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unabhängige Autoren mit eigener Meinung

Nachhaltigkeit Produkte und Unternehmen | 20 Jahre Rückblick

Umweltbilanz 2002 | BUND fordert von Parteien Nachhaltige Politik statt kurzsichtiger Parolen

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat den großen Volksparteien vorgeworfen, Umweltthemen oft nur kurzatmig aufzugreifen. Es sei im zurückliegenden Jahr deutlich geworden, dass sich viele prominente Politiker nur um die Umwelt kümmerten, wenn es kurzfristigen Wahlzielen diene. Besonders auffällig sei dies bei der Opposition gewesen, die erst nach dem August-Hochwasser und der verlorenen Wahl wieder die Umwelt als Thema entdeckt hätte.

Dr. Angelika Zahrnt, BUND-Bundesvorsitzende: "Umweltschutz darf nicht instrumentalisiert werden. Das ist kein Thema, das man nach Belieben von der Tagesordnung streichen kann. Wenn der Fluss erst durch die Stadt fließt und die Parteien versuchen, das Wasser auf ihre Mühlen zu lenken, ist es zu spät. Dann bezahlen Menschen die Versäumnisse mit ihrem Leben, Milliardenschäden sind zu reparieren. Die Umwelt braucht eine vorausschauende Politik, Nachhaltigkeit ist Vorsorge. Aber kaum ist das Wasser abgelaufen, reden dieselben Politiker in Bayern und Sachsen-Anhalt, die eben noch betroffen auf den Deichen standen, wieder von einer Kanalisierung der Flüsse."

Das nationale Moratorium für die Stromausbaupläne sei im Jahr 2002 einer der größten Erfolge in Sachen Umwelt gewesen. Der BUND habe den Stopp der Flussbaumaßnahmen und einen ökologischen Hochwasserschutz seit langem gefordert.

Trotz des im Ergebnis enttäuschenden diesjährigen Weltumweltgipfels von Johannesburg konnte der BUND zusammen mit seinem internationalen Netzwerk Friends of the Earth dort das Thema globaler Regeln für multinationale Unternehmen auf die Agenda setzen. Auch stehe das Kyoto-Protokoll für mehr Klimaschutz kurz vor Inkrafttreten. Die Bundesregierung müsse jetzt einen Plan vorlegen, um die Treibhausgase bis 2020 um vierzig Prozent zu mindern. Das sei durch mehr Energieeinsparung und Energieeffizienz möglich. Beispielsweise liege der Anteil des umweltfreundlichen Stroms aus Kraft-Wärme-Kopplung in Deutschland bei nur 10 Prozent. Kurzfristig gebe es hier das größte noch zu erschließende Potential. Die vorhandenen Klimaschutz-Reserven im Verkehrsbereich müssten ebenfalls dringend mobilisiert werden.

Zwei Jahre nach der BSE-Krise seien erste Schritte einer neuen Agrarpolitik erkennbar. Der Ökolandbau wachse stetig. Jedoch gebe es in einigen Bereichen der industriellen Tierhaltung leider ebenfalls Steigerungsraten. So stammten - einschließlich der Importe – bisher nur zwei Prozent des in Deutschland verkauften Putenfleisches aus tiergemäßer Haltung. Für mehr Biolandbau und eine artgerechte Nutztierhaltung wolle der BUND im kommenden Jahr verstärkt werben.

Eine Reihe von BUND-Aktionen warben 2002 für die Aufnahme ökologischer Themen in die rot-grüne Koalitionsvereinbarung. Zahrnt: "Rot-Grün hat im Koalitionsvertrag zwar einige Perspektiven für eine Politik der Nachhaltigkeit aufgezeigt, die neue Regierung startete aber auch im Umweltbereich mit groben Schnitzern. So verteidigte Umweltminister Trittin den Weiterbetrieb des Schrottreaktors Obrigheim und Agrarministerin Künast akzeptierte zu hohe Grenzwerte bei gentechnisch kontaminierten Lebensmitteln. Diese Beispiele zeigen, dass die Umweltverbände in ihrem Einsatz für mehr Umweltschutz nicht nachlassen dürfen."

