US-Militärtribunal verurteilt Friedrich Flick

Vor 60 Jahren

"Ich protestiere gegen die Tatsache, dass in meiner Person Deutschlands Industrielle vor der ganzen Welt als Sklavenausbeuter und Räuber verleumdet werden", rief Friedrich Flick seinen Richtern zu. Doch vergebens: Am 22. Dezember 1947 verurteilte ein amerikanisches Militärtribunal in Nürnberg den prominenten Großunternehmer der Hitler-Diktatur zu sieben Jahren Gefängnis.

Damit endete der fünfte der zwölf sogenannten Nachfolgeprozesse, die von den Vereinigten Staaten unmittelbar nach dem Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess bis Mitte 1949 gegen hochrangige Nazitäter in Politik und Wirtschaft, gegen Diplomaten und Ärzte geführt wurden.

Noch nicht abgeschlossen waren zu jenem Zeitpunkt zwei gesonderte Verfahren gegen weitere Top-Wirtschaftsmanager Hitlers: gegen Alfried Krupp von Bohlen und Halbach und elf Direktoren seiner Rüstungsschmiede sowie gegen führende Manager des IG-Farben-Konzerns.

Doch deutsche Industrielle hatten sich offenbar sehr wohl als Sklavenausbeuter und Räuber betätigt, wie während des mehrmonatigen Prozesses gegen Flick und fünf seiner Direktoren dokumentiert und dann auch beim Krupp- und IG-Farben-Prozess nach Auffassung des Militärtribunals nachgewiesen wurde.

So sei Flick mit seinem privaten Firmenimperium nicht nur zu einem der größten Lieferanten von Kampfflugzeugen und Panzern, Geschützen und Geschossen für die Raubzüge der Wehrmacht aufgestiegen. Ihm wurde zudem zur Last gelegt, in seinen Unternehmen mindestens 40.000 polnische Zwangsarbeiter, russische Kriegsgefangene und jüdische KZ-Häftlinge wie Sklaven gehalten und brutal ausgebeutet zu haben.

Das Militärtribunal kam ferner zu der Überzeugung, dass Flick auch aus der wirtschaftlichen Ausplünderung der von Deutschland okkupierten Gebiete seinen Nutzen gezogen habe. 1945, am Ende der Nazi-Diktatur, hätte er - darunter durch Aneignung jüdischen Besitzes - ein Privatvermögen von über zwei Milliarden Reichsmark angesammelt. Er habe den Titel "Wehrwirtschaftsführer" geführt und zum Freundeskreis des SS-Reichsführers Heinrich Himmler angehört.

Bei Machtantritt Hitlers 1933 habe Flick umgehend 240.000 Reichsmark an die Nazipartei NSDAP überwiesen, die in den folgenden zwölf Jahren insgesamt 7,65 Millionen Mark an Spenden erhalten habe.

Flick argumentierte vor dem Tribunal hingegen, er habe immer "aus Notstand gehandelt", Hitler "nie gemocht" und das NS-Regime "innerlich verachtet". Er präsentierte den Richtern offenbar alte Spendenbelege für demokratische Parteien der Weimarer Republik und wertete sie als Beweise seiner liberalen Gesinnung. Er gab sogar an, Kontakte zum deutschen Widerstand aufgenommen zu haben.

Flick reichte bei der US-Besatzungsmacht Widerspruch ein und verlangte seine Begnadigung. Tatsächlich wurde er bereits im Februar 1950 aus dem Landsberger Gefängnis entlassen - wie wenig später auch Krupp und die wie er zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilten IG-Farben-Direktoren.

Die seit 1949 agierende Bundesregierung hatte ohnehin die alliierten Urteile nie anerkannt, Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) dafür plädiert, "Vergangenes vergangen sein zu lassen".

"Binnen zehn Jahren baute Friedrich Flick zum zweiten Mal einen gigantischen Privatkonzern auf - und stieg zum zweiten Mal zum reichsten Deutschen seiner Zeit auf", bilanzierte der Historiker Thomas Ramge, Verfasser einer Geschichte der Flick-Familie. "Bis zu seinem Tode weigerte sich Flick, Zwangsarbeitern auch nur eine einzige Mark an Entschädigung zu zahlen. Geld für die Zwangsarbeiter wäre aus seiner Sicht einem Schuldeingeständnis gleichgekommen."