Seehundsterben geht weiter

331 tote Tiere an Niedersachsens Küste

Das Staupevirus fordert täglich neue Opfer unter den Seehunden in der Nordsee. Seit Mitte Juli ist die Zahl der Todfunde an der niedersächsischen Küste auf 331 gestiegen, wie die Sprecherin der Bezirksregierung Weser-Ems, Herma Heyken sagte. Das Seehundsterben sei deutlich größer als in den Vorjahren. Dennoch gebe es berechtigte Hoffnungen, dass die Staupeseuche nicht das Ausmaß von 1988 erreicht. Damals war die Population der Tiere in Nord- und Ostsee nahezu halbiert worden.

Auch nach Einschätzung des Leiters der Seehundaufzuchtstation im ostfriesischen Norddeich, Peter Lienau, hat die Staupeseuche noch keinen epidemischen Charakter. Das Virus setze sich jedoch durch. Mit der nächsten größeren Flut wird sich zeigen, ob es akut werde, sagte Lienau. Genaue Aussagen über das Ausmaß könnten voraussichtlich Anfang September getroffen werden.

Trotz des grassierenden Krankheitserregers hat die Seehund-Population im niedersächsischen Wattenmeer bislang nicht dramatisch gelitten. Bei routinemäßigen Kontrollflügen waren nach Angaben der Bezirksregierung 6481 Tiere gezählt worden. Darunter befanden sich auch 1334 Jungtiere. Der Vorjahresbestand wurde damit um 258 Tiere übertroffen. Seit Beginn der koordinierten Zählungen im Jahre 1958 gab es noch nie so viele Seehunde an der niedersächsischen Küste.

Als Ursache des massenhaften Seehundsterbens gilt das "Phocine Distemper Virus" (PDV), das dem Staupevirus bei Hunden ähnelt. Der Erreger schwächt das Immunsystem der infizierten Tiere. Sekundärerkrankungen wie Parasitenbefall führen schließlich zum Tod.

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