Nachrichten Aldi Rückblende

Tag der Artenvielfalt

Die Ostseeinsel Vilm wird im Juni biologisch unter die Lupe genommen. Zum "Tag der Artenvielfalt" habe das Umweltmagazin "GEO" rund 110 Naturwissenschaftler aus ganz Deutschland zu einer Bestandsanalyse auf die Rügen vorgelagerte "Urwaldinsel" eingeladen, sagte am Donnerstag eine Sprecherin des Meeresmuseums. Die Spezialisten wollen in dem seit fast 500 Jahren weitgehend unberührt gebliebenen Wald und den umliegenden Küstengewässern nach seltenen Tier- und Pflanzenarten suchen.

Die Insel Vilm besitzt einen der schönsten und ältesten Naturwälder Norddeutschlands mit urwüchsigen Eichen und Buchen, Schlehdorn, Wildbirnen und Holzäpfeln. Das zweieinhalb Kilometer lange Eiland im Biosphärenreservat Südost-Rügen beherbergt ein Artenparadies, das sich im Laufe der Jahrhunderte stets gewandelt und den Gegebenheiten an der Ostsee angepasst hat. Zum inzwischen vierten "Tag der Artenvielfalt" am 8. Juni wollen Biologen bundesweit wieder Biotope wie Bergbäche, Gartenteiche, Stadtparks und Kohlehalden untersuchen.

Am 30-05-2002

Tierschutz bei Legehennen

Der Handelsriese Aldi-Nord plant spätestens zum Februar 2006 völlig auf den Verkauf von Eiern aus Käfighaltung zu verzichten. Diese Entscheidung betrifft sowohl Eier aus herkömmlichen Käfigen als auch Eier aus sogenannten ausgestalteten Käfigen. Deutlich vor dem gesetzlich festgelegten Ende der Käfighaltung am 1.1.2007 wird damit einer der größten deutschen Einzelhandels-Konzerne den kompletten Umstieg auf Eier aus alternativen Haltungssystemen abgeschlossen haben.

Fünf namhafte Tierschutz-Organisationen, Menschen für Tierrechte - Bundesverband der Tierversuchsgegner e.V., PETA-Deutschland e.V., PROVIEH - Verein gegen tierquälerische Massentierhaltung e.V., Stiftung Albert Schweitzer für unsere Mitwelt und VIER PFOTEN e.V. engagieren sich seit einem Jahr in der Initiative "Handeln mit Gewissen" für ein Umdenken des Handels in Bezug auf den Verkauf von Käfigeiern. Gespräche Anfang Juli 2003 zwischen der Initiative und ALDI Nord zeigten weitgehende Übereinstimmung in der Beurteilung der Problematik der Batteriekäfighaltung. ALDI Nord beabsichtigt daher, auf den Verkauf von Eiern aus solchen Haltungen spätestens nach einer Übergangsfrist von 32 Monaten völlig zu verzichten.

"Wir begrüßen die Entscheidung ALDIs ausdrücklich und gehen davon aus, dass sie Signalwirkung auf die anderen großen deutschen Handelsunternehmen haben wird", sagt Rechtsanwalt Wolfgang Schindler, Sprecher der Initiative. "Auch Unternehmen wie Rewe, Metro, Lidl oder Edeka müssen nun endlich ihr Handeln an ethischen Maßstäben ausrichten. Für Eier aus tierquälerischer Käfighaltung darf es keinen Platz in den Regalen geben." Optimismus ist angebracht, wie sich am Beispiel der Niederlande zeigt. Dort hat bereits die Mehrheit der großen Handelsketten - darunter auch ALDI und Lidl - angekündigt, in Zukunft auf den Verkauf von Käfigeiern zu verzichten.

Ohne überzeugende Sachargumente wollen die Länder Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern diese positive Entwicklung zu mehr Tiergerechtigkeit und Gesetzmäßigkeit aufhalten. Auf der am 24. September 2003 in Rostock beginnenden Agrarministerkonferenz der Länder soll der Zulassung der Mogelpackung "modifizierter Käfig" der Weg geebnet werden. Diesen Plänen fehlt allerdings jeder Beifall.