Am 27-12-2002

Nachhaltigkeitsrat

Der Rat für Nachhaltige Entwicklung fordert von der Bundesregierung zukunftsorientierte Reformen. Der Ratsvorsitzende Volker Hauff sagte am Dienstag im Deutschlandradio Kultur unmittelbar vor der Jahrestagung des Rates, bei den großen Reformvorhaben wie Staatsschuld, Gesundheit, Energie, Renten und Mobilität müsse das Prinzip der Nachhaltigkeit als Orientierungslinie in den Mittelpunkt gestellt werden. Hauff mahnte: "Wir erwarten, dass das Thema sehr viel ernster genommen wird." Hauff vermisst in der Großen Koalition "die großen Ziele" zu Technologien wie "dem sauberen Kohlekraftwerk", einer "zukunftsgerechten Mobilität" und zu einer "generationengerechten Verteilung von Haushaltslasten".

Fast Tausend Teilnehmer aus Politik, Wirtschaft, Medien, Stiftungen und Zivilgesellschaft waren zu der Jahrestagung nach Berlin gekommen. Das Ratsmitglied Klaus Töpfer rief dazu auf, die natürlichen Ressourcen der Erde zu schonen und stärker für alternative Energiegewinnung zu arbeiten. Der frühere Bundesumweltminister sagte im ZDF-"Morgenmagazin", Deutschland habe mit der kommenden EU-Ratspräsidentschaft und G8-Präsidentschaft "gute Möglichkeiten, in Energiefragen, Veränderung von Konsummustern, Verhaltensweisen" auf eine positive Entwicklung hinzuwirken.

Die Vorsitzende des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutshcland (BUND), Angelika Zahrnt, vermisst "Eine Leitlinie zur Zukunftspolitik". Diese ist aber nötig, um Klimaschäden global zu begegnen und die "Auswirkungen der veränderten Demografie" in Deutschland zu gestalten.

Die Teilnahme der Bundeskanzlerin an der Veranstaltung ist für Hauff "wichtig, weil zupackende und ernst gemeinte Nachhaltigkeitspolitik nur funktioniert, wenn sie Chefsache ist". Als herausragende Themen nannte er die Energiewirtschaft, die Generationenbilanz im demografischen Wandel und die Innovationen für Infrastruktur und bei der globalen Verantwortung Deutschlands. Er freue sich, dass mit dem Vorstandschef der Münchener Rück, Nikolaus von Bomhard, der Vertreter eines "Vorreiter-Unternehmens" die Hauptrede der Konferenz halte.

Auf der Jahreskonferenz wurden die Empfehlungen des Rates für Nachhaltige Entwicklung zur unternehmerischen Verantwortung erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt und von Experten diskutiert. Auch die Wirtschaft sei gefordert: "Führende deutsche Unternehmen haben in den letzten Jahren Nachhaltigkeit und Unternehmensverantwortung zu ihrem Thema gemacht, aber sie haben Corporate Social Responsibility (CSR), die steigende Verantwortung der Unternehmen in einer globalisierten Wirtschaft für soziale und ökologische Standards, nicht zum Topthema der Wirtschaft machen können".

Angesichts von Gammelfleisch und auch des akuten Giftskandals an der Elfenbeinküste betonte Zahrnt: "Es bedarf ganz offensichtlich einer stärkeren Kultur der Verantwortung im Unternehmensbereich und gleichzeitig wirkungsvollerer staatlicher Kontrollen im nationalen wie internationalen Bereich."

Am 26-09-2006

Nachhaltigkeit bei fairflowers

Deutschland ist das größte Schnittblumen-Import Land der Welt. Der Großteil der 300.000 Tonnen Schnittblumen, die bei uns jährlich verkauft werden, kommt aus Ländern des Südens, nur 20 % stammen aus heimischer Produktion. Da lohnt es sich, auf die Produktionsverhältnisse Einfluss zu nehmen. In vielen Blumenanbaugebieten Lateinamerikas und Afrikas sind Missstände wie Diskriminierung der überwiegend weiblichen Beschäftigten, Unterdrückung freier Gewerkschaften und Erkrankungen der ArbeiterInnen durch massiven Pestizideinsatz an der Tagesordnung.

