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Jagd

Letzte Pyrenäen-Bärin erschossen

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Die Ausrottung des ursprünglichen Pyrenäen-Bestandes an Braunbären ist besiegelt. Das letzte Weibchen der hochbedrohten Pyrenäen-Braunbären wurde diese Woche von Jägern erschossen. Das Schicksal des Jungtieres der Bärin "Cannelle" ist ungewiss. Dies meldet heute die Naturschutzorganisation Pro Wildlife. In Frankreich schlage der aktuelle Fall hohe Wellen. Bereits 1997 wurde das Bärenweibchen "Melba" in den Pyrenäen erschossen. "Cannelle" war seitdem das letzte überlebende Braunbären-Weibchen, das ursprünglich aus den Pyrenäen stammt. Am Montag wurde die 15-jährige Bärin von französischen Jägern getötet, die im Aspe-Tal in den westlichen Pyrenäen auf Wildschweinjagd waren. Die Bärin, begleitet von ihrem circa 10 Monate alten Jungtier, wurde von den Jagdhunden aufgescheucht und verteidigte ihren Nachwuchs. Ein Jäger erschoss die Bärin angeblich in Notwehr.


"Der Tod der Bärin wurde provoziert, denn Naturschützer hatten die Jäger zuvor über den Aufenthalt der Braunbären in genau diesem Gebiet informiert", kritisiert die Pro Wildlife Sprecherin. Nach dem Tod der Mutter flüchtete das Jungtier. Ob es allein überleben kann, ist noch ungewiss. Da es nur noch sehr wenige Pyrenäen-Braunbärenmännchen gibt, und diese auch unter Beobachtung stehn, ist es sehr unwahrscheinlich, dass das Jungtier ein reinrassiges Braunbärweibchen ist. Die ursprüngliche Pyrenäen-Population sei nun nicht mehr zu retten, sondern könne nur noch mit Tieren aus Osteuropa künstlich erhalten werden meinen Tierschützer.

"Dieser Verlust ist ein Drama für den europäischen Artenschutz", so Pro Wildlife Sprecherin Daniela Freyer. Sie kritisiert, dass Jäger unter fadenscheinigen Begründungen immer wieder streng geschützte Bären und Wölfe töten: "Ob Braunbären in den Pyrenäen oder eingewanderte Wölfe in Ostdeutschland - bis heute verfolgen Europas Jäger gnadenlos die letzten Beutegreifer." Zwar seien die Europäischen Braunbären theoretisch geschützt, doch in der nationalen Umsetzung klafften erhebliche Lücken. Bislang hätten die Gesetzgeber es "fatalerweise" verpasst, im Bärengebiet ein absolutes Jagdverbot zu erlassen.

Nur noch 15 bis 18 Braunbären leben in den Pyrenäen, die meisten von ihnen wurden eigens aus Slowenien und Kroatien hierher umgesiedelt, um den vom Aussterben bedrohten Bestand in Südwesteuropa zu retten. Doch die seit Jahrzehnten andauernden Artenschutzbemühungen werden von Jägern immer wieder torpediert. Auch die EU sei nun gefragt, die den Erhalt der Bären-Population in den Pyrenäen finanziell unterstützte.

Pro Wildlife fordert von der EU einen konsequenteren Schutz der verbliebenen europäischen Braunbären. Bereits Anfang des Jahres aktivierten die Naturschützer die EU, als Slowenien seinen Braunbärenbestand durch unverantwortlich hohe Jagdquoten um ein Viertel dezimieren ließ. Auch in diesem Fall hatte die EU zuvor Gelder für den Schutz der Braunbären bereitgestellt. "Es ist paradox: Die EU zahlt mit Steuergeldern für den Schutz von Meister Petz - doch die betreffenden Staaten machen die Artenschutzbemühungen durch ihre Fehlpolitik zunichte", so Freyer.

Im Falle Sloweniens half der Druck aus der EU, die Jagdquoten zu reduzieren, doch im Falle der Pyrenäen-Braunbären kommt nach dem Tod des letzten einheimischen Weibchens jede Hilfe zu spät. In Deutschland wurde der letzte Braunbär 1835 in Bayern getötet - ebenfalls von einem Jäger.

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