Josef Fischer kann sich im Gericht nur schwer an seine Vergangenheit erinnern

Zeitzeuge mit Blackout

Geduldig stellt sich Josef Fischer (Grüne) den Fotografen. "Das ist doch absurd", kommentiert der 57-Jährige dann doch noch den Pulk. Bereits zum zweiten Mal nimmt der frühere Außenminister vor Gericht zur Frankfurter Protestbewegung der 1970er Jahre Stellung. Es geht an diesem Dienstag aber nicht um Fischer. Vielmehr klagt ein ehemaliger Mitstreiter gegen den "Focus", weil das Magazin ihn als "passionierten Schläger" bezeichnet hatte. Wie sehr und mit welchen Mitteln der Veranstaltungsmanager aus Frankfurt seinerzeit mitgestritten hat, versucht das Gericht seit dreieinhalb Jahren zu ergründen. Der langjährige Freund und einstige Trauzeuge Fischers fordert eine Unterlassungserklärung und 15.000 Euro Schadenersatz, "Focus" lehnte bislang jeden Vergleich ab. Fischer kann zur Aufklärung der 30 Jahre zurückliegenden Aktionen in der so genannten Putztruppe nichts beitragen. Seine Aussagen bleiben vage.

"Wenn er den Ruf eines passionierten Schlägers gehabt hätte, könnte ich mich daran erinnern", sagt Fischer über seinen früheren Weggefährten und räumt auf Nachfrage ein: "Mein Gedächtnis ist in der Beziehung nicht sehr belastbar."

Bereits im Januar 2001 hatte Fischer als damals amtierender Außenminister im so genannten Opec-Prozess vor Gericht ausgesagt. Der Anfang der 1970er ebenfalls in der Frankfurter Sponti-Szene aktive Hans-Joachim K. war angeklagt, im Dezember 1975 an einem Mordanschlag auf die Opec-Ministerkonferenz in Wien beteiligt gewesen zu sein.

Fischer hatte im Zeugenstand eingeräumt, "militant" gewesen zu sein, es aber verneint, mit der RAF-Terroristin Magrit S. in einer Frankfurter Wohngemeinschaft unter einem Dach gelebt zu haben. Da Schiller zunächst Gegenteiliges behauptete, wurde gegen Fischer ein Ermittlungsverfahren wegen uneidlicher Falschaussage eingeleitet, bald darauf aber eingestellt.

Trotz der wenig ergiebigen Einlassungen Fischers bleibt "Focus"-Anwalt Robert Schweizer hartnäckig: "War der Kläger seinerzeit Mitglied in der Putztruppe?", fragt er und bekommt von Fischer zur Antwort: "Formelle Mitgliedschaften in der Spontiszene waren nicht üblich."

Der Vorsitzende Richter Frowin Kurth wirkt mittlerweile ziemlich kurz angebunden, zumal die Nachfragen von Anwalt Schweizer mehr und mehr auf die Rolle Fischers und nicht auf die des Klägers abzielen. Und Fischer selbst will nicht mal mehr wissen, wofür die Putztruppe überhaupt stand.

Da kann der nächste Zeuge weiterhelfen. Georg Dick, Diplomat im Auswärtigen Amt und damals stellvertretender Vorsitzender des Frankfurter Studentenausschusses, weiß zu berichten, dass die "ironische Formulierung" eine Abkürzung für "Proletarische Union für Terror und Zerstörung" gewesen sei. Welche Rolle der Kläger darin gespielt habe? - "Keine Ahnung, ich habe ihn damals kaum gekannt."

Am 11. Mai soll noch der Buchautor Christoph Schmidt als Zeuge gehört werden. Der hatte über den Kläger in einer Fischer-Biographie geschrieben, dass er den Ruf hatte, "einer der allerhärtesten Kämpfer zu sein."