Internationale Gewerkschaften, Menschenrechtsorganisationen und Hilfswerke haben deshalb in Absprache mit ihren Partnern in Übersee das Flower Label Programm (FLP) erarbeitet. Es beinhaltet einen Verhaltenskodex mit Richtlinien für eine sozial- und umweltverträgliche Blumenproduktion.

Seit 1996 erhalten Blumen, die unter entsprechend menschenwürdigen und umweltschonenden Bedingungen produziert wurden, das FLP-Gütesiegel. Um das Programm zu unterstützen, sollte man beim Einkauf unbedingt nach Blumen mit dem FLP-Siegel fragen. Die FLP-Blumen sind nicht teurer als andere. Viele Blumenhändler achten nicht auf das Label, obwohl im Großmarkt FLP-Blumen angeboten werden. Die gezielte Nachfrage der VerbraucherInnen könnte das ändern. Wer Blumen aus dem Flower-Label-Programm kauft, leistet einen wichtigen Beitrag in globaler Verantwortung.

Die Landeshauptstadt Mainz geht mit gutem Beispiel voran. Der Mainzer Stadtrat hat beschlossen, dass bei städtischem Blumeneinkauf ökologische und soziale Kriterien berücksichtigt werden. Diese Anforderungen konnten nun bei der Ausschreibung der floristischen Leistungen für die Stadt konkret umgesetzt werden: Blumensträuße, Adventsgestecke, Buketts und ähnliches werden künftig von Floristen zusammengestellt, die Blumen aus regionaler bzw. ökologischer Produktion verwenden oder eben Blumen, die aus dem Flower Label Programm (FLP) stammen.

FairFlower

Am 14-12-2010

REGENERATION DEUTSCHLAND

Ein immer breiterer Teil der Bevölkerung legt Wert auf soziale und ökologische Nachhaltigkeit. Der Müll wird getrennt, es wird Geld an wohltätige Organisationen gespendet und beim Einkauf wird darauf geachtet, regionale Produkte in den Einkaufskorb zu legen. Diesen Trend hat auch die Werbebranche erkannt. Nachhaltigkeit – Dieses Wort schallt einem bereits morgens aus der Radiowerbung entgegen. Beim Verlassen des Hauses begegnet es einem auf sämtlichen Reklameflächen und auch in den Schaufenstern der Einkaufszeile wird die Nachhaltigkeit der Produkte angepriesen. „Nachhaltigkeit“ hat sich im Wortschatz der Werbetexter manifestiert und wird daher gemäß dem Trend der Zeit auf jeden kaufwilligen Kunden so konzentriert wie möglich losgelassen. Diese Greenwashing-Strategie vieler Unternehmen führt dazu, dass der Kunde vor lauter Bio-Siegeln und Öko-Bäumen den Wald nicht mehr sieht. Welchen Angeboten kann man als umweltbewusster Kunde noch trauen und hinter welchem der tausend Siegel und Zertifikate stehen wirklich nachhaltige Produkte und Angebote?

Mehr Transparenz in der Nachhaltigkeit mit REGENERATION DEUTSCHLAND

Dieses Problem der mangelnden Transparenz im Bereich der Nachhaltigkeit adressiert die neue Online-Plattform REGENERATION DEUTSCHLAND. Die Online-Bewegung hat sich zum Ziel gesetzt, umweltbewusste Verbraucher und Organisationen zusammenzubringen, die Nachhaltigkeit als zentrales Kriterium bei Kaufentscheidungen bzw. bei ihren Produkten und Dienstleistungen auffassen.

Ganz bewusst wird dabei der aktive Dialog zwischen Produzenten und Konsumenten gefördert. So können sich Organisationen auf einem eigenen Profil präsentieren und die eigene (ökonomische und soziale) Nachhaltigkeit dokumentieren. Der Fokus liegt dabei auf der sog. „internen Nachhaltigkeit“, denn viele Endprodukte sind bereits mit Siegeln zertifiziert, doch was die Unternehmen darüber hinaus alles im Bereich Ressourcenschonung, Fairness und Unternehmenskommunikation leisten, bleibt meist für den Verbraucher unsichtbar.

