Üble Haftbedingungen für Journalisten auf Kuba

Menschenrechtsverletzungen am Urlaubsort

Kuba ist gerade unter Linken mit einem Sympathiebonus belegt und als Reiseziel beliebt. Doch das sonnige sozialistische Eiland hat diverse Schattenseiten, etwa den Umgang mit abweichenden Meinungen. Am 18. März wurden 80 Dissidenten in Kuba festgenommen, darunter auch 26 unabhängige Journalisten. Kurze Zeit später verurteilten Gerichte sie in Schnellverfahren wegen "Konspiration mit den USA" zu Haftstrafen zwischen sechs und 28 Jahren. "Wir fordern die sofortige Freilassung aller gefangenen Journalisten und Dissidenten", sagt Elke Schäfter, Geschäftsführerin von Reporter ohne Grenzen (RoG) in Berlin, nachdem Details zu den Haftbedingungen bekannt wurden. "Nicht nur die schlimmen Haftbedingungen machen uns Sorgen. Bereits die Verurteilungen in Schnellprozessen stellen schwere Menschenrechtsverletzungen dar, die wir entschieden verurteilen," betont Schäfter.

Nach Informationen, die cubanet.org und nuevaprensa.org auf ihren Webseiten veröffentlichten und die die Frauen verschiedener Gefangener gegenüber RoG bestätigten, werden Normando Hernández (Nachrichtenagentur CPIC) und Alfredo Pulido López (Agentur El Mayor) in Einzelhaft gehalten. Der Journalist und Poet Raúl Rivero ist in eine drei Quadratmeter große Zelle ohne Licht eingesperrt, während in der Zelle von Julio César Gálvez Rodriguez die Glühbirne unablässig brennt.

Die hygienischen Bedingungen sind in der Regel schlecht. Die Zellen von Omar Rodriquez Saludes (Neuva Prensa) und Ricardo Gonzáles, Herausgeber des Magazins De Cuba, sind mit Ratten verseucht. Der Gesundheitszustand von Oscar Espinosa Chepe, der unter chronischer Hepatitis, Leberinsuffizienz und hohem Blutdruck leidet, hat sich unterdessen verschlechtert, weil er nicht angemessen medizinisch versorgt wird.

Die Familienangehörigen dürfen die Inhaftierten, mit wenigen Ausnahmen, nur alle drei Monate besuchen. Einigen Frauen wurde mit dem Entzug der Besuchserlaubnis gedroht. Blanca Reyes, Ehefrau von Rául Rivero, sieht diese Restriktionen als Teil einer Strategie zur Isolierung der Gefangenen. Tatsächlich müssen die meisten der Verurteilten ihre Strafen in weit abgelegenen Gefängnissen in der Provinz absitzen, was die Besuche von Angehörigen erheblich erschwert.