Artenschutz in China

"Keine bedrohten Tiere auf Rezept!" - China-Medizin gefährdet Arten

Aufklärung als Artenschutzmaßnahme – Darauf setzt Pro Wildlife in einer aktuellen Zusammenarbeit mit der Internationalen Gesellschaft für Chinesische Medizin. Millionen Wildtiere werden jedes Jahr allein in China zu Pulvern, Salben und Tinkturen für die sog. "Traditionelle Chinesische Medizin" (TCM) verarbeitet - Tendenz steigend. Auch in Deutschland lassen sich immer mehr Menschen mit TCM-Produkten behandeln. "Die meisten Patienten wissen dabei nicht, dass in den Arzneien, v.a. bei Importen von Fertigprodukten, bedrohte Wildtiere enthalten sein können", betont Pro Wildlife-Expertin Dr. Sandra Altherr. "Die Aufklärung von Patienten und Ärzten ist deshalb eine essentielle Ergänzung zu gesetzlichen Artenschutzmaßnahmen."

Die Münchner Artenschutzorganisation kämpft gegen die Plünderung von Wildtierbeständen für asiatische Apotheken. So wurden auf Initiative von Pro Wildlife bereits neun hochbedrohte Schildkröten weltweit unter Schutz gestellt."Internationale Gesetze sind ein wichtiger Schritt, um diese Arten zu retten. Doch genau so wichtig ist es, die Anwender und Verbraucher von TCM für den Artenschutz zu gewinnen", so Altherr abschließend.

Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) boomt - in Südostasien, aber auch zunehmend in Europa. Während Anwendungen wie Akupunktur und Massagen aus Artenschutzsicht unbedenklich sind, gilt dies nicht für jedoch Präparate, die Wildtiere enthalten, da durch die explosionsartig angestiegene Nachfrage immer mehr Arten an den Rand der Ausrottung geraten. Prominentestes Beispiel ist der Tiger, dessen Körperteile in ostasiatischen Apotheken horrende Preise erzielen. Doch auch das Überleben anderer Wildtiere, darunter Schildkröten, Schlangen, Schuppentiere, Seepferdchen und Antilopen, wird zunehmend gefährdet.

Am 09-01-2002

Neue Reservate in China

Die chinesische Regierung hat fünf neue Schutzgebiete für Pandas im Qinling Gebirge ausgewiesen. Durch die neuen Reservate im Zentrum des Landes stehen den seltenen Bambusbären dort jetzt mit 334.000 Hektar annähernd doppelt so große Rückzugsgebiete zur Verfügung, berichtet die Tierschutzorganisation WWF. Dadurch steige die Überlebenschance für die seltenen Pandas, erläutert Susanne Honnef vom WWF Deutschland. Der WWF schätzt den Bestand an wild lebenden Pandas auf etwas mehr als 1.000 Tiere. Sie lebten isoliert voneinander in einem halben Dutzend Bergwäldern, zwischen denen es für die Tiere keine Verbindung gebe.

Wichtig sei daher vor allem, dass die bereits bestehenden Gebiete durch Waldkorridore verbunden würden. Nur so könne Inzucht vermieden und ein überlebensfähiger Bestand der schwarz-weißen Bären gesichert werden.

Den grünen Korridoren komme nicht nur für die Partnerwahl eine besondere Bedeutung zu, sie seien zudem für die Nahrungssuche entscheidend: Bambus, die Hauptnahrung der vegetarischen Bären blüht in wiederkehrenden Vegetationszyklen und stirbt danach ab. Über Millionen Jahre war diese natürliche Nahrungsverknappung kein Problem. Verblühte eine Bambusart, zogen die hungrigen Tiere einfach in andere Gebiete weiter. Inzwischen wurden solche Rückzugsgebiete durch Straßenbau, Abholzung und die Ausweitung landwirtschaftlicher Ackerflächen immer kleiner. Mit der Ausweisung neuer Waldkorridore können die Pandas künftig besser auf Brautschau gehen und bei Hungersnöten zu neuen Futterquellen umziehen.

"Die chinesische Regierung ist mit dem Schutz der Bambuswälder auf dem richtigen Weg," unterstreicht Susanne Honnef, Artenschutzreferentin beim WWF. Obwohl die chinesische Regierung 1998 die Rodungen im südwestlichen Teil Chinas für zunächst zehn Jahre gestoppt habe, seien die schwarz-weißen Bären noch nicht über den Berg.