Damit sich das ändert, können die Verbraucher die Darstellung jedes Unternehmens auf der Plattform REGENERATION DEUTSCHLAND kommentieren. Auf diese Weise können beide Seiten gemeinsam bestimmen, welche Punkte ihnen im Bezug auf soziale und ökologische Nachhaltigkeit besonders wichtig sind und gemeinsam Kriterien für „echte“ Nachhaltigkeit bestimmen.

Jedes Unternehmen und jeder Nutzer kann auf REGENERATION DEUTSCHLAND seinen ganz persönlichen Fortschritt festhalten und sich von anderen Nutzern Feedback zur eigenen Entwicklung einholen. Dies erfordert natürlich auch ein Stück weit Mut – vor allem von Unternehmen – den ganz schnell können Nutzer mögliche Greenwashing-Strategien entlarven. Transparente Nachhaltigkeit hingegen wird von den Mitgliedern honoriert.

Die nachhaltige Online-Bewegung befindet sich noch am Anfang

Momentan befindet sich das Projekt noch in der Anlaufphase. Deshalb ist das Treiben auf der der Online-Plattform bisher noch überschaubar. Doch die Wachstumschancen stehen gut, denn hinter der Idee, Konsumenten und Produzenten zu vernetzen, um soziale und ökologische Nachhaltigkeit transparenter zu gestalten steckt zweifelsohne Potential. Viele Verbraucher wollen nicht länger systematisch von der Werbemaschinerie der omnipräsenten Großkonzerne getäuscht werden. Mit REGENERATION DEUTSCHLAND besteht nun die Möglichkeit auf echte nachhaltige Angebote aufmerksam zu werden um fundierte Kaufentscheidungen treffen zu können.

Die Autorin Lisa Figas und wir freuen uns auf den Austausch auf unserer Facebook-Seite

Am 29-03-2012

genanet - Gender, Umwelt, Nachhaltigkeit / LIFE e.V.

Unser momentanes Wirtschaftssystem ist nur funktionsfähig, weil es unbezahlte Sorgearbeit, wie auch die Reproduktion der Natur, als kostenlose und grenzenlos zu Verfügung stehende Ressourcen nutzt. Wie kann unsere Wirtschaft gestaltet werden, damit sie einerseits ressourcenschonender produziert, andererseits die gesellschaftlich notwendige Sorgearbeit einbezieht und gerecht verteilt? In Berlin treffen sich vom 11. bis 12. Februar 2013 Expertinnen und Experten aus der Zivilgesellschaft bei einem internationalen Workshop, um Vorschläge zu diskutieren und praktische Umsetzungsvorschläge zu erarbeiten.

Einen Perspektiv- und Prioritätenwechsel in der Mainstream-Ökonomie fordern Frauennetzwerke und Ökonominnen weltweit nicht erst seit der Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt & Entwicklung 1992. 20 Jahre später, bei der Rio+20 Konferenz im Juni letzten Jahres, war die Green Economy das favorisierte Konzept westlicher Nationen zur Bewältigung der Wirtschafts-, Umwelt- und Armutskrisen. Die Rolle der immer noch größtenteils von Frauen erledigten unter- oder unbezahlten Sorgearbeit – der Care Economy, die von der Kindererziehung bis zur Pflege von Alten und Kranken reicht – wurde dabei kaum berücksichtigt. Nachhaltiges Wirtschaften ist das Gebot der Stunde und bietet eine herausragende Möglichkeit, „das Ganze der Wirtschaft“ in den Blick zu nehmen, die Green Economy mit der Care Economy zu verbinden.

Die 25 Vertreterinnen zivilgesellschaftlicher Organisationen aus 13 Ländern widmen sich während des zweitägigen Workshops im Bundesumweltministerium – das auch die Finanzierung übernommen hat – unter anderem Fragen der nötigen wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, aber auch der unterschiedlichen Ausgangssituationen und entsprechend unterschiedlichen Konzepten in den verschiedenen Ländern.

