Bayer AG Nachrichten | Gentechnik-Versuchsfeld außer Kontrolle

Greenpeace und Imker decken gentechnisch verunreinigten Raps-Honig auf

Nachdem Greenpeace am Dienstag genmanipulierten Raps-Honig aus Kanada entdeckt hatte, zeigt sich jetzt, dass auch deutscher Honig betroffen sein kann. Die Pollen eines Gentechnik-Versuchsfeldes von Bayer/Aventis südlich von Magdeburg haben dort erzeugten Bienenhonig gentechnisch verunreinigt. Dies belegen Laboranalysen von Greenpeace. Aus Protest gegen den "Gen-Honig von Bayer" errichteten Greenpeace-Aktivisten am Freitag vor der Zentrale des Bayer-Konzerns in Leverkusen eine 2,5 Meter große Honigglas-Attrappe und luden Gen-Raps ab. "Bayer schiebt Verbrauchern Gentechnik unter" steht auf einem Transparent. Greenpeace fordert von Bayer, keine Gen-Pflanzen mehr in freier Natur anzupflanzen, damit sich die Gentechnik nicht unkontrolliert ausbreitet.

"Bienen beachten keine Flugverbotszonen", sagt Henning Strodthoff, Gentechnik-Experte von Greenpeace. "Auf ihrer Suche nach dem süßen Nektar unterscheiden sie im gelben Teppich der Raps-Blüte nicht zwischen normalen Raps und Gen-Raps." So gelangten normaler und genveränderter Pollen in den Honig und dann aufs Butterbrot. "Bayer als verantwortliche Firma schiebt den Verbrauchern so die Gentechnik unter." Auch die Imker hätten keine Möglichkeit, die Bienen von den Gen-Pflanzen fern zu halten.

"Verbraucher wollen keine Gentechnik im Essen", sagt Ulrich Hofmann, Vorsitzender des Deutschen Berufs- und Erwerbsimkerbundes. Gentechnische Verunreinigungen bei Honig würden dazu führen, dass, für die Imker wichtige Absatzmärkte wegbrechen. "Die verantwortlichen Konzerne ziehen sich aus der Verantwortung, den Schaden tragen die Imker", beschwert sich Hofmann.

Der Gen-Honig stammt aus einem Feldversuch, bei dem Greenpeace und Imker im vergangenen Mai zur Blütezeit des Raps ein Bienenvolk in einem normalen Rapsfeld aufgestellt hatten. Dieses Rapsfeld liegt ca. 300 Meter entfernt von einem Gen-Rapsfeld der Firma Bayer/Aventis CropScience bei Biere/Eickendorf südlich von Magdeburg (Sachsen-Anhalt). In dem Honig, den die Bienen produziert haben, konnte Greenpeace jetzt eindeutig gentechnisch veränderte Bestandteile aus dem Bayer-Versuchsfeld nachweisen.

Deutscher Honig im Supermarkt ist noch weitgehend gentechnikfrei. Denn in Deutschland ist die Freisetzung von Gen-Raps nur auf Versuchsfeldern, nicht aber großflächig für kommerzielle Zwecke erlaubt. Dagegen ist kanadischer Honig bereits stark gentechnisch verunreinigt, da in Kanada Gen-Raps großflächig angebaut wird.

Greenpeace konnte zusätzlich nachweisen, dass sich der Gen-Raps des Bayer-Feldes auf die umliegenden normalen Rapsfelder ausgekreuzt hat. "Der Gen-Honig und die Ausbreitung des Gen-Raps auf fremde Felder zeigt, wie die Gentechnik außer Kontrolle gerät. Genveränderte Pflanzen gehören erst gar nicht auf den Acker. Nur so können Verbraucher und Umwelt geschützt werden", sagt Strodthoff.

Pharmaindustrie

Nach mehreren Todesfällen stoppte der Chemie- und Pharmakonzern BAYER jetzt die Vermarktung der Medikamente Baycol und Lipobay zurück. Die Medikamente zur Cholesterinsenkung würden vom Markt genommen, da es "vermehrte Nebenwirkungsmeldungen" über das Auftreten der Muskelschwäche Rhabdomyolyse gebe, teilte der Konzern in Leverkusen mit. Insbesondere sei dies bei Patienten der Fall, die Baycol in Verbindung mit dem ebenfalls zur Cholesterinsenkung verschriebenen Wirkstoff Gemfibrozil eingenommen hätten. Bei der Rhabdomyolyse handele es ich um einen Verfall des Muskelgewebes, der schwere und sogar tödliche Folgen haben könnte, erläuterte Ulrich Hagemann, Experte für Arzneimittelsicherheit beim Bonner Bundesinstitut für Arzneimittel und medizinische Produkte.