Die Lage könnte sich entspannen, wenn die Chinesen ihre Ankündigungen wahr machen und weitere Gebiete unter Schutz stellten. Dem Qinling Gebirge komme dabei eine besondere Bedeutung zu. Die Bergregion liegt sowohl geografisch als auch klimatisch im Zentrum Chinas. Die Wälder von hohem ökologischen Wert bieten nicht nur den Pandas Schutz, sondern auch einer Reihe weiterer bedrohter Arten wie dem Goldstumpfnasen-Affen, dem Takin seltenen Ibisen.

Am 23-04-2003

Keine Entspannung in China

Der chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao rechnet im Kampf gegen SARS mit keiner baldigen Entwarnung. "Die Lage in China ist noch immer ernst", zitiert die BBC Wen anlässlich des Treffens der zehn südostasiatischen ASEAN-Staaten mit Vertretern Chinas und Japans in Bangkok. Der Ministerpräsident schlug einen Fonds zur Bekämpfung von SARS vor. Peking wolle dafür rund 1,2 Millionen Dollar bereitstellen, Thailand ist bereit, 250.000 Dollar zur Verfügung zu stellen. Die genaue Höhe des Fonds wurde noch nicht festgelegt. Zudem wolle man künftig Informationen über die Ausbreitung von SARS und Gegenmaßnahmen besser austauschen.

Die Volksrepublik müsse die Tatsache erkennen, dass SARS eine langdauernde Epidemie ist. So hätte es nicht nur einen akuten Anstieg neuer SARS-Fälle gegeben, es zeichnet sich laut dem Ministerpräsidenten auch die Tendenz ab, dass sich die Epidemie in andere Regionen ausbreite. Nun aber habe die Regierung erkannt, dass sie anfänglich auf den Ausbruch unzureichend reagiert habe, un daher "entscheidende Maßnahmen" gegen eine weitere Verbreitung der Lungenkrankheit getroffen.

Laut WHO ist China der "Schlüssel" dafür, herauszufinden, ob SARS ausgerottet werden kann. WHO-Experte David Heymann erklärte: "Kann China SARS nicht eingrenzen, kann die Krankheit auch nicht eliminiert werden."

Am 30-04-2003

Parallelen zur Ebola-Epidemie in Afrika

Chinas Behörden greifen durch, um die Ausbreitung von SARS einzudämmen: Zehntausende Wildtiermärkte, Restaurants und Küchen in Südchina waren Ziel aktueller Razzien der Regierung, berichtet die Artenschutzorganisation Pro Wildlife. Dabei seien fast 840.000 bedrohte Tiere beschlagnahmt und 1.428 Verdächtige festgenommen worden. Chinesische Ärzte vermuten die Quelle von SARS im Verzehr von Wildtieren. "Die Angst vor der Lungenkrankheit führt möglicherweise zu einem Umdenken bei den Konsumenten. Dies wäre eine unerwartete Chance für den Artenschutz", hofft Sandra Altherr, Biologin bei Pro Wildlife. Sollte sich die Vermutung bestätigen, dass die Ursache für SARS im massenhaften Konsum von Wildtieren auf asiatischen Märkten und in Restaurants zu suchen ist, wäre dies kein Einzelfall: Auch im Falle der in Zentralafrika grassierenden Ebola-Epidemie werde als Übertragungsweg der Verzehr von Fleisch infizierter Wildtiere, in diesem Falle Menschenaffen, vermutet.

Die ersten Fälle von SARS tauchten ausgerechnet bei Personen auf, die mit der Zubereitung von Wildvögeln in Restaurants der südchinesischen Provinz Guangdong zu tun hatten. Chinesische Ärzte schlugen deshalb Alarm. Nach Berichten der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua führten die Behörden in Guangdong daraufhin Razzien auf zahlreichen Wildtiermärkten und in -Restaurants durch. Guangdong ist eines der Zentren des millionenfachen Verbrauchs von Wildtieren in China. Diese Tiere - vom Tiger über Schildkröten und Vögel bis hin zu Schuppentieren und Affen - stammen großteils aus freier Wildbahn.

