Unterstützung von Tierschützern

Hessen beantragt Verbot von Wildtieren im Zirkus

Zirkusbesucher müssen vielleicht künftig auf Darbietungen von Affen, Elefanten und Großbären verzichten. Der Bundesrat verwies gab am Freitag in Berlin einen Entschließungsantrag des Landes Hessen zur Beratung in die Ausschüsse, wonach das Halten dieser wildlebenden Tierarten in Zirkusbetrieben verboten werden soll. Eine Übergangszeit für vorhandene Tiere ist vorgesehen. Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) sagte, bei Affen, Elefanten und Großbären seien die Haltungsprobleme offensichtlich. Unterstützung erhielt er von der Tierschutzorganisation Vier Pfoten. Die Bundesratsinitiative sei ein erster wichtiger Schritt, um die tierquälerische Wildtierhaltung langfristig zu beenden. "Jedoch nur ein grundsätzliches Haltungsverbot von allen Wildtieren im Zirkus löst die mit der Haltung verbundenen Probleme", sagt Vier Pfoten-Wildtier-Kampaigner Robert Kleß.

In der Antragsbegründung heißt es, Wildtiere seien nicht zähmbar und stellten häufig besonders hohe Ansprüche an ihre Unterbringung, Ernährung, Pflege sowie an die Sachkunde des Halters. Bei einigen Tierarten könnten diese Ansprüche in einem reisenden Zirkus nicht erfüllt werden, da sie einen Großteil ihres Lebens in engen Transportwagen verbrächten.

Dabei verfügten die wenigsten Zirkusbetriebe über geeignete, beheizbare Winterquartiere und seien zudem oft nicht in der Lage, die finanziellen Mittel für erforderliche Anschaffungen, Unterhalts- und Tierarztkosten aufzubringen. Als Folge der nicht immer artgerechten Haltung zeigten diese Tiere oft Verhaltungsstörungen, seien von Erkrankungen oder sogar Todesfällen bedroht. Darüber hinaus sei die zentrale Erfassung aller Wanderzirkusse erforderlich, um eine wirkungsvolle, länderübergreifende Überwachung zu garantieren.

Die Vorgaben für die Haltung von Tieren im Zirkus sind bisher in sogenannten Leitlinien beschrieben. Diese Leitlinien sind nach Ansicht von Vier Pfoten bei weitem nicht ausreichend und gewährleisteten keine artgemäße Haltung der Wildtiere. Aber selbst diese Minimalanforderungen würden in der Praxis häufig nicht eingehalten.

Auch die zuständigen Amtsveterinäre seien mit der fachlichen Beurteilung des Gesundheitszustandes der exotischen Tiere oft überfordert. Selbst wenn Defizite und Missstände aufgedeckt würden, seien ihnen und den Behörden häufig die Hände gebunden. Einerseits fehle vielen Zirkussen das Geld und die Kapazitäten, nachhaltige Verbesserungen für die Haltung der Tiere umzusetzen. Andererseits könnten die Behörden die Tiere nicht beschlagnahmen, weil keine geeigneten alternativen Unterbringungsmöglichkeiten vorhanden seien.

Vier Pfoten forderte, Neu- und Ersatzbeschaffungen von Wildtieren müssten sofort verboten werden. Ebenso müsse schnellstmöglich ein Bundeszentralregister zur besseren Kontrolle und Transparenz der Tierhaltung im Zirkus eingerichtet werden.

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