Wie viele Geschädigte es gebe, konnte David Ebsworth, Leiter des Bayer-Geschäftsbereichs Pharma, nicht sagen. Weltweit seien bislang etwa sechs Millionen Menschen mit Baycol/Lipobay behandelt worden, das erstmals 1997 auf den Markt gekommen sei. Ob die Präparate jemals wieder vermarktet werden könnten, hänge vom Verlauf der Diskussionen mit den zuständigen Behörden ab.

Zwar schloss Bayer-Finanzvorstand Werner Wenning aus, dass Bayer wegen der Vorfälle mit Schadenersatzforderungen konfrontiert werden könnte. Für das Unternehmen ist die Rücknahme von Baycol und Lipobay dennoch ein schwerer Schlag. Der Stopp wird das Ergebnis des Konzerns im laufenden Jahr Wenning zufolge mit 600 bis 650 Millionen Euro (rund 1,2 bis 1,3 Milliarden Mark) belasten. Die bisherige Ergebnisprognose für das Gesamtjahr werde voraussichtlich "ganz erheblich unterschritten", sagte Wenning. Bislang hatte Bayer ein Ergebnis von rund drei Milliarden Euro ohne Sonderposten aus dem fortzuführenden Geschäft in Aussicht gestellt.

Wenning kündigte eine Überprüfung der gesamten Konzernstrategie sowie Maßnahmen zur Kostensenkung an. Im vergangenen Jahr waren die Cholesterinsenker mit einem Umsatz von 636 Millionen Euro (gut 1,2 Milliarden Mark) an den Pharmaerlösen beteiligt und rangierten damit noch vor dem Kopfschmerzmittel Aspirin an dritter Stelle der bestverkauften Medikamente. Für das laufende Jahr rechnete Bayer bislang mit einem Umsatzbeitrag von rund einer Milliarde Euro. Vom Rückruf nicht betroffen ist lediglich Japan, da dort der Wirkstoff Gemfibrozil Bayer zufolge nicht im Handel ist.

Am 10-08-2001

52 Todesfälle

Dem Bayer-Konzern droht wegen des Lipobay-Skandals möglicherweise der größte Schadensersatzfall in der Geschichte der Pharma-Industrie. Dies ergibt sich nach Einschätzung des amerikanischen Opferanwalts Ed Fagan aus der Tatsache, dass allein auf die USA bezogen 700.000 Menschen das Medikament eingenommen hätten. Weltweit seien es Millionen. Lipobay wird mit bislang 52 Todesfällen in Verbindung gebracht. Der Leverkusener Konzern wies in einem Brief an Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) Kritik an seiner Informationspolitik zurück. Das Ministerium bekräftigte daraufhin seine Vorwürfe.

Bayer hatte das cholesterinsenkende Medikament Lipobay in der vergangenen Woche vom Markt genommen, nachdem bekannt geworden war, dass Patienten an den Nebenwirkungen des Mittels gestorben waren. Der Münchner Anwalt Michael Witti kündigte unterdessen an, auch Deutsche in die US-Sammelklage gegen den Bayer-Konzern einbeziehen zu wollen.

Der Pharmakonzern betonte, er habe immer "im Interesse der Patientensicherheit" gehandelt und Behörden über neue Erkenntnisse zu Nebenwirkungen rechtzeitig informiert. Der Leiter des Geschäftsbereichs Pharma, David Ebsworth, betonte, zuständig für Lipobay sei die englische Gesundheitsbehörde MCA. An sie seien im Februar erste Daten einer von Bayer in Auftrag gegebenen Studie wie auch der Endbericht am 15. Juni umgehend weitergeleitet worden. Auch am Vorabend des Vermarktungsstopps sei die britische Gesundheitsbehörde informiert worden.

Das Berliner Gesundheitsministerium bekräftigte indes seine Kritik an dem Pharma-Konzern. Bayer hätte gemäß dem Arzneimittelgesetz unverzüglich das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte informieren müssen. Dies gelte auch für Arzneimittel, die im "dezentralen Gemeinschaftsverfahren" zugelassen worden sind.

Der Staatssekretär im Gesundheitsministerium, Klaus Theo Schröder, hatte schon am Donnerstag kritisiert, dem Unternehmen habe bereits am 15. Juni eine Studie über mögliche Gefahren des Medikaments vorgelegen. Die Expertise sei dem Bundesinstitut aber erst auf Nachfrage am 10. August zugestellt worden, zwei Tage nach der Zurückziehung des Präparats. Dies sei "unakzeptabel".

