Klimagipfel in Bonn

4.000 Umweltschützer zimmern Rettungsboot für Kyoto

Etliche Bonner schauten interessiert auf das Treiben der Umweltschützer, die am Samstag zu Füßen des Beethoven-Denkmals ein "Rettungsboot für den Klimavertrag" zimmerten. Passanten, die bei ihrem Einkaufsbummel den Münsterplatz querten, wunderten sich zwar über die kreative Ökowerkstatt, realisierten aber schnell den Zusammenhang zum Weltklimagipfel. "Endlich wieder was los", freute sich ein älterer Bonner, als er die bunte Truppe der jungen Leute aus 30 Nationen pinseln und hämmern sah.

Denn bevor sich die 4.000 Demonstranten auf den Weg zum Tagungsgelände machen konnten, musste das 30 Meter lange symbolische Rettungsboot erst noch mit Planken bestückt werden. Die Idee der Veranstalter BUND und Friends of the Earth, jede dieser 2.000 Planken mit einer Forderung oder Kommentar zu beschriften, kam bei den Jugendlichen voll an. "Der Regen ist sauer - wir auch", "Die Erde kann nicht mehr" oder "Die Welt darf nicht absaufen" stand schließlich auf dem einer Arche gleichenden Gefährt zu lesen.

Natürlich ließen die Umweltaktivisten ihr Rettungsboot nicht einfach von einem Traktor ziehen, das hätte viel zu viel Treibhausgase freigesetzt. Vielmehr schoben sie ihr Projekt eigenhändig und ökologisch sauber die fünf Kilometer lange Strecke. Der Protestzug glich am Nachmittag dem Gang der Verhandlungen auf dem Klimagipfel. Mal wurden kleine Fortschritte erreicht, dann geriet der Klimazug wieder ins Stocken. Wegen zahlreicher Pannen und geplatzter Reifen schien es sogar für einen Moment so, als ginge gar nichts mehr.

Zu allem Überfluss mischte sich ein kleiner Trupp von Autonomen mit schwarz-roten Fahnen in den Tross. Das hätte das ganze Projekt gefährden können, schließlich wollte der BUND die Aktion so weit wie möglich in den ansonsten abgesperrten Sicherheitskorridor um das Konferenzhotel bringen. Die Polizei löste daher die Schar der unliebsamen Begleiter schnell wieder auf.

Als das Boot auf dem Platz vor dem Klimagipfel angekommen war, kam sofort Happening-Atmosphäre auf. Niederländische Umweltfreunde heizten die ohnehin gute Stimmung weiter mit Musik an, die aus einem dynamogespeisten Lautsprecher übertragen wurde. Auch hier kam der Strom nicht einfach aus der Steckdose: zwei Aktivisten traten kräftig in die Pedale.

Die Begeisterung für den Klimaschutz schien auch UN-Umweltdirektor Klaus Töpfer anzustecken, der von einem Podium aus die Demonstranten im Namen des Klimagipfels begrüßte. "Mit dieser friedvollen und farbenfrohen Kundgebung geht eine klare Botschaft von Bonn aus", lobte der ehemalige Bundesumweltminister den Demonstrationszug, der sich so eindeutig von den Krawallen und Ausschreitungen auf dem G-8-Gipfel in Genua abhob.

Töpfer erinnerte daran, dass Friends of the Earth bereits im November auf dem Klimagipfel in Den Haag mit einem Deich um das Konferenzgelände eindrucksvoll vor den Folgen des Klimawandels gewarnt hatten. "Jetzt heißt es Daumen drücken", rief Töpfer unter dem tosenden Applaus den Umweltschützern zu, "dass uns endlich in Bonn ein Durchbruch für den Klimaschutz gelingt". Das Rettungsboot sollte bis zum Abschluss der Bonner Verhandlungen als Mahnmal auf dem Tagungsgelände stehen bleiben.

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