Umwelt- und Verkehrsverbände fordern weniger Flugverkehr

Billigflieger gefährden Mensch und Klima

Angesichts der erheblichen Umweltgefährdung durch den Flugverkehr haben Vertreterinnen und Vertreter des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), der Bundesvereinigung gegen Fluglärm, Germanwatch, Robin Wood und des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) heute in Düsseldorf ihre gemeinsame Position für eine umweltverträglichere Gestaltung des Flugverkehrs vorgestellt. Nach Ansicht der Umwelt- und Verkehrsverbände wird der Flugverkehr durch die Expansion der Billigflüge und den Ausbau von Flughäfen zum "Klimakiller" Nummer eins. Die Klimabelastung durch Fliegen werde damit die des Autoverkehrs in den nächsten Jahren voraussichtlich überflügeln und der Fluglärm werde noch mehr Menschen krank machen.

Um diese Entwicklung zu stoppen, müssten die massiven Subventionen des Flugverkehrs konsequent abgebaut, Klima- und Lärmbelastungen erheblich gesenkt und der Verbraucherschutz im Billigfliegersegment spürbar verbessert werden. Die Entwicklung des Flugverkehrs zu Lasten der Umwelt werde im Rheinland besonders deutlich, da sich hier gleich mehrere Standorte als El Dorado der Billigflieger profilieren wollten. So sollen in der Region vier Flughäfen für Tourismus- und Billigflieger ausgebaut werden: Düsseldorf (LTU, Air Berlin), Köln/Bonn als Billigflieger-Drehkreuz (Germanwings und Hapag-Lloyd-Express), Mönchengladbach (Air Berlin) und Laarbruch (Ryan Air).

BUND-Verkehrsexperte Dr. Werner Reh: "Die Flughäfen konkurrieren unkoordiniert und in enger räumlicher Nachbarschaft um die Ansiedlung der Billigflieger. Diese neuen Anbieter leben aber vom Mehrfachdumping: Tickets unter den eigenen Gestehungskosten, Flughäfen, die auf angemessene Gebühren verzichten und Kommunen, die Steuergelder verschwenden, nur um beim Fliegen mit von der Partie zu sein." Die Leidtragenden seien Anwohner und Umwelt. Für Reh ist es "reiner verkehrspolitischer und ökonomischer Nonsens, "wenn sich Flughäfen gegenseitig Konkurrenz machen, statt miteinander zu kooperieren.

"Der Gipfel der Unvernunft ist es, der Bahn das Geschäft zu verhageln, die bei fairen Wettbewerbsbedingungen deutschlandweit und auf vielen europäischen Relationen durchaus eine Alternative zum Flugverkehr bieten kann." Schon jetzt zeichne sich zudem ab, dass infolge des zunehmenden Wettbewerbs die meisten Billiganbieter wieder vom Markt verschwinden werden.

Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) fordert eine Stärkung des Verbraucherschutzes bei den irreführenden Lockvogelangeboten der Billigfluganbieter. Prof.Monika Ganseforth, Mitglied im VCD-Bundesvorstand: "Die vermeintlichen Supersonderangebote der Billigflieger haben ihre Tücken. Die Anbieter verschweigen oft die Zusatzkosten für Anreise, Sicherheits- und Landegebühren sowie für Kreditkartenzahlung-Kosten, die den Reisepreis nicht selten um das Fünffache überschreiten. Weiterhin fehlen eindeutige Hinweise auf begrenzte Platzkontingente sowie hohe Storno- und Umtauschgebühren."

Besonders empörend sei, dass der Flugverkehr als der klimaunverträglichste Verkehrsträger bei internationalen Flügen trotz Kyoto-Protokoll von jeder Emissionsbegrenzung ausgenommen ist und sich jeglicher Verantwortung im Klimaschutz entzieht. "Billigflieger liefern daher die eindeutige Antwort auf die Frage: ‚Wie kann ich als Bürger die Umwelt mit wenig finanziellem Einsatz maximal schädigen, ohne kriminell zu werden?‘ fasst Dr. Manfred Treber, Klima-und Verkehrsreferent von Germanwatch, seine Wahrnehmung der Billigflieger zusammen.

Seine Kollegin Monika Lege von ROBIN WOOD ergänzt: "Denn es gibt keine andere individuelle Handlung, die das Klima derart belastet wie das Fliegen." Der einzelne Verbraucher kann also viel für den Klimaschutz tun. "Wir können solange in die Sonne fliegen, bis uns der Klimawandel den Strand nach Hause bringt. Oder wir tun jetzt etwas und steigen auf klimafreundliche Verkehrsmittel um," so die ROBIN WOOD-Sprecherin.

Neben der Klimaschädigung nehme auch die Lärmbelastung kontinuierlich zu, betont Joachim Hans Beckers, der Vorsitzende der Bundesvereinigung gegen Fluglärm (BVF). Die nordrhein-westfälische Landesregierung habe den Lärm bei dem "innerstädtisch" gelegenen Flughafen Düsseldorf seit Jahrzehnten unter Umgehung der rechtlichen Normen nach oben getrieben.

Köln-Bonn sei vor allem wegen seiner Nachtoffenheit so beliebt. Mit 40.000 Nachtflügen finden dort so viele Nachtflüge wie in Frankfurt/Main statt. Durch die EU-Umgebungslärmrichtlinie und höchstrichterliche Urteile, die endlich den faktischen Vorrang des Flughafenausbaus gegenüber den Gesundheitsansprüchen der Anwohner beseitigt hätten und die Nachtruhe besser schützten, gerieten die Flughäfen zunehmend unter Druck."Es besteht die Hoffnung, dass die Expansion der Flughäfen begrenzt werden kann." Allerdings müsse die Bundesregierung endlich das "Trauerspiel " um die Novellierung des Fluglärmgesetzes beenden und anspruchsvolle Grenzwerte festlegen, bevor es die Gerichte selber tun.

Mit ihrer gemeinsamen Initiative setzen sich die Umwelt- und Verkehrsverbände für eine nachhaltige Reduzierung des Luftverkehrs ein. Wesentliche Forderungen sind die konsequente Verlagerung von Kurzstreckenflügen auf die Schiene; die Einrechnung der sozialen und ökologischen Folgekosten in den Flugticketpreis (Einführung einer Emissionsabgabe, Kopplung der Start- und Landeentgelte an Schadstoff- und Lärmemissionen); die Aufhebung der Wettbewerbsverzerrungen zwischen den Verkehrsträgern (europaweite Besteuerung von Kerosin, Aufhebung der Umsatzsteuerbefreiung im grenzüberschreitenden europäischen Flugverkehr) und der wirksame Schutz der Bevölkerung vor Fluglärm (schärfere Grenzwerte, Nachtflugverbote).