GEW fordert Neustrukturierung der Berufsbildung

Ausbildungsplatzdefizit

Eine "Neustrukturierung der beruflichen Bildung in Deutschland" müsse zu den vordringlichen Aufgaben einer neuen Bundesregierung in der Bildungspolitik gehören. Diese Forderung erhob die GEW-Vorsitzende Eva-Maria Stange anlässlich des erneuten Ausbildungsplatzdefizits in diesem Jahr. "Die Wirtschaft kann nicht mehr als verlässlicher Partner im dualen System gelten", stellte die GEW-Vorsitzende fest. Trotz der Zusagen der Arbeitgeber im Bündnis für Arbeit, für ein ausgeglichenes Angebot an Ausbildungsplätzen zu sorgen, sei die Zahl der Lehrstellen in diesem Jahr um rund acht Prozent gesunken. Nach Berechnungen des DGB fehlten noch immer ca. 150.000 Ausbildungsplätze, um die Nachfrage zu decken. In Ostdeutschland finde nur jeder dritte Jugendliche eine Lehrstelle.

Wenn die "Wirtschaft nicht mehr gewillt" sei, ihrer Ausbildungsverpflichtung nachzukommen, müsse dies die öffentliche Hand übernehmen und die betriebliche Ausbildung "systematisch durch qualitativ gleichwertige Ausbildungsgänge ergänzen". Die Wirtschaft sei dann allerdings auch gefordert, ihren finanziellen Beitrag zu leisten und die ergänzende schulische und außerbetriebliche Ausbildung nicht länger zu diffamieren, sondern deren Absolventen bei der Einstellung gleiche Chancen einzuräumen".

Entlarvend sei es, - so die GEW-Vorsitzende - , dass es der mittelstandspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Hansjürgen Dossals eine Zumutung bezeichnete, von nichtausbildenden Betrieben eine Ausbildungsabgabe zu verlangen und dafür die Kostenbelastung der Betriebe ins Feld führte."Wenn die Wirtschaft Ausbildung nur noch als Kostenfaktor betrachtet, dann ist dies ein Zeichen dafür, dass die Säule der betrieblichen Ausbildung im dualen System auf Dauer nicht mehr trägt", stellte die GEW-Vorsitzende fest.