Arbeitgeber fordern sofortige Wiederaufnahme der Verhandlungen

Bundesweite Streiks am Bau gestartet

Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik wird in der Baubranche bundesweit gestreikt. Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) begann den Arbeitskampf am Montagmorgen in Berlin. Weitere Schwerpunkte sind Hamburg, Bremen, Magdeburg und mehrere Städte im Ruhrgebiet. Nach Gewerkschaftsangaben soll der Streik in den nächsten Tagen "wellenartig" ausgeweitet werden. IG BAU-Chef Klaus Wiesehügel schloss in der "Bild"-Zeitung vom Montag nicht aus, das schon diese Woche auch Autobahnbaustellen in den Ausstand einbezogen werden. Auf den betroffenen Baustellen werde "notfalls wochenlang gestreikt".

Die Gewerkschaft fordert für die 950 000 Branchenbeschäftigten eine Erhöhung der Löhne, Gehälter und Ausbildungsvergütungen um 4,5 Prozent und lehnt die von den Arbeitgebern verlangten Veränderungen im Bundesrahmentarifvertrag ab. Die Arbeitgeber hatten zuletzt Lohnerhöhungen von drei Prozent angeboten, was effektiv wegen fünf Leermonaten real 1,75 Prozent mehr Gehalt bedeuten würde. Der Versuch der Schlichtung durch den CDU-Politiker Heiner Geißler war trotz langwieriger Verhandlungen am 1. Juni gescheitert. Bei der Urabstimmung hatten sich mehr als 98 Prozent der Gewerkschafter für einen Streik ausgesprochen.

Die Arbeitgeber in der Bauindustrie appellierten zu Streikbeginn an die Gewerkschaft, sofort an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Es liege ein "verhandlungsfähiges Angebot auf dem Tisch", sagte Michael Knipper vom Hauptverband der deutschen Bauindustrie im ARD-Morgenmagazin. Auch über die umstrittenen Mindestlöhne könne gesprochen werden. "Wir sind so dicht beieinander", da sei ein Kompromiss möglich. Jeder Streiktag bringe der Baubranche eine "enormen wirtschaftlichen Schaden", sagte Knipper. Wenn 40000 Bauleute streikten, würde täglich ein Verlust von rund 20 Millionen Euro entstehen, fügte der Arbeitgebervertreter hinzu.