Jürgen W. Möllemann

Portrait

Das Verhältnis der FDP zu Jürgen Möllemann ist stets eine Hassliebe gewesen. Einerseits konnten die Liberalen auf den genialen Wahlkämpfer und Erfinder des "Projekts 18" kaum verzichten. Andererseits trieb er die Partei immer wieder in den Wahnsinn. "Quartalsirrer" oder "intrigantes Schwein" gehörten zu den "Kosenamen", die Möllemann aus der FDP zu hören bekam. Dieser reagierte gekränkt - und produzierte den nächsten politischen Skandal. Nach 33 Jahren ist das Tischtuch nun endgültig zerschnitten: Per Pressemitteilung erklärte Möllemann am Montag in Düsseldorf seinen Parteiaustritt.

Jürgen Möllemann (57) hat bei den Liberalen schon manchen Karriereknick verkraften müssen. Doch rappelte sich der passionierte Fallschirmspringer nach jedem politischen Absturz immer wieder auf, was ihm den Ruf eines "liberalen Stehaufmännchens" einbrachte. Die so genannte Flugblattaffäre brachte das Aus für das unbestrittene Polit-Talent mit dem Drang zum Populismus. Zumindest in der FDP.

Möllemann waren bereits vor der Bundestagswahl 2002 massive Verstöße gegen das Parteiengesetz bei der Finanzierung eines umstrittenen antiisraelischen Wahlkampf-Flugblatts vorgeworfen worden. Am Tag nach der Wahl musste er seinen Hut als stellvertretender Bundesvorsitzender nehmen, im Oktober 2002 trat er auch noch als nordrhein-westfälischer FDP-Landesvorsitzender und -Fraktionschef zurück. Im Februar 2003 folgte der Ausschluss aus der Bundestagsfraktion.

Zuletzt eskalierte der Streit sehr persönlich - Möllemann rechnete in einem Buch mit seinen früheren politischen Weggefährten ab. FDP-Chef Guido Westerwelle warf er vor, keine politische Linie zu verfolgen. Auch habe Westerwelle das Projekt 18 nie wirklich verstanden und dann kampflos aufgegeben. Auch sein Mentor, der frühere Außenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) habe ihn gekränkt. Im Antisemitismusstreit war Genscher auf Distanz zu seinem früheren Weggefährten gegangen.

Bereits mit 27 Jahren war Möllemann Bundestagsabgeordneter geworden. Später hatte ihn Genscher als Staatsminister und "Minenhund" in das Auswärtige Amt geholt. Ab 1987 setzte Möllemann dann starke Akzente als Bundesbildungsminister mit einem Hochschulsonderprogramm und einer überdurchschnittlichen Steigerung des Bildungsetats.

Den bis dahin schwärzesten Tage erlebte Möllemann am 3. Januar 1993. Damals musste er als Bundeswirtschaftsminister zurücktreten, weil er auf amtlichem Briefpapier für den Einkaufswagen-Chip eines Verwandten geworben hatte. In der Folgezeit legte sich Möllemann vor allem mit der neuen Parteiführung unter Außenminister Klaus Kinkel an. Dies kostete ihn dann 1994 auch den Landesvorsitz.

Doch Möllemann berappelte sich schnell wieder. Sein Comeback auf Landesebene gelang 1996 bei seiner Wiederwahl zum NRW-Parteichef. Bei der Landtagswahl im Jahr 2000 holte er mit 9,8 Prozent ein sensationelles Ergebnis. Auf Bundesebene gelang die Krönung der neuen Karriere, als er im Mai 2001 zum stellvertretenden Bundesvorsitzenden gewählt wurde. Ein knappes Jahr später brach Möllemann im April 2002 die Antisemitismus-Debatte vom Zaun, es folgte die antiisraelische Broschüre und der parteiinterne Absturz auf Raten bis zur jetzigen Austrittserklärung.

Doch Möllemann wäre nicht Möllemann, würde er sich nicht doch noch eine Hintertür für die Rückkehr auf die politische Bühne offen halten. "Wie sich meine politische und berufliche Zukunft jetzt konkret gestalten lässt, das prüfe ich gründlich und entscheide es mit dem nötigen Abstand", erklärte er und schickte eine Drohung an seine ehemaligen Parteifreunde hinterher: "Zugleich werde ich versuchen, den Wünschen und Anregungen all der Menschen Rechnung zu tragen, die sich in großer Zahl an mich wenden. Eines werde ich nicht tun: aufgeben - weder meine Ziele noch das Engagement für diese."