung". "Eine Senkung ist unrealistisch, denn die Behandlungen werden immer komplizierter, die Zahl der Patienten nimmt zu und die Arbeit verdichtet sich."

Es sei richtig, das Thema für die Öffentlichkeit aufzubereiten, meint der Geschäftsführer des Klinikums Karlsruhe. Das werde einen Schub an Wahrnehmung bringen. "Ich bin mir aber nicht sicher, ob so die Arbeit in Kliniken und Praxen beeinflusst wird", so Hansis. "Den etwa 280.000 praktisch tätigen Ärzten in Deutschland wird einmal in sieben Jahren ein Fehler vorgeworfen. Ähnlich ist es in anderen Ländern."