Deutschland fordert Freilassung von "Cap Anamur"-Chef Bierdel

Flüchtlinge in Abschiebelager

Im Streit um die Rettung mutmaßlicher sudanesischer Flüchtlinge fordert die Bundesregierung von Italien die umgehende Freilassung des Chefs der deutschen Hilfsorganisation "Cap Anamur", Elias Bierdel. Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) betonte am Dienstag in Berlin, Bierdel könne nicht dafür bestraft werden, dass er Menschen in großer Not helfen wollte. Der "Cap Anamur"-Chef war am Montag in Italien verhaftet worden, nachdem das Schiff der Hilfsorganisation 37 im Mittelmeer geborgene Schiffbrüchige im sizilianischen Hafen Porto Empedocle an Land gesetzt hatte. "Cap Anamur" kritisierte, alle Bemühungen, die Rettungsaktion in ein schlechtes Licht zu ziehen, seien "durchsichtige Manöver, um sich den humanitären Problemen nicht zu stellen". Bierdel, der Kapitän Stefan Schmidt und der erste Offizier Vladimir Daschkewitsch müssten sofort aus der Haft entlassen und das beschlagnahmte Schiff freigegeben werden.

Bierdel wird die Unterstützung illegaler Einwanderung vorgeworfen, da die meisten der Flüchtlinge laut italienischer Justiz entgegen ihren Angaben aus Ghana und Nigeria stammen sollen. Neben Bierdel waren am Montag auch der Kapitän und der erste Offizier des Schiffes festgenommen worden. Nach Angaben der Hilfsorganisation sollen sie am Donnerstag dem Haftrichter vorgeführt werden. Die Mannschaft konnte am Dienstag von Bord des Schiffes gehen, das von der italienischen Justiz beschlagnahmt wurde.

Das Auswärtige Amt teilte unterdessen mit, dass sich der deutsche Botschafter in Rom schon am Montag mit dem italienischen Außenministerium in Verbindung gesetzt habe. Zudem sei ein Konsularbeamter nach Sizilien entsandt worden.

Dem Drama im sizilianischen Mittelmeerhafen war eine dreiwöchige Odyssee der 37 afrikanischen Flüchtlinge vorausgegangen. Das Schiff fand die Flüchtlinge in einem völlig überladenen Schlauchboot auf dem Mittelmeer treibend auf. Sie wurden laut "Cap Anamur" entgegen ersten Zusagen der Italiener inzwischen in ein Abschiebelager gebracht.

Zuletzt hatten sogar die Vereinten Nationen Italien aufgefordert, die Flüchtlinge an Land zu lassen.

Die Bürgermeister von Rom und anderen Städten haben angeboten, die Flüchtlinge aufzunehmen.