Politiker sprechen sich gegen strenge patriarchalische Strukturen aus

"Ehrenmord-Prozess"

Das Urteil im Prozess um den so genannten Ehrenmord an der Deutsch-Türkin Hatun Sürücü heizt die Debatte über die künftige Integrationspolitik an. Berlins Innensenator Ehrhart Körting (SPD) betonte am Donnerstag, in Deutschland hätten jene Zuwanderer "nichts zu suchen", die an strengen patriarchalischen Strukturen festhielten. Der CSU-Familienexperte Johannes Singhammer verlangte "null Toleranz" auch bei Zwangsverheiratungen.

Der CDU-Spitzenkandidat zur Berliner Abgeordnetenhauswahl, Friedbert Pflüger, sagte, in Deutschland könne nur leben, "wer unsere Verfassung und unsere freiheitliche Gesellschaftsordnung achtet". Der Fall Sürücü zeige "die Notwendigkeit einer wirklichen Integration" von Menschen mit anderen kulturellen und religiösen Hintergründen.

Nordrhein-Westfalens Integrationsminister Armin Laschet (CDU) forderte derweil verstärkte Bemühungen, um Ausländer zur Einbürgerung zu bewegen. Angesichts der älter werdenden Gesellschaft brauche Deutschland dringend das Potenzial dieser Menschen. Der CDU-Politiker betonte: "Eigentlich bräuchten wir eine Werbekampagne für mehr Einbürgerung. Wer sich einbürgern lässt, verlässt die Parallelgesellschaft."

Die Grünen-Bildungsexpertin Priska Hinz mahnte, der geplante Integrationsgipfel müsse konkrete Ergebnisse bringen. Der wichtigste Schritt sei die vorschulische Bildung. Hinz fügte hinzu: "Sprachförderung und die Vermittlung gemeinsamer Werte und Regeln müssen lange vor der Schule beginnen." Auch die Eltern müssten umfassend beraten werden.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund sprach sich ebenfalls für den Ausbau des Deutschunterrichts aus. Wer nicht über ausreichende Deutschkenntnisse verfüge, müsse zur Sprachförderung verpflichtet werden. Dies gelte für Kinder und Jugendliche genauso wie für deren Eltern, sagte DGB-Vorstandsmitglied Ingrid Sehrbrock.

Insgesamt müsse der angestrebte nationale Aktionsplan für Integration unter dem Motto stehen: "Migration ist eine Chance und keine Bedrohung". Angehende Lehrer müssten bereits während ihres Studiums lernen, Unterricht für Kinder verschiedener Sprachen und Kulturen zu planen, so Sehrbrock. Sie kritisierte: "Heute werden Berufsanfänger häufig ins kalte Wasser gestoßen und bleiben mit der Aufgabe, interkulturelles Lernen zu organisieren, allein."