Dem gegenüber stellte sich der traditionell konzernfreundliche NRW-Regierungschef Wolfgang Clement (SPD) demonstrativ hinter die weltweit in die Kritik geratenen Bayer AG. Das Bundesland werde nicht zulassen, dass die jahrzehntelangen Leistungen der Pharmakologen und Forscher "herabgeredet" werden. "Wir werden auch nicht hinnehmen, wenn aus durchsichtigen Gründen jetzt von Dritten versucht wird, aus der schwierigen Situation Kapital zu schlagen", fügte der Düsseldorfer Regierungschef hinzu.

Die CDU-Politiker Wolfgang Lohmann und Ulf Fink nannten Bayers Informationspolitik hingegen "in der internationalen und europäischen Zusammenarbeit unzureichend".

Am 17-08-2001

Gesundheitsministerin Schmidt widersprüchlich

Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) ist neuerdings der Ansicht, der Pharmakonzern Bayer habe im Umgang mit dem Cholesterin-Senker Lipobay "nicht fahrlässig" gehandelt. Das Unternehmen habe das Medikament vom Markt genommen, nachdem ihm neue Erkenntnisse vorgelegen hätten, sagte die Ministerin am Freitag im ZDF-Morgenmagazin. Sie bemängelte jedoch, der Leverkusener Pharma-Konzern habe im Juni eine Studie zur Gefährlichkeit des Medikaments nur an die für die Zulassung zuständige britische Arzneimittelbehörde weitergeleitet. Nach deutschem Recht sei er jedoch verpflichtet gewesen, die Expertise auch dem deutschen Bundesinstitut zur Verfügung zu stellen. Das Institut prüfe daher, wie gegen die Bayer AG vorgegangen werden könne.

Schmidt betonte, es reiche nicht aus, nur die für die Zulassung des Medikaments zuständige Behörde in Europa über Nebenwirkungen zu informieren. Dies wolle sie gesetzlich eindeutiger klarstellen.

Die Ministerin bekräftigte zudem ihren Willen, die Chipkarte künftig als Arzneimittelpass zu nutzen. Darauf müsse der Arzt alle Daten über Verschreibungen eingeben. Für Ärzte und Apotheker sei dann ersichtlich, welche Medikamente insgesamt verschrieben worden seien und wo eine Kombination mehrere Präparate zu unerwünschten Nebenwirkungen führen könnte.

Die Ministerin betonte, der Datenschutz bereite ihr bei der Einführung eines Medikamentenpasses keine "Bauchschmerzen". Es komme darauf an, Daten vor "unbefugten Dritten" zu schützen. Die Daten dürften daher nur auf der Karte gespeichert werden. Diese müsse wiederum im Besitz des einzelnen bleiben.

Am 24-08-2001

Bauern wollen keine Gentechnik

Sieben von zehn Landwirten in Deutschland sind gegen Gentechnik auf dem Acker. Dies belegt eine nee repräsentative Umfrage der Wickert Institute in Hildesheim im Auftrag von Greenpeace. Demnach wollen 70 Prozent der Bauern kein genmanipuliertes Saatgut anbauen und 72 Prozent kein Gen-Futter für ihre Tiere kaufen. Ebenso viele Bauern wollen informiert werden, wenn benachbarte Landwirte Gen-Pflanzen anbauen. "Keine Gen-Pflanzen auf den Acker" fordern daher Greenpeace-Aktivisten zusammen mit Bauern der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) am Freitagmorgen in einer Protestaktion vor der Zentrale von Bayer in Leverkusen. Die Landwirte werfen dem Gentechnik-Konzern vor, dass sich seine Gen-Pflanzen unkontrolliert ausbreiten.

"Die Umfrage ist eindeutig. Die große Mehrheit der deutschen Bauern will die Gentechnik weder auf dem Acker noch im Futtertrog", sagt Ulrike Brendel, Gentechnik-Sprecherin von Greenpeace. An dem Protest beteiligen sich auch Öko-Farmer aus Kanada, deren Existenz von der unkontrollierten Ausbreitung der Gen- Pflanzen auf ihre Felder und von verunreinigtem Saatgut besonders bedroht ist.

