Hausgerätehersteller Miele streicht 1100 Stellen in Deutschland

Steuerungsprobleme

In Mangelwirtschaften fehlt es an den notwendigen Gütern und Dienstleistungen für die Bevölkerung. Der heutige Kapitalismus hingegen kann - so lange die Rohstoffe nicht all zu knapp und teuer werden - die Bevölkerung problemlos mit allen für erforderlich gehaltenen Gütern und Dienstleistungen versorgen. Ein Leben im Schlaraffenland erscheint möglich. Doch das etablierte Regelungssystem der Wirtschaft kommt mit dem Überfluss nicht zurecht. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung beschreibt es beispielsweise in der Ausgabe vom vergangenen Samstag als Problem, dass der Hausgerätemarkt "gesättigt und daher besonders hart umkämpft" ist. Aktueller Anlass für die Problemanzeige ist, dass der Gütersloher Hausgerätehersteller Miele nach eigenen Angaben weltweit knapp 700.000 Waschmaschinen und rund 500.000 Geschirrspülautomaten herstellt und gerne noch viel mehr Geräte herstellen würde - ebenso wie andere Hersteller auch. Da der Markt für Hausgeräte aber gesättigt ist, unterbieten sich die wenigen Hersteller beim Preis, um für das eigene Unternehmen noch ein Wachstum erzielen zu können. Da Miele auf hochpreisige, etwas langlebigere Qualitätsprodukte setzt, zugleich aber auch jedes Jahr ein Wachstum verzeichnen möchte, sollen die Kosten gesenkt werden, indem in den kommenden zwei Jahren 1077 der aktuell 11.046 Arbeitsplätze in Deutschland abgebaut werden. Es ist fraglich, ob sich Arbeitslose noch Waschmaschinen von Miele leisten können, auch wenn diese im Überfluss angeboten werden.

Wie die Frankfurter Allgemeine berichtet, streicht Miele jede zehnte Stelle in Deutschland. Von dem Abbau sind alle sechs deutschen Werke in Gütersloh, Bielefeld, Euskirchen, Lehrte, Warendorf und Oelde betroffen. Bei den beiden Werken in Österreich und Tschechien ist derzeit offenbar kein Arbeitsplatzabbau geplant.

Ein Miele-Sprecher hat offenbar gesagt, dass es sich bei dem Personalabbau um eine reine Vorsorge handele. Das Unternehmen sei kerngesund und keineswegs in einer existenzgefährdenden Schieflage. Der Umsatz der Gruppe sei 2004 um 2,5 Prozent auf rund 2,2 Milliarden Euro gestiegen, wobei man auch im Inland (Umsatzanteil: 30 Prozent) zugelegt habe. Die Gewinne der Miele & Cie KG seien in den vergangenen Jahren allerdings gesunken.

Offenbar geht es auch darum, das Familienunternehmen vor dem Einfluss der Großbanken zu schützen: "Wir wollen unsere Wettbewerbsfähigkeit stärken, um auch in Zukunft ein selbständiges Familienunternehmen zu bleiben, das sich aus eigener Kraft finanzieren kann."

Die Banken verdienen an Miele vermutlich weniger als an anderen Herstellern. Denn nach Angaben der Frankfurter Allgemeinen Zeitung wird bei Miele Geld nur ausgegeben, wenn es vorher selbst verdient worden ist. "Bankverbindlichkeiten sieht man ungern."

Zu den wesentlichen Konkurrenten von Miele zählen der schwedische Weltmarktführer Electrolux, die US-amerikanische Whirlpool sowie der in Europa führende Hausgerätehersteller Bosch-Siemens-Hausgeräte. Bosch-Siemens hat allein 2003 knapp 1000 Stellen in Deutschland gestrichen und setzt den Abbau erklärtermaßen weiter fort. Whirlpool hat schon vor Jahren den Abbau von mehr als 6000 Stellen begonnen. Electrolux will in den kommenden vier Jahren offenbar bis zur Hälfte seiner 27 Fabriken in Hochlohnländern schließen, umgliedern oder in Niedriglohnländer verlagern.