Frankfurts Sozialdezernentin verteidigt Obdachlosenhilfe gegen Wallraff-Kritik

"Die drittschlimmste Unterkunft"

Die Frankfurter Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU) hat die Hilfsangebote für Obdachlose in der Stadt Frankfurt gegen die Kritik des Enthüllungsjournalisten Günter Wallraff verteidigt. Birkenfeld sagte am Donnerstag (5. März) in Frankfurt, nach ihrem Eindruck habe sich Wallraff nur einen sehr begrenzten Ausschnitt der angebotenen Hilfsleistungen angeschaut.

Die von Wallraff besonders kritisierte Obdachlosenunterkunft am Ostpark "müsse im gesamten Kontext des Hilfssystems gesehen werden". Wenn Wallraff lediglich diese Erstanlaufstätte angesteuert habe, stelle das nur eine "Momentaufnahme" dar.

Peter Hovermann, Geschäftsführer des Frankfurter Vereins für soziale Heimstätten, der die Unterkunft am Ostpark betreibt, verteidigte diese ebenfalls gegen die Kritik Wallraffs. "Natürlich ist das eine Einfachstunterkunft, kein Mittelklassehotel", sagte er. Solch niedrigschwellige Angebote seien aber wichtig, um den Obdachlosen weitergehende Hilfen vermitteln zu können. In der Unterkunft seien werktäglich zwei ausgebildete Sozialarbeiter. "Wenn Herr Wallraff den Eindruck gemacht hätte, dass er qualifizierte Hilfe will, hätte er sie innerhalb weniger Tage bekommen", ergänzte Hovermann.

Für seine Recherchen hatte Wallraff zwei Monate verdeckt in ganz Deutschland als Obdachloser gelebt. Dabei hatte er auch im Obdachlosenasyl am Ostpark übernachtet. In der aktuellen Ausgabe des "Zeit"-Magazins nennt er es "eine der verrufeneren Unterkünfte in Deutschland." Im Hessischen Rundfunk nannte Wallraff die Unterkunft am Mittwoch "die drittschlimmste Unterkunft", die er kennengelernt habe. Sie sei schlicht "menschenunwürdig".