Vom 12. Juni bis 4. Juli 2002 befragte das Markt- und Meinungsforschungsinstitut 1.031 Landwirte aus dem gesamten Bundesgebiet nach ihrer Einstellung zur Gentechnik in der Landwirtschaft. Die Ablehnung der Gentechnik bei deutschen Landwirten bleibt unverändert hoch: Bereits vor fünf Jahren wollten laut einer Emnid-Umfrage 70 Prozent der deutschen Landwirte kein Gen-Saatgut anbauen. "Dennoch wollen Gentech-Konzerne wie Bayer den Bauern und Verbrauchern die Gen-Pflanzen unterjubeln", erklärt Brendel.

Welchen Schaden die unkontrollierte Ausbreitung der Gen-Saat anrichtet, lässt sich in Kanada verfolgen: Dort wachsen bereits auf über der Hälfte aller Raps- Felder Gen-Pflanzen, die sich über Pollenflug ausbreiten. Die Öko-Farmer können nicht mehr garantieren, dass ihr Raps frei ist von Gentechnik. Da sie ihn so nicht mehr als Öko-Ware verkaufen können, waren sie genötigt, den Anbau aufzugeben. Die Farmer aus dem kanadischen Bundesstaat Saskatchewan, mit denen Greenpeace am Freitagmorgen eine fast fünf Meter hohe Anklagebank vor dem Bayer-Gebäude aufgebaut hat, haben Bayer/Aventis und Monsanto daher auf Schadensersatz verklagt. "So weit darf es in Deutschland nicht kommen", fordert Brendel. "Wird die Gentechnik im großen Stil angebaut, kann niemand verhindern, dass sich Gen-Pflanzen ausbreiten. Daher haben Risiko- Pflanzen von Bayer nichts auf dem Acker verloren."

Damit sich Firmen in Zukunft nicht mehr aus der Verantwortung ziehen können, fordert Greenpeace, auf dem UN-Weltgipfel vom 26. August bis 4. September 2002 in Johannesburg Grundlagen für ein internationales Haftungsrecht zu legen. Selbstverpflichtungen der Industrie reichen nicht aus. Im Fall der kanadischen Bauern heißt das: Finanzielle Schäden, die den Bauern durch die Ausbreitung der Gen-Pflanzen entstehen, müssen die Saatgut-Konzerne tragen.

Am 09-08-2002

"Maßnahmen als Reaktion auf wirtschaftliche Situation"

Angesichts der wirtschaftlichen Lage und des zunehmenden internationalen Wettbewerbs wird es im Bayer-Konzern weltweit weitere Maßnahmen zur Anpassung der Produktionskapazitäten und Optimierung der Kostenstrukturen geben. Deshalb sollen bis zum Jahr 2005 zusätzliche 4.700 Arbeitsplätze weltweit abgebaut werden. Diese Planungen hat der Vorstand dem Aufsichtsrat in seiner heutigen Sitzung präsentiert. Im Rahmen der laufenden Restrukturierungsprogramme, der Umsetzung von Synergien aus der Übernahme von Aventis CropScience sowie personeller Anpassungen im Bereich Pharma - u. a. als Folge der Rücknahme des Cholesterinsenkers Lipobay - hatte Bayer bereits vor einiger Zeit den weltweiten Abbau von 10.300 Arbeitsplätzen in den nächsten vier Jahren bekannt gegeben. Davon sind bereits 1.800 umgesetzt. Die Umstrukturierung des Konzerns sowie die derzeit schlechte Weltkonjunktur machen eine weitere Erhöhung um 4.700 erforderlich, davon 40 Prozent innerhalb der deutschen AG.

Die Einzelheiten der Umsetzung werden in enger Kooperation mit den Arbeitnehmervertretern festgelegt. In Deutschland werden die in der Standortsicherungsvereinbarung festgeschriebenen Zusicherungen eingehalten; es wird keine betriebsbedingten Kündigungen geben. Stattdessen sollen Möglichkeiten der normalen Fluktuation sowie der Altersteilzeit genutzt werden. Außerdem ist der Transfer von Mitarbeitern innerhalb der neu gegründeten Teilkonzerne und Servicegesellschaften geplant. "Diese Schritte sind leider unumgänglich, um das Unternehmen in schwierigen Zeiten konkurrenzfähig zu halten und auf einen nachhaltigen Wachstumspfad zu führen", kommentierte Bayer-Vorstandsvorsitzender Werner Wenning. Der Aufsichtsrat sicherte dem Vorstand bei der laufenden Umsetzung der Pläne zur Neuorganisation des Unternehmens weiterhin seine volle Unterstützung zu.

