Anklage gegen angeblichen "Kofferbomber"

Bundesanwaltschaft

Knapp ein Jahr nach den angeblich gescheiterten "Kofferbombenanschlägen" auf zwei Regionalzüge hat die Bundesanwaltschaft Anklage gegen den Hauptverdächtigen erhoben. Dem 22-jährigen Libanesen Youssef el-Hajdib aus Kiel wird versuchter vielfacher Mord vorgeworfen, wie die Bundesanwaltschaft am 20. Juni in Karlsruhe mitteilte. Er soll am 31. Juli 2006 in Köln gemeinsam mit dem im Libanon angeklagten Jihad Hamad zwei Bombenanschläge auf Regionalzüge versucht haben. Die Bundesanwaltschaft spricht neuerdings von "Bombentrolleys".

Die beiden Komplizen hätten im April 2006 vereinbart, als Vergeltung für die Veröffentlichung von Karikaturen des Propheten Mohammed mit selbst gebauten Sprengsätzen einen Anschlag innerhalb Deutschlands zu verüben. Die Anklage wurde bereits am 11. Juni beim Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts Düsseldorf erhoben. Es wird damit gerechnet, dass der Prozess im August beginnen könnte.

Die Kofferbomben sollen in zwei Regionalzügen nach Koblenz und Hamm platziert worden sein. Trotz Zündauslösung seien die Bombenvorrichtungen aufgrund eines "handwerklichen Fehlers" nicht detoniert.

Am Tattag - laut Bundesanwaltschaft der 31. Juli - hätten die beiden Komplizen gegen 12.15 Uhr die beiden Koffertrolleys mit jeweils baugleichen Bombenvorrichtungen zum Hauptbahnhof in Köln gebracht. Diese hätten mittels eines zeitgesteuerten Zündmechanismus beide gegen 14.30 Uhr zur Detonation gebracht werden sollen, heißt es in der Anklage.

Youssef el-Hajdib habe eine Regionalbahn Richtung Koblenz bestiegen, die den Hauptbahnhof um 13.03 Uhr verließ. Nachdem er den "Bombentrolley" deponiert haben soll, habe er den Zug an der Haltestelle Troisdorf verlassen. Jihad Hamad habe einen weiteren "Bombentrolley" in einer Regionalbahn platziert, die nach Dortmund/Hamm unterwegs war.

Am 18. August 2006 - also fast drei Wochen nach dem angeblichen Anschlagsversuch - zeigten die Medien ein Video einer Überwachungskamera aus dem Kölner Hauptbahnhof. Man konnte zwei Männer mit zwei Koffern erkennen, nicht jedoch ihre Gesichter. Der offiziellen Version zufolge soll el-Hajdib durch diese Fernsehbilder nervös geworden sein und noch am selben Tag bei seinen Eltern im Libanon angerufen und über den Anschlagsversuch geplaudert haben. Der libanesische Militärgeheimdienst soll das Telefonat herauszufiltert und ausgewertet und noch in der selben Nacht die deutschen Kollegen informiert haben.

Der Libanese Youssef el-Hajdib wurde drei Wochen nach den gescheiterten Anschlägen in Kiel gefasst. Wenige Tage später stellte sich sein Freund Jihad Hamad, der in seine libanesische Geburtsstadt Tripoli geflohen war, freiwillig. Er sagte zunächst, den fraglichen Koffer abgestellt, aber von seinem Inhalt nichts gewußt zu haben. In einer Vernehmung soll Hamad später angeblich gesagt haben: "Wir wollten möglichst viele Menschen in den Zügen töten." Er muss sich seit April in Beirut vor Gericht verantworten.

Die Anklage lautet neben versuchtem Mord auch auf versuchtes Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion. Youssef el-Hajdib droht eine lebenslange Freiheitsstrafe. Den Verdacht der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung ließ die Bundesanwaltschaft fallen.

Kofferbomben-Verdächtiger soll im Libanon getötet worden sein

Medienberichten zufolge soll ein weiterer Kofferbomben-Verdächtiger im Mai im Libanon getötet worden sein. Es handelt sich um Saddam el-Hajdib, dem Bruder von Youssef el-Hajdib. Der angeblich getötete soll zugleich Cousin von Khaled Khair Eddin el-Hajdib, der in Beirut wegen des versuchten Anschlags vor Gericht stehe.

In dem Prozess sind drei weitere Personen angeklagt. Neben Jihad Hamad handele es sich um die im Libanon inhaftierten Personen Ayman Hawa und Khalil al Boubou, die alle sind.

Haftbefehl gegen Verdächtigen aufgehoben

Im September 2006 war ein Haftbefehl gegen einen der Verdächtigen überraschend aufgehoben worden. Der Verdacht gegen den in Konstanz festgenommenen syrischen Studenten habe sich nicht aufrechterhalten lassen.

Nach Angaben seines Anwalts beruhte der Verdacht gegen seinen Mandanten auf angeblichen Aussagen von Jihad Hamad. Aus "völlig vagen Angaben" hätten die Ermittler den Schluss gezogen, sein Mandant sei in die Attentatspläne eingeweiht gewesen.