Nicht nur 88 Prozent der VerbraucherInnen sprechen sich für einen schnellstmöglichen Ausstieg aus jeglicher Käfighaltung aus, wie eine Umfrage der Initiative im März diesen Jahres gezeigt hat. Auch beim deutschen Einzelhandel ist ein Prozess des Umdenkens voll im Gange. Dies wird dem Absatz von Eiern aus Boden- und Freilandhaltung einen enormen Schub versetzen. Die deutschen Eiererzeuger sollten daher verstärkt in alternative Haltungsformen investieren, anstatt weiter das Verbot der tierquälerischen Legebatterien zu beklagen.

"Es wird wieder einmal deutlich, dass die verantwortlichen Agrarminister Hans-Heinrich Ehlen und Till Backhaus die Interessen der Agrar-Industrie vertreten, unabhängig von dem seit 30 Jahren geltenden Tierschutzgesetz" so Schindler abschließend. "Dem gesetzwidrigen Vorhaben dieser Bundesländer werden sich die Mitglieder der Initiative mit aller Macht entgegenstellen."

Am 22-09-2003

Proteste

Vor einer Aldi-Filiale beim Anhalter Bahnhof in Berlin sind heute Robin Wood-Aktivisten aufgezogen. Sie protestieren gegen Gartenmöbel aus Tropenholz, die Aldi Nord seit heute früh in den Filialen anbietet. Vor dem Eingang haben die UmweltschützerInnen ein sechs Meter langes Transparent entrollt. Darauf steht in Anspielung auf die Eigenwerbung von Aldi: "Das Aldi-Prinzip: Profit ganz oben. Regenwald platt!" Robin Wood fordert, dass Aldi aus dem Geschäft mit Tropenholz aussteigt, sofern das Holz nicht nachweislich aus ökologisch und sozial akzeptabler Waldwirtschaft stammt und entsprechend zertifiziert ist.

Die Aldi-Gartenmöbel - Klappstühle, Gartenbänke und Tische - sind laut Prospekt aus Meranti-Holz und werden vom Discounter mit dem Öko-Versprechen "aus staatlich kontrollierter Forstwirtschaft" angepriesen. Meranti stammt aus den Naturwäldern Südostasiens, in denen eine zerstörerische Forstwirtschaft vorherrscht. Gegenüber Robin Wood weigerte der Konzern sich tagelang, über die Herkunft des Holzes zu informieren. Gegenüber Kunden gaben Aldi-Mitarbeiter lediglich die telefonische Auskunft, das Holz stamme aus Indonesien.

"Aldi soll sofort die Herkunft seiner Holzmöbel bekannt geben und nachweisen, dass die Möbel aus ökologisch unbedenklichen Quellen stammen", fordert Robin Wood-Tropenwaldreferent Peter Gerhardt. Skepsis ist berechtigt. Denn in Branchenkreisen ist bekannt, dass in Indonesien staatliche Pseudo-Zertifikate existieren, die das Papier nicht wert sind, auf dem sie gedruckt sind. So bekamen Robin Wood-Aktivisten, die sich bei Recherchen auf Java als Gartenmöbeleinkäufer ausgaben, Blanko-Zertifikate angeboten.

Sollte Aldi keinen glaubwürdigen Nachweis erbringen können, fordern die UmweltschützerInnen den Discounter auf, den vorhandenen Warenbestand zugunsten einer südostasiatischen Umweltorganisation abzuverkaufen und sicherzustellen, dass sich dieser Fehler nicht wiederholt.

Robin Wood empfiehlt Möbel aus zertifizierten heimischen Hölzern wie Buche und Lärche. Gartenmöbel aus Tropenholz sind allenfalls zweite Wahl und nur mit dem FSC-Siegel akzeptabel. Der Forest Stewardship Council (FSC)zertifiziert weltweit Produkte, die aus ökologisch und sozial akzeptabler Waldwirtschaft stammen und ist derzeit das einzig glaubwürdige Siegel. Bei zertifizierten Möbeln muss das FSC-Logo - ein stilisierter Baum mit den Buchstaben FSC - direkt am Produkt angebracht sein.

Am 12-05-2004

Geheimgehalten

Der Lebensmitteldiscounter Aldi hält geheim, woher das Tropenholz für die Gartenmöbel stammt, die seit Mittwoch dieser Woche in den Filialen von ALDI Nord verkauft werden. Wie die Umweltorganisation Robin Wood berichtet, stamme Meranti-Holz, aus dem die Gartenmöbel laut ALDI-Prospekt bestehen, aus den Naturwäldern Südostasiens, in denen eine zerstörerische Forstwirtschaft vorherrsche. Aldi werbe damit, das Holz sei "aus staatlich kontrollierter Forstwirtschaft", habe das aber bis jetzt nicht belegt.