Begrüßt wurde die erfolgreich verlaufende Integration von Aventis CropScience. Es ist vorgesehen, dass der Teilkonzern Bayer CropScience Anfang Oktober als erste der vier operativen Gesellschaften seine rechtliche Selbstständigkeit erhält mit wirtschaftlicher Rückwirkung zum 1. Januar 2002. Zukunftsgerichtete Aussagen

Am 13-09-2002

Lipobay-Skandal

Der Chemie- und Pharmakonzern Bayer rechnet im Zusammenhang mit dem Cholesterinsenker Lipobay mit deutlich mehr Gerichtsverfahren als bisher angenommen. Rund 3500 Klagen kämen allein in den USA auf den Konzern zu, sagte Bayer-Vorstandschef Werner Wenning in der Montagausgabe der "Financial Times Deutschland". Bislang habe der Leverkusener Konzern mit "über 2000" Klagen gerechnet. Das erste Verfahren erwarte Bayer im ersten Quartal des kommenden Jahres, erklärte Wenning.

Eine Bayer-Sprecherin sagte auf Anfrage, der Konzern habe zu keinem Zeitpunkt eine Einschätzung gegeben, mit wie vielen Lipobay-Verfahren Bayer rechne. Derzeit seien weltweit über 3500 Verfahren anhängig, vor allem in den USA. Bayer hatte das umsatzstarke Medikament im August 2001 vom Markt genommen, nachdem Lipobay mit dem Tod von weltweit rund 100 Menschen in Verbindung gebracht worden war.

Am 21-10-2002

Arbeitsplatzabbau trotz Gewinnen

Der Leverkusener Chemie- und Pharmakonzern Bayer will bis 2005 rund 15 000 Stellen abbauen und durch weitere Kostensenkungen eine Milliarde Euro zusätzlich einsparen. Allein in Deutschland wären 5400 Arbeitsplätze betroffen, teilte Bayer am Dienstag zur Veröffentlichung der Zahlen zum dritten Quartal in Leverkusen mit. Für das Gesamtjahr rechnet der Konzern mit einem Jahresüberschuss über dem des Vorjahres. Allerdings werde das vierte Quartal 2002 durch außerordentliche Aufwendungen belastet. 2002 sei als "Übergangsjahr" von Portfolioveränderungen, Neuausrichtung und Maßnahmen zur Effizienzsteigerung geprägt, sagte Vorstandschef Werner Wenning.

Im dritten Quartal 2002 wirtschaftete Bayer profitabel. Dem Fehlbetrag von 183 Millionen Euro aus dem Vorjahreszeitraum stünde ein Überschuss von 656 Millionen Euro gegenüber, teilte Bayer weiter mit. Das mit 848 Millionen Euro bezifferte operative Ergebnis lag jedoch unter den Schätzungen der von vwd befragten Analysten, die mit 900 Millionen Euro gerechnet hatten. Beim Umsatz verbuchte der Chemieriese den Angaben zufolge mit 7,2 Milliarden Euro ein Plus von 8,7 Prozent.

"Wir haben nun im dritten Quartal trotz eines schwierigen Umfelds Fortschritte erzielt - unsere Strukturmaßnahmen beginnen zu greifen", kommentierte Vorstandschef Werner Wenning den Quartalsbericht. Nach den ersten neun Monaten 2002 habe Bayer den Konzerngewinn gegenüber dem Vorjahr um 79 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro schrauben können. Das operative Ergebnis einschließlich der Erträge aus dem nicht fortzuführenden Geschäft sei um 43 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro angewachsen. Der Umsatz habe mit 22,2 Milliarden Euro knapp drei Prozent verloren.

Scharfe Kritik übte der Vorstandschef an der Bundesregierung. Angesichts der schwierigen Situation der gesamten Weltwirtschaft seien dringend Konjunkturimpulse notwendig, um die Nachfrage anzukurbeln. Solche seien jedoch in Deutschland nicht erkennbar. "Im Gegenteil, es drohen deutliche Steuer- und Abgabenerhöhungen", sagte Wenning. So werde die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen gefährdet. Bayer würde unter dem geplanten "Steuervergünstigungsabbaugesetz" mit einmaligen Abgaben von 80 Millionen Euro sowie zusätzlichen jährlichen Belastungen von rund 160 Millionen Euro leiden.

Im Zuge des Skandals um den vom Markt genommenen Cholesterinsenker Lipobay seien rund 5700 Klagen eingegangen, teilte der Konzern weiter mit. Bisher seien in 190 dieser Fälle ohne Anerkennung einer Rechtspflicht Vergleiche geschlossen worden. "Wir werden diesen pragmatischen Weg weitergehen", erklärte Wenning.