"In China gilt das Fleisch vieler Wildtiere als gesundheitsfördernd, und dank Wirtschaftsaufschwung können sich immer mehr Chinesen solche Speisen leisten ", erläutert die Pro Wildlife-Sprecherin. "Dieser Aberglaube wurde in den letzten Jahren zu einer der größten Gefahren für bedrohte Arten weltweit. Nun könnte ausgerechnet die Angst vor SARS hier ein Umdenken auslösen". Der Nachweis für einen tatsächlichen Zusammenhang zwischen SARS und den Wildtiermärkten steht noch aus. Doch Restaurants in China und Hongkong beklagen bereits jetzt fehlende Kundschaft und massive finanzielle Einbußen.

Ein Zusammenhang zwischen tödlichen Seuchen und dem Verzehr von Wildtieren sorgte jüngst auch in Afrika für Schlagzeilen: Die derzeit in Zentralafrika grassierende Ebola-Epidemie fordert nicht nur Opfer unter den Menschen, sondern auch unter Schimpansen und Gorillas. Als Übertragungsweg wird auch hier das Fleisch der Wildtiere vermutet - eine erschreckende Parallele zu den SARS-Fällen in Asien.

Pro Wildlife weist seit Jahren auf die Bedrohung der Artenvielfalt durch den millionenfachen Konsum von Wildtieren in China und seinen Nachbarländern hin. Die Münchner Artenschutzorganisation setzte sich u.a. erfolgreich dafür ein, dass Dutzende hierdurch bedrohte Tierarten international unter Schutz gestellt wurden. "Wir wollen ein Umdenken der Verbraucher in China erreichen und zeigen deshalb auch ökologisch unbedenkliche Alternativen auf. Dass nun diese Artenschutzbemühungen ausgerechnet durch eine Seuche unterstützt werden, ist unerwartet", sagt Altherr.

Am 06-05-2003

Getestet

In China werden die ersten klinischen Versuche von SARS-Impfungen vorbereitet. Das berichtet das Wissenschaftsmagazin New Scientist. Nach Angaben der staatlichen chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua sollen die Tests noch vor Ende Dezember beginnen. Kritiker sind der Ansicht, dass das Vorgehen der Chinesen übereilt sei, da die Wirksamkeit des Impfstoffes noch nicht genau untersucht wurde. Sie werfen den Chinesen vor, dass ein solcher Impfstoff SARS sogar noch gefährlicher machen könnte als bisher.

Yin Hongzhang von der Chinesischen Food and Drug Administration beteuerte, dass das Vakzin Affen vor der Erkrankung schütze. Hergestellt werde der Impfstoff, der aus getöteten Viren stammt, im Pekinger Biotechnologie-Unternehmen Sinovac. Bereits im Oktober wurde der Impfstoff von den chinesischen Behörden zugelassen. Nach Angaben von Sinovac gibt es bereits jede Menge Freiwillige, die sich für Testimpfungen zur Verfügung stellen. In den ersten Versuchen werden üblicherweise rund 100 Personen getestet, bei den SARS-Impfungen sollen allerdings schon 1.400 Einzeldosen bereitstehen.

Europäische und amerikanische Forscher äußerten sich gegenüber der schnellen Reaktion der Chinesen skeptisch, da normalerweise umfangreiche Tierversuche durchgeführt werden, ehe ein Impfstoff am Menschen untersucht wird. "Das Vakzin gegen SARS mag ja keine sofortigen Nebenwirkungen haben", erklärt Albert Osterhaus, Impfspezialist an der Erasmus Universität in den Niederlanden, der ebenfalls verschiedene Vakzine gegen SARS untersucht. Der Wissenschaftler fürchtet, dass es nach einer Immunantwort auf den Impfstoff zu einer noch gefährlicheren SARS-Infektion kommen könnte. Es sei nicht ausreichend zu sagen, dass Affen kurzfristig gegen den Erreger immun sind. "In Tests muss untersucht werden, wie die Immunreaktion nach Monaten aussieht. Nur dann kann man davon ausgehen, dass der Impfstoff auch tauglich ist", so Osterhaus. Ein solches Problem gab es zum Beispiel in den 60er Jahren bei der Masern-Impfung.