Die Ergebnisse des Workshops werden am Abend des 12. Februar (18:00 bis 20:00) bei einer öffentlichen Veranstaltung in der Friedrich Ebert Stiftung in Berlin vorgestellt.

Am 08-02-2013

genanet - Gender, Umwelt, Nachhaltigkeit / LIFE e.V.

Die unbezahlt erbrachten Haushaltsleistungen tragen in erheblichem Umfang zur Wertschöpfung bei. So. beläuft sich der Wert der unbezahlten Sorgearbeit in der Schweiz auf 41% des BIP, ohne sich jedoch darin niederzuschlagen. Die „Care Arbeit“ bleibt weitgehend unbeachtet, obwohl feministische Ökonominnen ein wirtschaftliches Umdenken bereits seit vielen Jahren fordern. Die Green Economy, die mit einer grundlegenden Umgestaltung der Wirtschaft einhergehen muss, könnte eine Möglichkeit sein, Care Arbeit einzubeziehen. Den damit zusammenhängenden Fragen widmete sich der Workshop „Sustainable Economy and Green Growth – Who cares?“, der gestern in Berlin zu Ende ging.

VertreterInnen von Frauenrechts- und Umweltorganisationen aus zwölf verschiedenen Ländern, u.a. Mexico, Uruguay, Großbritannien, USA, Indien und der Türkei, diskutierten zwei Tage lang darüber, wie ein nachhaltiges Wirtschaftsmodell aussehen könnte, das die zumeist von Frauen un- oder unterbezahlt geleistete Care Arbeit einbezieht. „Im Zuge der Wirtschafts- und Umweltkrise hat sich das Arbeitsvolumen für Care stark erhöht, gleichzeitig haben sich die Bedingungen, unter denen diese Arbeit verrichtet wird, verschlechtert. Erhöhte Umweltbelastungen erschweren die Care-Arbeit weiterhin und kreieren ein Care-Defizit“ so Nidhi Tandon vom Networked Intelligence for Development aus Toronto, Kanada.

Die Debatte über die Verbindung von Care und nachhaltigem Wirtschaften steckt noch in den Kinderschuhen und ist geprägt durch ein breites Spektrum an Sichtweisen auf Sorgearbeit, die auf den unterschiedlichen kulturellen, politischen und wirtschaftlichen Gegebenheiten basieren. Ist es den einen wichtig, dass die Arbeit von Frauen vor allem in der Sicherung des Überlebens überhaupt als solche wahrgenommen wird, so lehnen andere das Green Economy Konzept grundsätzlich ab. „Wir waren auch mit dem Konzept der nachhaltigen Entwicklung nicht glücklich, aber immerhin verbindet es die sozialen, ökologischen und ökonomischen Dimensionen – auch wenn hier in der Umsetzung Verbesserungsbedarf besteht. Diese Verbindungen fehlen bei der Green Economy völlig“, erläutert Anita Nayar von Development Alternatives with Women for a New Era, ihre Ablehnung.

Bei allen Differenzen – einig war man sich aber darin, dass Care und Nachhaltigkeit zusammengedacht werden müssen, oder, wie Nidhi Tandon es ausdrückte, „dass unser Care Fußabdruck und unser ökologischer Fußabdruck in Einklang stehen müssen.“

Das könnte sich beispielsweise darin niederschlagen, dass zukünftig alle umweltpolitischen Entscheidungen bezüglich ihrer Auswirkungen auf Care-Arbeit untersucht werden, lautete eine der Forderungen, die zum Abschluss des Workshops formuliert wurden. Finanzielle Mittel zur weiteren Erforschung der politischen und sozialen Ökonomie der Care-Arbeit seien ebenso notwendig wie die Bereitstellung von Strukturen und Räumen für kontinuierliche Diskussionen über die Verbindung zwischen Care und nachhaltigem Wirtschaften. Die Vertreterinnen international tätiger Organisationen versprachen, die Erkenntnisse des Workshops auch auf globaler Ebene in die Diskussion zu den Entwicklungszielen der Vereinten Nationen einzubringen.