Am 12-11-2002

Grüne Gentechnik

Die Website Ecoreporter.com berichtet über Proteste gegen den Bayer-Konzern in Australien. Gentechnisch veränderte Nahrungsmittel sind bislang in der australischen Landwirtschaft verboten Nun drängt der zum Bayer-Konzern gehörende Saatguthersteller Bayer CropScience auf die Zulassung von genetisch verändertem Raps. Dabei hat er Medienberichten zufolge heftige Proteste von australische Bauern auf sich gezogen. Zum einen weisen sie darauf hin, dass der fünfte Kontinent seinen Status als "Gentechnik-Frei" verlieren wird. Zum anderen seien Landwirte, die keine gentechnisch-veränderten Saaten anbauen, gezwungen, die Reinheit ihrer Produkte mit aufwändigen Testverfahren zu belegen.

In einem offenen Brief forderte nun das Network of Concerned Farmers (NFC) von Bayer die Übernahme aller Folgekosten, die sich aus dem Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen ergeben. Das hat der Konzern in einer Stellungnahme abgelehnt. "Wenn die Verantwortlichen bei Bayer sicher sind, dass der Anbau von Gen-Raps keine Probleme verursacht, dann sollen sie auch die Haftung und alle Folgekosten übernehmen", erklärte dazu Julie Newman, Sprecherin der NFC.

Offenbar plane der Konzern, den Gentechnik-frei arbeitenden Landwirten diese Kosten aufzubürden. Das käme einer unfreiwilligen Subventionierung gleich. Die Kosten von Gentechnik-frei arbeitender Landwirte für Tests und Aussortierung gentechnischer Verunreinigungen bezifferte bei Newman mit zehn bis zwanzig Prozent des Verkaufspreises. Außerdem gingen der australischen Landwirtschaft wichtige Importeure wie China und die EU verloren, da diese nur Gentechnik-freien Raps kauften. Die Bayer-Aktie ist in zahlreichen Nachhaltigkeitsfonds und Indices enthalten.

Am 18-07-2003

BAYER angeklagt

Europäische und amerikanische Umweltverbände protestieren gegen eine mögliche Zulassung von Pestizidtests an Menschen. Die amerikanische Umweltbehörde Environmental Protection Agency (EPA) prüft gegenwärtig einen Antrag der Firma Bayer, solche Tests zur Risikoanalyse von Pestiziden zuzulassen. Entsprechende Untersuchungen werden bislang aus ethischen Gründen nicht akzeptiert. Eine Änderung der amerikanischen Bestimmungen hätte Signalwirkung für die ganze Welt. BAYER hatte bereits 1998 in Schottland Tests durchgeführt, in deren Verlauf acht Personen Organophosphate verabreicht wurden.

Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren: "Es sind stets materiell benachteiligte Menschen, die ihre Gesundheit bei solchen Tests aufs Spiel setzen. Das Unternehmen BAYER hat wohl verdrängt, dass Menschenversuche seit den grauenvollen Experimenten im Dritten Reich geächtet sind - Auftraggeber war im übrigen schon damals die BAYER-Gruppe innerhalb der IG Farben." Mimkes befürchtet durch die Zulassung solcher Untersuchungen höhere Grenzwerte von Pestiziden in der Nahrung und im Wasser.

Bei den Experimenten in Schottland nahmen die Testpersonen Azinphos-Methyl ein, das von der Weltgesundheitsorganisation als "hoch gefährlich" eingestuft wird. BAYER ist weltweit größter Hersteller des Wirkstoffs. Die Umweltorganisation Friends of the Earth fürchtet in der Zukunft eine hohe Zahl solcher Tests; der Verband fordert, die Gesundheit der bisher an Tests beteiligten Personen lebenslang zu überwachen. Dr. Richard Dixon, Forschungsleiter von Friends of the Earth: "Es ist nicht akzeptabel, dass ein Chemie-Gigant wie BAYER hochgefährliche Pestizide an Menschen ausprobiert. Schlimmer noch aber ist der Versuch des Konzerns, die internationale Ächtung solcher Tests auszuhebeln."

Auch der Natural Resource Defense Council, einer der größten amerikanischen Umweltverbände, verurteilt das Ansinnen von BAYER als "empörend und unmoralisch". Ein Sprecher der Organisation erklärte: "Es gibt starke Anhaltspunkte dafür, dass die Testpersonen nicht vollständig über Ziele und Risiken der Versuche informiert waren." Der Verband befürchtet, dass langfristig auch genetisch modifizierte Organismen an Menschen getestet werden. BAYER ist seit der Übernahme der AVENTIS CROPSCIENCE größter europäischer Anbieter von genmanipuliertem Saatgut.