Am 27-11-2003

China

In Tianjin, China, konnte die Animals Asia Foundation (AAF) erstmals zwei Braunbären aus einer illegalen Bärenfarm befreien. Eine Zeitung in Tianjin hatte über das Schicksal der Bären berichtet. Die zuständige Forstbehörde konfiszierte daraufhin die Tiere und übergab sie am 21. Februar der Obhut von AAF. Am Mittwoch kamen die Tiere nach einem zweitausend Meilen langen Transport in Chengdu im Bärenrettungszentrum der AAF an. Ein Empfangskomitee aus Vertretern der Forstbehörde und zahlreichen Journalisten stand bereits zur Begrüßung bereit.

Die zehn Jahre alten und über 300 kg schweren Bären sind Opfer einer altertümlichen Methode der Gallensaftentnahme. Bewegungsunfähig in winzige Käfige gesperrt, ist ihr Körper zusätzlich in ein hautenges Metallkorsett eingezwängt, das die verunreinigten Latexkatheter und Flüssigkeitsbeutel mit der Gallenflüssigkeit an ihrem Bauch fixiert. Nach Auskunft der Forstbehörde wurde der Gallensaft an koreanische Konsumenten in Nordchina verkauft und in Medikamenten und Stärkungsmitteln verwendet. Braunbären haben eine Lebenserwartung von bis zu dreißig Jahren.

Fast 140 Bären konnte AAF seit dem historischen Abkommen mit den chinesischen Regierungsstellen im Jahr 2000 befreien, 40 Farmen wurden geschlossen. Erst im November 2003 wurden 38 "Mondbären" an AAF übergeben.

Die Schirmherrin der deutschen Organisation, Alexandra Oetker, war dabei: "Die enorme Medienresonanz sowie die Tatsache, dass der Hinweis auf die grauenvoll gehaltenen Bären von Journalisten einer staatlichen chinesischen Zeitung kam, ist ein eindeutiger Beweis dafür, dass die Aufklärungsarbeit von Jill Robinson greift. Eine veränderte Haltung der chinesischen Bevölkerung gegenüber Bärenfarmen wird erkennbar. Auch die Zusammenarbeit der Regierungsbehörden bei der Rettung der Tianjin-Bären kann als erneute Zustimmung zur Arbeit der AAF gewertet werden. Das ist ein großer Fortschritt!"

Am 26-02-2004

Immer noch vom Aussterben bedroht

In China leben noch 1.600 Pandas in freier Wildbahn. Das ist das Ergebnis der staatlichen Forstbehörde Chinas in enger Zusammenarbeit mit dem WWF in den letzten vier Jahren. Nach der letzten Zählung in den 1980er Jahren ging man von nur etwas mehr als 1.000 Tieren aus. Dennoch bedeute das nicht unbedingt einen Zuwachs der vom Aussterben bedrohten Art. Vielmehr ließen sich die Zahlen auf verbesserte Methoden bei der Zählung zurückführen. Während bei früheren Zählungen nur Stichproben genommen worden waren, habe dieses Mal ein großes Forscherteam von 172 Personen auf rund 2,3 Millionen Hektar per GPS-Technologie Hinweise auf jedes einzelne Tier erfasst.

Die Forscher hätten sich dabei auch in unwegsames Gelände vorgewagt und entdeckten Pandaspuren auch in Gebieten, in denen man die Tiere bislang überhaupt nicht vermutete.

"Wir freuen uns, dass es nicht weniger Pandas geworden sind. Aber ihr Überleben in freier Wildbahn ist leider noch lange nicht gesichert. Die neuen Zahlen sind nicht mehr als ein Hoffnungsschimmer", fasst Susanne Honnef, Artenschutzexpertin des WWF, die Lage der bedrohten Bären zusammen. Der WWF, der seit 25 Jahren in China für den Schutz seines Wappentiers kämpft, habe bei der Zählung wichtige Erkenntnisse über die genaue Verbreitung der Bären und über den ihnen verbleibenden Lebensraum gewonnen.

Der Große Panda ist zwar seit 1939 in ganz China gesetzlich geschützt, aber immer noch verenden einzelne Exemplare in Fallen, die eigentlich für andere Tiere aufgestellt wurden.

Am 10-06-2004

China

Die Panda-Aufzuchtstation im südwestchinesischen Naturschutzreservat Wolong hat beantragt, in die Liste der UNESCO-Weltnaturerbe aufgenommen zu werden. Die Zucht- und Forschungsstation war 1981 unter anderem mit Mitteln des WWF aufgebaut worden. Der WWF ist seit 25 Jahren in China zum Schutz seines Wappentiers aktiv und fordert die chinesischen Behörden dazu auf, den Schutz der Pandas in freier Wildbahn weiter voranzutreiben. Die Umweltschützer schätzen, dass in China nur noch rund 1.600 Große Pandas leben. Die Tiere sind bereits seit langem vom Aussterben bedroht.

