Klinikärzte verlangen durchschnittlich 10 Prozent mehr Gehalt

Tarifverhandlungen vertagt

Die zweite Runde der Tarifverhandlungen für die bundesweit rund 55.000 Ärzte an 700 kommunalen Krankenhäusern ist am Montag in Düsseldorf vertagt worden. Wesentliche Annäherungen habe es nicht gegeben, teilte die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) mit. Ein konkretes Angebot will die VKA nach eigenen Angaben erst in der dritten Runde am 20. Februar in Offenbach unterbreiten. Die Ärztegewerkschaft Marburger Bund fordert für die Mediziner eine differenzierte Einkommenssteigerung von im Durchschnitt zehn Prozent sowie eine sofortige Anhebung der Ostgehälter auf Westniveau.

"Wir haben abermals deutlich gemacht, dass erneute Entgeltsteigerungen, wie sie der Marburger Bund für Ärzte fordert, für die kommunalen Häuser nicht verkraftbar wären", sagte VKA-Verhandlungsführer Joachim Finklenburg. Dennoch werde eine Lösung am Verhandlungstisch gesucht.

Der Marburger Bund begründet seine Forderung mit besseren Einkommensbedingungen in anderen Krankenhäusern der Republik. "Wir fordern nichts, was wir nicht schon mit anderen Klinikarbeitgebern bereits vereinbart haben", so der Verhandlungsführer des Marburger Bundes, Lutz Hammerschlag. Er verwies hierbei auf die höheren Ärzteeinkommen in Universitätskliniken.

Das Armrechnen kaufe man den Arbeitgebern jedoch mittlerweile nicht mehr ab. "Die Gewerbesteuereinnahmen der Kommunen sprudeln, dank der guten Konjunktur hat sich die Finanzlage stabilisiert", so der Marburger Bund. Die Einnahmen der Städte und Gemeinden aus der Gewerbesteuer seien 2006 um gut fünf Milliarden Euro auf einen Höchststand von 31 Milliarden Euro gestiegen. Erstmals seit 2000 verzeichneten die Kommunen kein Jahresdefizit zwischen Einnahmen und Ausgaben mehr: Der Saldo liege mit 1,75 Milliarden Euro im Plus. "Die Ärztinnen und Ärzte in den kommunalen Krankenhäusern wollen davon ihren berechtigten Anteil."

Die VKA fordert, die leistungsorientierte Bezahlung auch für die Ärzte einzuführen. Seit 2005 gibt es für den gesamten öffentlichen Dienst das Leistungsentgelt. Auf Drängen des Marburger Bundes wurden die Ärzte davon ausgenommen.

"Wir müssen die aktuelle Tarifrunde dazu nutzen, das Leistungsentgelt auch endlich für die Ärzte einzuführen", sagte VKA-Hauptgeschäftsführer Manfred Hoffmann. Die Ärzte seien Leistungsträger, wie auch der Marburger Bund immer wieder betone. Insofern sei es unverständlich, dass die Gewerkschaft ausgerechnet bei den Ärzten die Leistungsbezahlung blockiere.

Nach Darstellung des Marburger Bundes verlief die zweite Runde der Tarifverhandlungen "intensiv und interessant". Hammerschlag, betonte, dass die Verhandlungsrunde "positive Signale" für ein weiteres Treffen ergeben habe. Die Tarifparteien verständigten sich auf eine Fortsetzung der Verhandlungen am 20. und 21. Februar in Offenbach am Main, bei der die Arbeitgeber nach Angaben Hammerschlags ein konkretes Angebot vorlegen werden.

Hammerschlag: "Wir sind heute in einzelne Positionen unserer Forderungstabelle detailliert eingestiegen." Auf dieser Verhandlungsgrundlage lasse sich bei der dritten Runde Ende Februar weiter aufbauen.