Das Pestizid Aktions-Netzwerk e.V. (PAN Germany) erinnert an die ohnehin alltägliche Aufnahme von Pestiziden über Lebensmittelrückstände. Carina Weber, Geschäftsführerin von PAN Germany: "Lebensmitteluntersuchungen ergaben, dass z.B. in Europa 39 Prozent und in Deutschland 42,2 Prozent der Lebensmittel Pestizid-Rückstände enthalten. Es ist völlig unakzeptabel, dass womöglich zukünftig regelmäßig Menschen auch noch als Versuchspersonen Pestizide schlucken, zumal mit dem Ökolandbau ein Produktionssystem zur Verfügung steht, in dem chemisch-synthetische Pestizide überhaupt nicht benötigt werden."

Bislang bezeichnete die EPA entsprechende Tests als "unethisch" und "unnötig", jüngste Äußerungen von EPA-Mitarbeitern deuten aber auf eine Lockerung der Ächtung hin. BAYER-Sprecher bestätigten einen diesbezüglichen Antrag.

Am 27-02-2004

USA

Die Firma Bayer CropScience hat sich gestern im US-Bundesstaat Louisiana zur Zahlung von 45 Millionen Dollar an Langusten-Fischer bereit erklärt. Die Population von Langusten war nach der Verwendung des Pestizids "Icon" im Reis-Anbau dramatisch eingebrochen, was zu hohen Einnahmeausfällen bei den betroffenen Fischern führte. Der zuständige Richter in Opelousas/Louisiana muss den Vergleich noch anerkennen, hat aber bereits eine vorläufige Zustimmung erteilt.

Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG): "Agrogifte von Bayer sind in aller Welt für Umweltskandale und Vergiftungsfälle verantwortlich. Der Konzern muss alle Pestizide, die die Umwelt schädigen, das menschliche Hormonsystem stören oder akut toxisch wirken, vom Markt nehmen." Bayer ist seit der Übernahme von Aventis CropScience weltweit zweitgrößter Pestizidhersteller. Von Bayer hergestellte Wirkstoffe wie Fenamiphos, Parathion, Fenthion und Monocrotophos führen Jahr für Jahr zu Tausenden Vergiftungsfällen in aller Welt.

Aventis CropScience hatte "Icon" 1999 auf den Markt gebracht. Vom folgenden Jahr an ging der Bestand von Langusten um mehr als 50 Prozent zurück. In der 2001 eingereichten Klageschrift kritisieren die Fischer, dass Aventis "das Pestizid Icon in fahrlässiger Weise getestet und auf den Markt gebracht hat". Insgesamt wurden rund 1.500 Fischer geschädigt. Der in "Icon" enthaltene Wirkstoff Fipronil wird auch für das Bienensterben in Europa und Nordamerika verantwortlich gemacht. In Frankreich wurden im Februar daher alle Anwendungen von Fipronil verboten.

Erst in der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass Pestizide von Bayer im indischen Baumwoll-Anbau für eine große Zahl tödlicher Vergiftungen verantwortlich sind. Der Konzern hatte 1995 angekündigt, alle Wirkstoffe der Gefahrenklasse I vom Markt zu nehmen, dieses Versprechen jedoch bis heute nicht umgesetzt.

Am 31-03-2004

Vergiftung von Langusten durch Pestizid "Icon"

Nach Angaben der Coordination gegen Bayer-Gefahren (CBG) hat die Firma Bayer CropScience sich gestern im US-Bundesstaat Louisiana zur Zahlung von 45 Millionen Dollar an Langusten-Fischer bereit erklärt. Die Population von Langusten war nach der Verwendung des Pestizids "Icon" im Reis-Anbau dramatisch eingebrochen, was zu hohen Einnahmeausfällen bei den betroffenen Fischern führte. Der zuständige Richter in Opelousas/Louisiana muss den Vergleich noch anerkennen, hat aber bereits eine vorläufige Zustimmung erteilt.

Philipp Mimkes von CBG erklärt: "Agrogifte von Bayer sind in aller Welt für Umweltskandale und Vergiftungsfälle verantwortlich." Der Konzern müsse alle Pestizide, die die Umwelt schädigen, das menschliche Hormonsystem stören oder akut toxisch wirken, vom Markt nehmen. Bayer sei seit der Übernahme von Aventis CropScience weltweit zweitgrößter Pestizidhersteller. Von Bayer hergestellte Wirkstoffe wie Fenamiphos, Parathion, Fenthion und Monocrotophos führen Jahr für Jahr zu Tausenden Vergiftungsfällen in aller Welt, so die CBG.