Nach telefonischer Auskunft komme das Holz aus Indonesien. Dort kooperiere der Staat mit der Holzmafia, Behörden und Militär seien in Korruption verstrickt und verdienten selbst mit an der Plünderung der Wälder. Der Holzeinschlag erfolge überwiegend illegal. Indonesion sei damit das Land, das weltweit am meisten Land Wald verliert. Aufgrund der rasant fortschreitenden Entwaldung würden sich Katastrophen wie Überschwemmungen und Erdrutsche häufen.

"Die KundInnen haben ein Recht darauf zu erfahren, ob sie mit dem Kauf der ALDI-Möbel zur Vernichtung von Regenwäldern beitragen", sagt Robin Wood-Tropenwaldreferent Peter Gerhardt. Sollte Aldi nicht sicher ausschließen können, dass das Holz aus Raubbau stamme, fordern die Umweltschützer den Discounter auf, den vorhandenen Warenbestand zugunsten einer südostasiatischen Umweltorganisation abzuverkaufen und sicherzustellen, dass sich ein derartiges Ereignis nicht wiederhole.

Am 14-05-2004

Protestaktionen erfolgreich

"ALDI wird sich in Zukunft beim Einkauf von aus Tropenholz hergestellten Möbeln u.ä. bemühen, zusätzlich zu staatlichen Zertifikaten das allseits akzeptierte FSC-Siegel einzufordern (...)", schreibt ALDI in einer Stellungnahme an ROBIN WOOD. Um zu verhindern, dass sich deutsche Kunden unfreiwillig an der Zerstörung von tropischen Regenwäldern mitschuldig machen, hatten Aktivisten unter dem Motto "Das ALDI-Prinzip: Profit ganz oben. Regenwald platt" vor Filialen des Discounters demonstriert und eine umfassende Verbraucherinformation eingefordert.

"ALDI geht einen Schritt in die richtige Richtung", freut sich Peter Gerhardt, Tropenwaldreferent von ROBIN WOOD. "Auch ökologische und soziale Kriterien müssen künftig zum ALDI-Prinzip gehören. Das sollte nicht nur für Holzprodukte aus den Tropen, sondern aus sämtlichen Urwaldregionen dieser Welt gelten."

Trotz des eingeleiteten Sinneswandels versucht ALDI allerdings noch immer, das laufende Geschäft mit den Meranti-Möbeln und das Werbeversprechen "aus staatlich kontrollierter Forstwirtschaft" zu rechtfertigen. Für die Möbel des Lieferanten Warbeg aus Essen lägen so genannte SKSHH-Zertifikate der indonesischen Regierung vor. "ALDI hat keinen Anlass, die Korrektheit staatlicher Zertifikate anzuzweifeln", heißt es in der ALDI-Stellungnahme.

Anlass dafür aber gibt es mehr als genug. In Indonesien treibt die Holzmafia mit staatlicher Unterstützung die Waldzerstörung in einem Tempo voran, wie sonst nirgendwo auf der Welt - mit katastrophalen Folgen. Jährlich werden 3,8 Millionen Hektar Tropenwald vernichtet. Das entspricht der Fläche von NRW. Im Holzhandel ist es ein offenes Geheimnis, dass in Indonesien staatliche Zertifikate gefälscht und auf dem Schwarzmarkt gehandelt werden. ROBIN WOOD unterstützt daher die Forderung von 170 Umwelt- und Menschenrechtsgruppen aus Indonesien nach einem Moratorium für den kommerziellen Holzeinschlag in ihrem Land.

Eine Selbstverständlichkeit sollte es zudem sein, dass alle ALDI-Kunden das Zertifikat für die Gartenmöbel einsehen und aufgestellte Behauptungen überprüfen können. Bis heute aber hüteten ALDI und auch der Lieferant Warbeg das Zertifikat wie ein Betriebsgeheimnis.