„Wir haben mit diesem Workshop Neuland betreten und freuen uns jetzt darauf, die Samen, die wir gemeinsam gesät haben, wachsen zu sehen“, fasst Ulrike Röhr von LIFE e.V. am Ende des Workshop ihre Erwartungen zusammen. Der Enthusiasmus der TeilnehmerInnen bezüglich der weiteren Zusammenarbeit war jedenfalls groß, ein Folgeworkshop im Herbst wird bereits anvisiert.

Finanziert wurde der Workshop vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktor-sicherheit.

Am 14-02-2013

Forstwirtschaft steht für regionale Kreisläufe

Die deutsche Forstwirtschaft ist Teil des Bündnisses „Tag der Regionen“. Kaum eine andere Branche steht dabei so für starke regionale Strukturen wie die Forstwirtschaft. Vor 300 Jahren definierte sie in Obersachsen das Prinzip der Nachhaltigkeit und damit das heutige Leitbild für den klugen Umgang mit Ressourcen.

Die deutsche Forstwirtschaft ist eine wesentliche wirtschaftliche Säule im ländlichen Raum. Der Großteil des hierzulande verarbeiteten Holzes stammt aus heimischen Wäldern, insbesondere aus den Mittelgebirgen. Forstleute und Waldbesitzer stellen jährlich rund 56 Millionen Kubikmeter Holz zur regionalen Be- und Verarbeitung bereit. Je 100 Kubikmeter unbearbeitetem Holz aus dem Wald wird ein Arbeitsplatz im Handwerk, im Holz- und Möbelbau und in verwandten Bereichen gesichert. Insgesamt beschäftigt der Wirtschaftsbereich Forst und Holz einschließlich Papier, Druckerei- und Verlagswesen und dem Energieholzsektor rund 1,2 Millionen Menschen und gehört damit zu den größten Branchen in Deutschland.

Wie kein zweiter Wirtschaftszweig steht die Forstwirtschaft für die Vorteile regionaler Kreisläufe. Die Wirtschaftsräume überschreiten selten einen Radius von 100 Kilometern. Kurze Transportwege sind die Regel. Und auch die ökologische Verträglichkeit zeigt sich stets regional, nämlich im örtlichen Wald. Dank einer verantwortungsvollen, fachgerechten Bewirtschaftung bleibt das Ökosystem Wald intakt. Flora und Fauna bleiben erhalten, Luft und Wasser rein. Und nicht zuletzt sind die Wälder die beliebteste Freizeit- und Erholungsstätte in den meisten Regionen unseres Landes.

Der jährliche Holzzuwachs auf den 11 Millionen Hektar Waldfläche in Deutschland liegt bei ca. 110 Millionen Kubikmeter. Der Holzvorrat beträgt momentan ca. 3,4 Milliarden Kubikmeter. Vor dem Hintergrund ihrer nachhaltigen Wirtschaftsweise feiert die deutsche Forstwirtschaft in diesem Jahr ein wichtiges Jubiläum. Vor genau 300 Jahren entwickelte sich das heute global gültige Prinzip der Nachhaltigkeit aus forstlichen Gedanken heraus.

1713 hatte der sächsische Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz als erster weltweit das Prinzip der forstlichen Nachhaltigkeit in einem Buch beschrieben, der „Sylvicultura oeconomica“. Unter dem Eindruck der Waldzerstörung und Übernutzung der Wälder, die von Carlowitz in seiner obersächsischen Heimatregion – einer europaweit bedeutsamen Montanregion – beobachtet hatte, beschäftigte er sich wissenschaftlich mit der sensiblen Naturressource Wald. Er empfahl eine geregelte Holzentnahme und das kontinuierliche Aufforsten. Im 19. Jahrhundert trugen deutsche Forstexperten das Prinzip der Nachhaltigkeit aus ihren jeweiligen Regionen hinaus in alle Welt. Ende des 20. Jahrhunderts wurde das Leitbild vor allem von lokalen Agenda-Gruppen aus der Forstwirtschaft entlehnt und auf andere Bereiche ausgeweitet. Von Carlowitz darf so gesehen zugleich als Initiator des Slogans: „Think global, act local“ betrachtet werden.