"Wir würden es begrüßen, wenn nicht nur die Panda-Zuchtstation zum Weltnaturerbe erklärt wird, sondern vor allem der natürliche Lebensraum für die letzten wild lebenden Pandas noch stärker als bisher geschützt wird", sagt Artenschutzexpertin Susanne Honnef vom WWF Deutschland. Sie betreut die Naturschutzprojekte zum Schutz des Großen Pandas in China und hat vor einigen Jahren auch die Aufzuchtstation in Wolong besucht, um sich ein Bild von deren Arbeit zu machen.

Seit 1980 arbeitet der WWF gemeinsam mit den chinesischen Behörden daran, die Lebensbedingungen für die letzten Großen Pandas zu verbessern. Um das Überleben der Bären zu sichern, setzt sich der WWF unter anderem dafür ein, dass mehr Schutzgebiete geschaffen und diese untereinander vernetzt werden. So sollen die Pandas vor Wilderern geschützt und ihre Rückzugsräume vergrößert werden.

In Wolong werden Pandas gezüchtet, um damit einen Beitrag zur Erhaltung der Art zu leisten. Die bisherigen Versuche, die Pandas an ein Leben in Freiheit zu gewöhnen, sind allerdings gescheitert. Pandas sind zwar seit 1939 in China gesetzlich geschützt, aber immer noch verenden Bären in Fallen, die eigentlich für andere Tiere aufgestellt wurden. Großflächige Rodungen der Wälder raubten ihnen im vergangenen Jahrhundert weite Teile ihres Lebensraums und ihre Haupt-Nahrung - den Bambus.

Am 13-05-2005

Artenschutz

Nach Informationen der Artenschutzorganisation WWF (World Wildlife Fund) erwägt die chinesische Regierung, den seit 1993 in China verbotenen Handel mit Körperteilen von Tigern wieder frei zu geben. Nach Ansicht des WWF würde die Freigabe die Situation der vom Aussterben bedrohten Tiger-Populationen in Asien dramatisch verschärfen. "Die Pläne müssen unbedingt gestoppt werden. Die Zukunft des Tigers steht auf dem Spiel", meint Volker Homes vom WWF.

Nur sechs der vormals neun Unterarten des Tigers leben nach Angaben des WWF noch. Ihr Bestand werde auf weniger als 5.000 Tiere geschätzt. In China werden Tiger offenbar in kommerziellen Einrichtungen gezüchtet. Ihre Körperteile wie Knochen, Zähne und Hoden galten in der traditionellen asiatischen Medizin lange als Heilmittel gegen Beschwerden wie Rheuma oder Asthma, schreibt die Artenschutzorganisation. Obwohl sie verboten seien, fänden Tigerarzneien immer noch Verwendung. Wichtigste Abnehmerländer für die illegalen Produkte seien Taiwan, Korea, China, Japan, Singapur und Malaysia. Im August habe der taiwanesische Zoll 140 Kilogramm Tigerknochen beschlagnahmt.

Ein neuer Markt für Produkte aus der chinesischen "Tiger-Zucht" würde wild lebende Tiger in ganz Asien neuer Verfolgung aussetzen, befürchtet der WWF. "Wilderer werden verstärkt Tiger schießen, um illegale Märkte zu beliefern", befürchtet Volker Homes. Die Freigabe des Handels würde auch ein falsches Signal an die chinesischen Verbraucher senden. Leicht könne der Eindruck entstehen, es sei nichts dabei, Tigerprodukte zu kaufen.

Das chinesische Handelsverbot von 1993 hatte nach Auffassung des WWF einen großen Fortschritt gebracht. Die Nachfrage nach Tigerprodukten habe erfolgreich eingedämmt werden können. "Werden die aktuellen Pläne umgesetzt, wird die exzellente Arbeit der chinesischen Regierung zu Nichte gemacht", so Homes. China habe sich bei Verstößen gegen den illegalen Tierhandel "durch hartes Vorgehen" zuletzt vorbildlich verhalten. Ein Rückschritt beim Tigerschutz mache da keinen Sinn. Vor allem nicht, weil es in der modernen asiatischen Medizin Alternativen zu Tigerheilmitteln gebe.

