Menschenrechtslage hochgradig kritisch

Liberia

Ein Jahr nach Ende des blutigen Bürgerkriegs in Liberiafordert die Menschernrechtsorganisation Amnesty International (ai) die UN-Schutztruppen in Liberia (UNMIL) sowie die liberianische Übergangsregierung auf, deutlich mehr für den Menschenrechtsschutz und die Verfolgung der Täter zu tun. In Teilen des landes herrscht noch immer Gewalt. Trotz einiger Fortschritte sei die Menschenrechtslage im Land hochgradig kritisch. ai veröffentlicht heute einen Bericht, der auf Recherchen basiert die ai im Juli in Liberia vorgenommen hat. "In einigen Gegenden sind bisher weder UNMIL-Truppen eingezogen, noch haben dort die im Waffenstillstandsabkommen vom 18. August 2003 vereinbarten Entwaffnungs- und Demobilisierungsprogramme begonnen", sagte Hans-Joachim Müller, Liberia-Experte von ai.

Unter der Kontrolle bewaffneter Oppositionsgruppen würden in Lofa, in Nimba sowie in den südöstlichen Provinzen Sinoe, Grand Kru, River Gee und Maryland Zivilisten eingeschüchtert, erpresst und in Zwangsarbeit ausgebeutet. Es komme zu Plünderungen.

Trotz unbestreitbarer Fortschritte bei der Entwaffnung und Demobilisierung der Bürgerkriegsarmeen sei gerade bei den Kindersoldaten zu wenig passiert. In den ersten Monaten des Entwaffnungsprogramms hätten erst knapp zehn Prozent der ca. 21.000 Kindersoldaten ihre Waffen abgegeben. Der Anteil der Kinder unter den liberianischen Bürgerkriegssoldaten wird aber auf 40 Prozent geschätzt, so Müller.

Vor allem Mädchen leiden unter den Folgen der Gewalt, die sie in der Armeezeit erlitten haben: Schwangerschaften, Infektion mit HIV oder Geschlechtskrankheiten. Kinderhilfsorganisationen haben bisher rund 30 Auffanglager für solche Kinder und Jugendliche errichtet. Das reiche bei weitem nicht aus. Schlimmer noch, für die geplanten Langzeitprogramme zur Reintegration der Kindersoldaten fehle bisher jegliche Finanzierung, so Müller.

Bisher genießen die meisten Kriegsverbrecher in Liberia Straffreiheit. Dies begünstige aber nur weitere Gewalt und Konflikte.