Jährlich schätzungsweise 10.000 Hinrichtungen in China

Menschenrechte

In China werden nach Schätzungen eines Abgeordneten des Nationalen Volkskongresses jedes Jahr rund 10.000 Menschen hingerichtet. Die meisten Todesstrafen in der Volksrepublik würden sofort vollstreckt, kritisierte der Leiter der Juristischen Fakultät an der Universität von Chongqing, Chen Zhonglin, in der amtlichen Jugendzeitung "China Youth Daily". Wie Chen gegenüber der Nachrichtenagentur AFP betonte, handelt es sich dabei um "Schätzungen von Abgeordneten und Wissenschaftlern" und nicht um offizielle Statistiken.

Nach seinen Angaben werden in der Volksrepublik fünfmal mehr Menschen hingerichtet als in allen anderen Staaten der Welt zusammengenommen, in denen noch die Todesstrafe gilt. Dass die Einschätzung in einem amtlichen Blatt veröffentlicht wurde, ist ungewöhnlich. Normalerweise werden die Zahlen zu den Hinrichtungen in China wie ein Staatsgeheimnis gehütet.

Ein Sprecher des Obersten Volksgerichtshofs sagte zu dem Bericht lediglich, er habe keine Ahnung, woher Chen die Zahlen habe. Dagegen hält der Leiter der Hongkonger Menschenrechtsbewegung Human Rights in China, Nicholas Becquelin, die Angaben für weitgehend korrekt. Sie stimmten mit den Schätzungen internationaler Menschenrechtsorganisationen überein. In Studien werde die Zahl der Hingerichteten sogar mit bis zu 20.000 angegeben.

Becquelin hält die ungewöhnliche Veröffentlichung für ein weiteres Anzeichen für den Wunsch der chinesischen Führung, die Zahl der Hinrichtungen in der Volksrepublik zu senken. Chen hatte sich gemeinsam mit einer Gruppe von 40 weiteren Abgeordneten während der Plenumssitzung des Nationalen Volkskongresses dafür eingesetzt, dass alle Todesurteile künftig vom Obersten Volksgerichtshof in Peking überprüft werden müssen.