Sorge bereitet dem WWF auch der Markt für Tiger- und Leopardenfelle, der sich derzeit in Tibet entwickele. Jedes Jahr würden in der Region Hunderte Raubkatzen getötet, um die steigende Nachfrage zu befriedigen. Im August im Zentrum der tibetischen Hauptstadt Lhasa 23 Geschäfte gezählt worden, die Felle und Körperteile von Tigern und Leoparden verkauften. Die Artenschützer fordern die chinesischen Behörden in Tibet auf, die illegale Nachfrage nach Tiger- und Leopardenprodukten so schnell wie möglich einzudämmen und die Kontrollen entlang der Handelswege zu verschärfen.

Am 26-09-2005

Regierungsbestände

Nach Angaben der Artenschutzorganisation Pro Wildlife soll Elfenbein aus Lagerbeständen von Simbabwes Regierung illegal nach China verkauft worden sein. Dies habe inzwischen auch das Sekretariat des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (WA) bestätigt. Pro Wildlife geht aufgrund von Presseberichten davon aus, dass der illegale Elfenbeinhandel zwischen Simbabwe und China in den vergangenen Monaten einen Umfang von 30 Tonnen gehabt haben könnte, was insgesamt etwa 2.250 toten Elefanten entspreche. Brisanz erhält die Nachricht, weil der Ständige Ausschuss des Artenschutzübereinkommens Anfang Oktober über eine weitere Aufweichung des Elfenbeinhandelsverbotes beraten will. Dort steht der legale Verkauf von 60 Tonnen Stoßzähnen aus Lagerbeständen zur Diskussion. Pro Wildlife fordert einen weltweiten bedingungslosen Stopp des Elfenbeinhandels.

Pro Wildllife kritisiert seit langem, "dass Ausnahmeregelungen das Verbot des Elfenbeinhandels unterlaufen und die Wilderei begünstigen. Dieser Fall belegt, wie schamlos die Schlupflöcher ausgenutzt werden," so Daniela Freyer.

Obwohl der Elfenbeinhandel seit 1989 verboten sei hätten einige Länder Ausnahmegenehmigungen durchgesetzt - unter der Prämisse, dass die Elefantenbestände gut geschützt und der Elfenbeinhandel strengstens kontrolliert sei. China sei der Hauptabsatzmarkt für illegales Elfenbein und wolle nun in die Liste anerkannter Importstaaten aufgenommen werden.

Simbabwe, Botswana und Namibia durften im Jahr 2000 Elfenbein aus Lagerbeständen der Regierungen offenbar ausschließlich nach Japan verkaufen. In Simbabwe nutzten Händler ein weiteres Schlupfloch, das es erlaube, Elfenbeinschnitzereien in kleinen Mengen an Touristen zu verkaufen. Staatlich registrierte Händler hätten vermutlich seit langem Stoßzähne aus Regierungsquellen von angeblich natürlich gestorbenen Tieren zusammen mit gewildertem Elfenbein illegal nach China verschifft.

"Die Deals zwischen Simbabwe und China beweisen, dass ein kontrollierter Elfenbeinhandel nicht möglich ist. Die Ausnahmegenehmigungen haben lediglich bewirkt, dass dem grassierenden Elfenbeinschmuggel ein Mäntelchen der Legalität umgehängt wurde", so Freyer. In Simbabwe seien Wilderei und Korruption seit langem eskaliert. Das Elfenbein stamme zum Teil vermutlich auch aus afrikanischen Nachbarländern. Jedes Jahr würden mehrere Tausend Elefanten gewildert. Offizielle Daten aus Beschlagnahmungen belegten seit Ende der 1990er Jahre einen deutlichen Anstieg des Elfenbeinschmuggels.

Einige afrikanische Länder versuchten zudem seit Jahren, weitere Ausnahmegenehmigungen für den Verkauf von Elfenbein durchzusetzen. "So wurde 2002 Botswana, Namibia und Südafrika der Verkauf von insgesamt 60 Tonnen Stoßzähnen in Aussicht gestellt", dieser habe allerdings bisher nicht stattgefunden. Der Ständige Ausschuss des Artenschutzabkommens solle Anfang Oktober entscheiden, ob ein erneuter Elfenbeinhandel genehmigt wird.

Am 18-08-2006