ARD-Magazin: Zwei-Klassen-Gesellschaft bei Krebsbehandlung

Thalidomid

Die gesetzlichen Krankenkassen verweigern nach einem Bericht des ARD-Magazins "Monitor" zunehmend die Kostenübernahme lebensrettender Krebsmedikamente, wenn diese bisher nur im Ausland zugelassen sind. Betroffen sei beispielsweise das Medikament Thalidomid, das in internationalen Studien eine hohe Wirksamkeit gegen Knochenmarks-Krebs bewiesen habe, aber nur außerhalb Europas zugelassen sei. Die Kassen berufen sich auf ein Urteil des Bundessozialgerichts vom 18. Mai, wonach sie Medikamente nicht erstatten müssen, die in Deutschland oder bei der EU keine Zulassung haben.

"Thalidomid entscheidet bei vielen austherapierten Patienten über Leben und Tod", sagte der Chefarzt des Tumorzentrums am St. Marien Hospital in Hamm, Heinz Dürk, dem Magazin. Die monatlich 800 bis 3000 Euro könnten viele Kassenpatienten nicht selbst aufbringen. Privatversicherten werde das Medikament von der Kasse erstattet.

Dürk sprach von einer "Zwei-Klassen-Gesellschaft in der Tumorbehandlung". Bei der Deutschen Leukämie - und Lymphom-Hilfe haben sich laut "Monitor" bereits Dutzende verzweifelte Patienten gemeldet.