Am 26-05-2004

Kritik an Seehofer

Die Deutsche Umwelthilfe spricht inzwischen von einer "fast flächendeckende Belastung" von Frucht- und Gemüsesäften in Kartonverpackungen mit der Druckchemikalie Isopropylthioxanton (ITX). Auch in der vierten Serie der von der Umwelthilfe veranlassten Untersuchungen seien weitere belastete Säfte gefunden worden. Der Maximalwert in der neuen Messreihe mit einem ITX-Gehalt von 67 Mikrogramm pro Kilogramm (µg/kg) wurde laut Umwelthilfe in einem "Fit for fun active Drink mit L-Carnitin und Vitaminen - Erfrischendes Mehrfruchtgetränk" von "Pro Health Vital Drink GmbH" gefunden. Das Getränk im 0,5 Liter-Karton werde von einer Berliner Filiale der Supermarktkette "extra" vertrieben. Im "Bio Rote Bete Saft" im 0,5 Liter-Karton der Edeka-Hausmarke Bio Wertkost seien 49 Mikrogramm gemessen worden. Die Verpackung sei in beiden Fällen von Tetra Pak. Schließlich habe man auch im Aldi Süd-Apfelsaft "Solesta" im Ein-Liter-Karton mit einer Verpackung von Elopak 36 Mikrogramm gefunden. Insgesamt seien in den vergangenen vier Wochen 63 Säfte untersucht worden. In 23 Fällen habe man die Chemikalie ITX nachgeweisen können.

"Bundesminister Seehofer will das Problem ITX im Gegensatz zu seinen südlichen EU-Ministerkollegen aussitzen", meint Jürgen Resch von der Umwelthilfe. Die italienischen Behörden hätten bereits im Dezember bei ITX-Belastungen von weniger als 25 Mikrogramm die Regale räumen lassen. "Offensichtlich haben Seehofer und die mit ihm in engem Kontakt stehenden Kartonhersteller ein besonders zynisches Verfahren zur Lösung des ITX-Problems gefunden: Die mit Chemie belasteten Karton-Säfte sollen durch die Kehlen der Verbraucher entsorgt werden, und das noch für viele Monate", erregt sich Resch. Die Deutsche Umwelthilfe fordert einen Verkaufsstop für ITX-belastete Lebensmittel.

Solange die Toxizität von ITX nach offiziellen Stellungnahmen der zuständigen Behörden als "unbekannt" gelte, habe diese Druckchemikalie aus Gründen des vorausschauenden Verbraucherschutzes auch nichts in Getränken und anderen Lebensmitteln zu suchen.

Verbraucherschutzminister Seehofer möchte sich offenbar in dieser Woche ein weiteres Mal mit den für den ITX-Skandal verantwortlichen Firmen zu einem vertraulichen Gespräch treffen. "Leider erlaubt es der Terminkalender des Ministers seit Monaten nicht, auch ein Gespräch mit der Deutschen Umwelthilfe als Verbraucherschutzorganisation zu führen", kritisieren die Verbraucherschützer.

In früheren Äußerungen habe das Ministerium auf "Zusagen von Tetra Pak und Elopak" verwiesen, ab Ende Januar nurmehr ITX-freie Produkte auszuliefern. Die aktuellen Funde von ITX-belasteten Säften stünden dazu im Widerspruch. Bei manchen Abfüllern lagerten noch ITX-haltige Kartonagen im Wert von bis zu 700.000 Euro. Diese würden in den kommenden Wochen und Monaten zu Saftkartons verarbeitet werden, fürchten die Verbraucherschützer.

Seehofers hat inzwischen "angekündigt", sich für eine europaweit gültige Regelung für Druckfarben auf Getränkekartons einsetzen zu wollen. Dies wird von vielen seiner EU-Ministerkollegen schon seit Monaten gefordert. "Bis diese Regelung vorliegt, werden vermutlich ein bis zwei Jahre vergehen", vermutet die Umwelthilfe. Seehofer solle sich ein Beispiel an Italien nehmen und auch auf die Forderungen der CDU/CSU-Bundestagsfraktion hören, die aus Gründen des vorausschauenden Verbraucherschutzes einen Rückruf ITX-belasteter Säfte gefordert hätten.

Die Kontrollen der Deutschen Umwelthilfe zeigen bei den beanstandeten Handelsketten offenbar einen gewissen Erfolg. Diese nähmen Kartonsäfte, die sich als ITX-belastet erwiesen hätten, aus dem Handel. Allerdings reagieren die Handelsunternehmen immer nur dann, wenn ihnen entsprechende Belastungsdaten nachgewiesen werden - nicht jedoch auf eigene Initiative.

Am 13-02-2006