Zum Hintergrund: Der Tag der Regionen wurde von dem 2007 im mittelfränkischen Feuchtwangen gegründeten „Bundesverband der Regionalbewegung“ ins Leben gerufen. Dieser bündelt die Aktivitäten für eine regionale nachhaltige Entwicklung im ganzen Bundesgebiet, vernetzt Akteure und sendet Impulse für eine regionale Wirtschaftsentwicklung aus. Mit dem Tag der Regionen erreicht die Bewegung jährlich rund eine Millionen Menschen, denen sie die Gedanken von Regionalität, regionalen Wirtschaftskreisläufen und Nachhaltigkeit vermittelt. Die Verbraucher sollen überzeugt werden, dass mit dem Kauf regionaler Produkte die Arbeitsplätze vor Ort, sowie damit einhergehend auch die regionale Umwelt und die heimatlichen sozialen und kulturellen Strukturen gestärkt werden. Dabei will man aber keinesfalls eine „Anti-Globalisierungsbewegung“ sein. Zu dem Aktionsbündnis gehören unter anderem große Verbände des Natur- und Umweltschutzes, der Landwirtschaft sowie auch der Deutsche Forstwirtschaftsrat e. V. (DFWR).

Am 08-10-2013

Deutsche Zoos müssen sich bekennen

Nach der umstrittenen Schlachtung von Giraffe Marius vor wenigen Wochen, tötete der Kopenhagener Zoo wie Medien berichten in dieser Woche eine ganze Löwenfamilie. Der Deutsche Tierschutzbund kritisiert diese Bestandsregulierung des dänischen Zoos als ethisch unverantwortlich. Die Begründung der Zooleitung: Die erwachsenen Löwen waren zu alt und die erst zehn Monate alten Jungen könnten nicht alleine zurechtkommen. Man habe den Platz für eine neue Löwengruppe benötigt. Diese Argumentation wirkt geradezu zynisch, da die Elterntiere vor nicht einmal einem Jahr Junge bekommen haben. Zudem stellt sich die Frage, warum die Fortpflanzung der Alttiere zugelassen wurde, wenn der "Generationenwechsel" bereits lange geplant war. Auch innerhalb des deutschen Verbandes der Zoodirektoren gab und gibt es immer wieder Stimmen, die eine Tötung "überzähliger" Tiere fordern.

"Getötet weil alt und nutzlos... dieser Fall zeigt noch deutlicher als das Schicksal von Giraffe 'Marius', was hinter der angeblich heilen Zoofassade steckt. Es geht um Besucher und letztlich darum, was das Tier einbringt. Hat es seinen Zweck erfüllt, wird es abgeschoben oder getötet - das ist die traurige Wahrheit in vielen Zoos", so Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. "Der Verband deutscher Zoodirektoren täte gut daran, sich von dem Verhalten der dänischen Kollegen klar zu distanzieren. Denn das Bild und die Statements, welches die deutschen Zoos nach der Tötung von 'Marius' abgaben, waren nicht überzeugend", so Schröder abschließend.

Zoophilosophie: Eintrittsgelder statt Nachhaltigkeit

Alljährlich werden auch in deutschen Zoos gesunde Tiere getötet. Nach Einschätzung des Deutschen Tierschutzbundes stellt diese Art und Weise der Bestandsregulierung, wie sie seit Jahrzehnten in Tiergehegen und ähnlichen Einrichtungen durchgeführt wird, nicht nur einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz dar, sondern ist auch ethisch unverantwortlich. Viele Zoos züchten nahezu unkontrolliert, obwohl sie nicht ausreichend Platz für den Tiernachwuchs besitzen und nicht klar ist, was später mit diesem geschieht. Diese "überzähligen" Tiere, die zunächst noch durch ihr niedliches Aussehen viele Zuschauer anlocken, werden, sobald sie aus dieser Rolle herausgewachsen sind, häufig getötet, verfüttert oder an dubiose Tierhändler, Zirkusse oder Privatpersonen verkauft. So ist weiteres Leid vorprogrammiert.

Am 26-03-2014