Papst Benedikt beendet Kuba Reise

Ende eines historischen Besuches

passend zum Beitrag Der historische, dreitägige Besuch Benedikt XVI. in Kuba neigt sich seinem Ende zu. Zum Abschluss traf der ehemalige Kardinal Ratzinger auf den ehemaligen Diktator Fidel Castro, wobei er gleichzeitig einen Besuch der politischen Opposition ablehnte. In seiner Abschlussrede forderte Benedikt die USA indirekt auf, das Handelsembargo gegen Kuba aufzuheben, da es für die Notlage der kubanischen Bevölkerung Mitverantwortlich sei. Außerdem wies das Kirchenoberhaupt den Staatschef Raúl Castro auf die Notwendigkeit einer Erneuerung und Versöhnung der Gesellschaft des Landes hin. Er verlangte auch mehr Einfluss der Kirche – besonders im Bereich der Bildung.

Der Stand der katholischen Kirche in Kuba ist seit der Machtübernahme durch Fidel Castro mehr als schwierig. Dieser hat den kirchlichen Einfluss sukzessive aus Kuba getilgt und deren Liegenschaften zu großen Teilen verstaatlicht. Die Forderungshaltung Benedikts entbehrt entsprechend einer gewissen Komik nicht. Forderungen kann der stellen, der auch Einfluss hat.

Dass Benedikt, wie auch schon vor Ihm Johannes Paul II., durch die Welt reist und sich als eine Art Universalwohltäter aufspielt, ist nichts Neues. Dass er dabei Forderungen stellt, die von der Organisation, der er vorsteht, selbst in keiner Weise erfüllt werden, ist vermutlich nebensächliche Pedanterie. Auch wenn es überaus aufschlussreich ist, was der Journalist Gianluigi Nuzzi in seinem Buch "Vatikan AG“ zu berichten weiß. Das Buch entstand nach der Aufarbeitung von mehr 4.000 Geheimdokumenten aus dem Geheimarchiv des IOR, die Nuzzi nach dem Ableben aus dem Nachlass Monsignor Renato Dardozzis von diesem zugänglich gemacht wurden. Es enthüllt die Geldströme, die über die Vatikanbank in Schmiergeldaffären und andere Aktivitäten geflossen sind, und mit welchen Methoden sowohl die Bank, als auch der Vatikan gegen Widersacher vorgeht. Die Nähe zur Mafia – auch die mentale – ist in dem Buch im Grunde allgegenwärtig.

Vielleicht ist es Mut, dass Benedikt sich dennoch vor tausende von Menschen stellt und solche Forderungen stellt. Vielleicht ist es Ignoranz. Aber das Gefühl, dass es sich schlicht um skrupellose Dreistigkeit handelt, lässt sich nur schwer abwehren.

Besonders die Forderung nach mehr Einfluss der Kirche in der Bildung ist geradezu impertinent. Im Hinblick auf die sexuellen Missbrauchsskandale der letzten Monate und Jahre rund um katholische Bildungseinrichtungen, wirkt diese Forderung wie ein schlechter Witz. Oder wie der Ausdruck einer ausgeprägt kranken, psychischen Störung.

Aber vielleicht juckt den katholischen Pfarrern in Kuba auch nur kräftig die Hose und Benedikt will sie mit ausreichend Frischfleisch versorgen. Ganz sicher will er die Menschen in jungen Jahren in die Finger bekommen, in denen das religiöse Hirnwaschprogramm und die kirchliche Doppelmoral noch mit wenig Gegenwehr zu rechnen haben. Ist nicht so die Christenheid entstanden? Oder gibt es jemanden, der je freiwillig in diese Verein eingetreten wäre, der sich besonders durch perfide Menschenverachtung und gefährliche Erfindungen wie das Zölibat auszeichnet. Eine Erfindung, die ganz sicher an den sexuellen Übergriffen essenziell beteiligt ist – wobei junge Männer, die in diesen Strukturen arbeiten und solche Bedingungen zunächst akzeptieren ganz sicher schon sehr viel früher ihre Probleme entwickelt haben.

Dass Benedikt nur Fidel Castro, nicht aber Vertreter der Opposition besucht hat, zeigt überdeutlich, dass ihm nicht an einem Dialog der Parteien und an einem echten Frieden gelegen ist. Vielmehr zeigt es, dass der ehemalige Ratzinger ebenfalls ein Vertreter diktatorischer Strukturen ist, die er gerne für seine Zwecke und die der Kirche benutzen will, um auch in diesem Land seinen Einfluss auszubauen. Dass er dann in seiner Abschlussrede von der Not der Bevölkerung spricht, ist eines dieser Lippenbekenntnisse, die vor allem unterdrückte Menschen nur allzu gerne glauben, wenn sie in Not sind. Das Ganze ist ein Paradebeispiel eines kaltblütigen Kalküls, das abstoßender nicht sein könnte.

Den Kubanern ist, bei aller Unterdrücktheit, die ganz sicher schlimm für die Menschen dort ist, dennoch zu wünschen, dass Raúl Castro in Fragen katholischer Einflussnahme auf die Bildung seines Landes den Kurs seines Bruders weiterführt und die Kirche aus dem Land heraushält.

Oliver Rückemann

Seit mehr als 11 Jahren freier Berater - Autor des Buches "Ökolution 4.0 - Wirtschaftliche und gesellschaftliche Imperative in Zeiten ökologischer und ökonomischer Krisen"