Öltanker "Prestige" gesunken

Umweltkatastrophe

Der unter bahamaischer Flagge gefahrene Großtanker "Prestige" ist in den Gewässern vor der spanisch-portugiesischen Atlantikküste gesunken. Nachdem das Schiff am Dienstagmorgen in der Mitte durchgeknickt und später gebrochen war, ergossen sich weitere Ölmengen ins Meer. Eine Umweltkatastrophe ungeahnten Ausmaßes bahnt sich an. Rund 200 Kilometer galicischen Strandes sind schon verseucht. In Abhängigkeit von der Strömung und der Windrichtung droht nun auch Portugal eine Ölpest.

Bis Montag hatte die "Prestige" von ihrer 77.000-Tonnen-Ladung giftigen und stark schwefelhaltigen Öl bereits rund 5.000 Tonnen verloren, die zur derzeitigen Ölpest in Galicien geführt haben. Am Montag trat aus einem neuen Leck weiteres Öl aus und bildete einen 40 Zentimeter dicken Teppich aus Ölschlick elf Kilometer vor der Küste. Inzwischen wurde ein dritter Ölteppich mit einer Größe von rund 1200 Quadratkilometern auf hoher See entdeckt. Das entspricht einer Fläche von 30 mal 40 Kilometern.

"Diese Situation hätte es nicht geben müssen", sagt Greenpeace-Schifffahrtsexperte Christian Bussau. Er spricht von großen Versäumnissen und falscher Vorgehensweise der spanischen Regierung. Diese hatte den havarierten Tanker nur schnell von der Küste weg ins offene Meer schleppen lassen. Wäre das Schiff hingegen an die Küste gebracht worden, so Bussau, hätte die Ladung auf einen zweiten Tanker umgepumpt werden können. Das Wetter sei gut genug für eine solche Aktion gewesen.

"Die Prestige steht exemplarisch für die weltweite Tankerflotte, die leider überaltert ist", kritisiert Bussau. "Darunter sind Schiffe, die überhaupt nicht mehr den Sicherheitsanforderungen entsprechen. Das sind schwimmende Zeitbomben. Die europäischen und anderen Regierungen haben es nicht geschafft sie von den Weltmeeren zu verbannen." Bussau bezeichnet es als unverantwortlich, dass erst ab 2015 ein Verbot für Einhüllen-Tanker gelte.

Inzwischen versucht die griechische Reederei des Havaristen die Wogen zu glätten. Sie verweist darauf, dass die "Prestige" versichert ist und die Versicherung für die Schäden durch die Umweltkatastrophe aufkommen werde. Experten schätzen allein den jetzt schon entstandenen Schaden auf über 90 Millionen Euro. Als 1989 die "Exxon Valdez" in Alaska eine Ölpest verursachte, musste der Exxon-Konzern umgerechnet zwei Milliarden Euro für die Säuberung zahlen. Um weitere Milliarden an Entschädigungszahlungen wird noch prozessiert. Bussau warnt: "Die meisten Schäden - das wird über 100 Millionen Euro locker hinweggehen - wird der spanische Steuerzahler bezahlen." Schon bei früheren Schiffsunglücken hätten die Versicherungen oft nur einen Bruchteil der Kosten übernommen.

Bussau erwartet, dass aus dem Öl zahlreiche giftige Substanzen freigesetzt werden und sich in der Nahrungskette anreichern werden. Eine besondere Gefahr geht von den polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) aus, die Krebs erregend sind. Meeresvögel und Wale, die in das verseuchte Wasser hineingeraten, aber auch Muscheln, Krebse und Schnecken werden vergiftet und verenden.

Die Wrackteile des Tankers am Meeresgrund, die auch noch Tanks samt Ladung enthalten können, bezeichnet Bussau als "Giftbomben, aus denen kontinuierlich Chemikalien ausströmen". Das Schweröl werde aber nicht an die Meeresoberfläche aufsteigen, sondern am Boden verklumpen. So vergifte es die Umgebung des Wracks. Das Ausmaß lasse sich nicht vorhersagen.