Monsanto verliert in Europa Weizen-Patent auf indische Sorte "Nap Hal"

Patente auf Leben

Am 20. Februar dieses Jahres hatte die Initiative "Kein Patent auf Leben", unterstützt vom Umweltinstitut München e.V., gegen das im Mai 2003 erteilte Patent der Weizensorte "Nap Hal" Einspruch beim Europäischen Patentamt eingelegt. Dem Einspruch von Organisationen aus Deutschland hatten sich die große indische Bauernorganisation Bharat Krishak Samaj und der Dachverband der europäischen Landwirte, COPA, angeschlossen. Diesem Einspruch wurde am Freitag stattgegeben. Keine Lizenzgebühren an Monsanto heißt das für die Bauern in Europa, die Weizen mit den genetischen Eigenschaften anbauen.

Das gilt auch für die Bäcker, die daraus Brot und Gebäck zubereiten und für diejenigen, die das dann verkaufen. Alle diese hätten zahlen müssen an den Konzern, der die Backqualität indischer Weizensorten in der eigenen Sorte patentieren ließ. Diese aber haben indische Bauern in jahrhundertelanger Arbeit und Kooperation herausgezüchtet, sie sind keine Erfindung von Monsanto. In den USA, Kanada, Australien und Japan gilt das Patent allerdings.

Für seine angebliche Erfindung bediente sich Monsanto beim Saatgut indischer Bauern. Diese züchteten ihrem Nap Hal-Weizen jene Eigenschaften an, die sie bei Chapatti und Roti, Flachbrote, die dort zu den Hauptnahrungsmitteln zählen, schätzen: Teig aus dessen Mehl zubereitet, geht weniger auf, das Gebäck wird besonders knusprig. Für Kekse und ähnliche Backwaren ist das ideal.

Das Patent stellt eine Bedrohung für indische Bauern dar: Monsanto könnte seine Rechte über das Patentübereinkommen (Patent Cooperation Treaty) auf Indien ausdehnen und Lizenzgebühren von indischen Bauern verlangen, die Weizen mit den genetischen Eigenschaften der patentierten Sorte - und diese haben nahezu alle indischen Landsorten - anbauen. "Auch wenn das Patent in Indien nicht anerkannt ist, so verhindert Monsantos Biopiraterie-Patent, dass Indien von den wachsenden Märkten in Europa und den USA für chemiefreie Weizenprodukte mit wenig Gluten profitiert", erklärt Dr. Vandana Shiva von der indischen Research Foundation.

Schon vergangenes Jahr wurde ein Patent der Firma Dupont widerrufen, das Mais aus Mexiko umfasste. Dupont hatte durch das Patent zunächst das Recht erhalten, über die gesamte Produktionskette von Mais mit einer besonderen Ölqualität zu bestimmen, sowie über Futter- und Lebensmittel, die diesen Mais enthalten.

Am 4. Oktober 2004 hatte das Europäische Patentamt schon dem Einspruch von Bauernverbänden und Organisationen gegen das Patent EP 445 929, welches das Amt in München am 21. Mai 2003 erteilt hatte, stattgegeben. Das Patent beinhaltete Eigenschaften einer Weizensorte, die durch das Fehlen bzw. die Inaktivität einer Gensequenz erreicht werden. Jeder weichmahlende Weizen, der diese Eigenschaften aufweist und alle die Produkte - Mehl, Teig, Backwaren - die daraus gefertigt werden, wären Eigentum von Monsanto. Jeder der damit zu tun hätte, vom Bauer über den Bäcker bis zum Lebensmittelhändler müsste Gebühren für die Weizennutzung zahlen.

Schon 1990 hatte die Firma Unilever einen Patentantrag auf Weizen mit dieser genetischen Veranlagung gestellt. Durch Kauf ging das Patent auf Monsanto über. 1999 wurde es in den USA erteilt.

Diese Beispiele zeigten, laut Umweltinstitut München e.V., dass sich der Widerstand gegen Biopiraterie und die Machenschaften der Konzerne lohnt. Da das europäische Patentamt ein einmal erteiltes Patent nicht von sich aus wieder zurücknehmen kann, kann es auch keine Fehler korrigieren. Dazu braucht es einen Einspruch von Dritten. Die Wachsamkeit und Detailarbeit von Organisationen, die von Bürgern aus Sorge um das Gemeinwohl gegründet wurden, sei hier notwendig - zum Schutz von Bauern und Verbrauchern in Europa und in den Entwicklungsländern.