Aventis CropScience hatte "Icon" 1999 auf den Markt gebracht. Vom folgenden Jahr an ging der Bestand von Langusten um mehr als 50% zurück. In der 2001 eingereichten Klageschrift kritisieren die Fischer, dass Aventis "das Pestizid Icon in fahrlässiger Weise getestet und auf den Markt gebracht hat". Insgesamt wurden rund 1.500 Fischer geschädigt. Der in "Icon" enthaltene Wirkstoff Fipronil wird auch für das Bienensterben in Europa und Nordamerika verantwortlich gemacht. In Frankreich wurden im Februar daher alle Anwendungen von Fipronil verboten.

Erst in der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass Pestizide von Bayer im indischen Baumwoll-Anbau für eine große Zahl tödlicher Vergiftungen verantwortlich sind. Der Konzern hatte 1995 angekündigt, alle Wirkstoffe der Gefahrenklasse I vom Markt zu nehmen, dieses Versprechen jedoch bis heute nicht umgesetzt.

Am 31-03-2004

Giftige Kleider

Die TV-Journalistin Inge Altemeier hat in Indien skandalöse Fakten über die Praktiken des Chemiemultis Bayer ans Tageslicht befördert. Durch die Pestizide von Bayer werden ihren Recherchen zufolge im südindischen Baumwollgürtel Tausende Landarbeiter vergiftet. Laut Altemeier kommt es täglich zu Todesfällen. Monocrotophos heißt eines der Mittel, es wird von Bayer hergestellt und ist in Europa längst verboten. Die Landarbeiter werden nicht über die Risiken des Gifteinsatzes aufgeklärt. Die verwendeten Pestizide sind zum Teil Nervengifte, die früher als Chemiewaffen im Krieg eingesetzt wurden. Die Sprüher baden regelrecht in den Pestiziden und können sich auf Grund der Wasserknappheit nicht einmal richtig waschen. Auf der Intensivstation der größten Klinik in Warangal in Südindien kommen Baumwollbauern mit akuten Vergiftungen ins Krankenhaus. Allein im Krankenhaus in Warangal müssen demnach monatlich bis zu eintausend Fälle behandelt werden.

Den riesigen Pestizid-Markt in Indien teilen sich im Wesentlichen: Dupont, Novartis und Bayer, der Chemieriese aus Leverkusen. Die Marke Bayer steht bei den indischen Baumwollbauern für Qualität. Und dies, obwohl in Indien Pestizide verkauft werden, die in Europa verboten sind.

Bayer ist weltweit der zweitgrößte Pestizidproduzent und der größte Anbieter auf dem indischen Markt für Unkrautvernichtungsmittel. Große Mengen von in Europa nicht mehr zugelassenen Produkten wie Monocrotophos lasse der Konzern von Subunternehmern produzieren - besonders im Industriegebiet von Vapi im Bundesstaat Gujarat. Aufgrund fehlender Sicherheitsstandards seien Unfälle dort an der Tagesordnung. Das Grundwasser ganzer Landstriche, so Altemeier, ist mit Agrogiften verseucht, so daß sich die Bewohner aus Tankwagen versorgen müßten. Sie seien dadurch gezwungen, einen großen Teil ihres Einkommens für ihre Versorgung mit Trinkwasser auszugeben.

Die von Bayer vertriebenen Pestizide gelangen Altemeier zufolge über die Baumwolle auch in die Textilproduktion. Die dort beschäftigten Arbeiterinnen atmen die Gifte in großen Mengen ein. Am Textilstandort Tripur beträgt den Statistiken zufolge die Lebenserwartung lediglich 35 Jahre. Markus Saxinger von der Coordination gegen Bayer-Gefahren (CBG) fordert: "Die von der WHO mit der Gefahrenklasse eins gekennzeichneten Pestizide müssen sofort vom Markt genommen werden, sonst sterben immer mehr Menschen."

Bei der Verwendung von Agrogiften ist der Baumwollgürtel im Bundesstaat Andrha Pradesh "Weltspitzenreiter". Untersuchungen über einen Zeitraum von 20 Jahren zeigen auf, daß die Belastung der täglichen Nahrung, wie Gemüse, Milch, Getreide und Wasser, kontinuierlich anstieg. Zunehmend werden Mißbildungen von Kindern beobachtet, auch die Krebsrate steigt. Aufgrund von Resistenzbildung werden immer größere Giftmengen eingesetzt.

Am 08-06-2004