2005 wurden 2.412.678 Tiere für Versuche "verwendet"

"Transgene Tiere"

Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz veröffentlichte am 15. November die "Tierversuchszahlen" für das Jahr 2005. In der Pressemitteilung versucht das Ministerium aber vor allem auf Ersatzmethoden abzuheben: "Erklärtes Ziel der Bundesregierung ist es, Ersatzmethoden zu Tierversuchen zügig weiterzuentwickeln. Dies ist auch in der Koalitionsvereinbarung vom 11.11.2005 aufgeführt", heißt es einführend. Erst im fünften Absatz lässt das Ministerium die Katze aus dem Sack: "Im Jahr 2005 wurden in Deutschland insgesamt 2.412.678 Tiere für Versuche und andere wissenschaft­liche Zwecke verwendet. Das ist gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung von 147.189 Tieren beziehungsweise 6,5 Prozent." Postwendend folgt der Versuch, den Zahlen die Dramatik zu nehmen: "Dieser Trend ist auch in einigen europäischen Nachbarstaaten zu verzeichnen."

Wie in den Vorjahren stellen die Nager laut Ministerium mit 2.060.546 Tieren beziehungsweise mit 85,4 Prozent die größte Gruppe dar. Es sei hervorzuheben, dass ihr Anteil von 75,1 Prozent im Jahr 2001 bis zum Jahr 2005 "stets anstieg". Diese Steigerung werde nahezu komplett durch den vermehrten Einsatz von Mäusen verursacht.

Insgesamt wurden auch 361.261 "transgene Tiere" eingesetzt. Hier bilden die Mäuse den Angaben zufolge mit 96,4 Prozent den weitaus größten Anteil. "Desweiteren wurden transgene Ratten, Kaninchen, Schweine, Amphibien und Fische verwendet."

Die Zahl der Hunde mit 4.892 und Katzen mit 1.023 habe sich gegenüber dem Vorjahr um 586 beziehungsweise 395 Tiere erhöht. Die Anzahl der Affen und Halbaffen hat sich den Angaben zufolge gegenüber dem Vorjahr um 434 auf 2.105 Tiere erhöht. 72,1 Prozent der Affen würden für toxikologische Untersuchungen beziehungsweise andere Sicherheitsprüfungen eingesetzt. Menschenaffen werden offenbar seit 1991 nicht mehr in Versuchen eingesetzt.

Die Zahl der eingesetzten landwirtschaftlichen Nutztiere sei mit jährlich rund 20.000 Tieren konstant geblieben. Deutlich sei der Rückgang bei den eingesetzten Fischen um 65.684 beziehungsweise 39,3 Prozent. Hier seien insbesondere Reduzierungen innerhalb der Grundlagenforschung um 64.080 und der toxiko­logischen Prüfungen im Umweltbereich um 15.463 Fische zu verzeichnen.

Die Aktivitäten der Bundesregierung zur Vermeidung von Tierversuchen sind angesichts der steigenden Tierversuchszahlen offenkundig ohne Erfolg. So verpuffen scheinbar die Ausgaben des Bundes zur Förderung von "Ersatzmethoden zum Tierversuch". Das Ministerium hat hierfür seit seit 1980 knapp 90 Millionen Euro ausgegeben. Auch die jährliche Vergabe eines "Tierschutzforschungspreises" wirkt eher hilflos.

Der Bundesverband Menschen für Tierrechte kündigte anlässlich der neuen Tierversuchszahlen ein - nach eigener Darstellung - "praktikables Konzept für tierversuchsfreie Forschung" an. Es werde am 20. November den Bundestagsfraktionen in einem Workshop vorgelegt.

Die seit Jahren ansteigenden Versuchstierzahlen sind nach Interpretation des Verbandes "vor allem auf den Bereich der Gentechnik zurückzuführen, wo allein bei den gentechnisch veränderten Mäusen eine Zunahme um etwa 50.000 Tiere zu verzeichnen ist".

"Während in vielen Forschungsbereichen, wie den Giftigkeitstests, tierversuchsfreie Methoden auf dem Vormarsch sind, hinkt die Gentechnik massiv hinterher", so Kurt Simons, Vorsitzender des Bundesverbandes Menschen für Tierrechte. Auch Prof. Dr. Marcel Leist, Inhaber des ersten Lehrstuhls für In-vitro-Methoden an der Universität Konstanz, sieht im Bereich der Gentechnik einen großen Nachholbedarf, tierversuchsfreie Methoden zu entwickeln.