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Ärzte kritisieren schlechten Zugang armer Länder zu Medikamenten

Weltgesundheitsorganisation soll mehr tun

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen wirft der Führung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vor, sich nicht genug für eine Verbesserung des Zugangs zu erschwinglichen Medikamenten in ärmeren Ländern einzusetzen. die Organisation zeigte sich "bestürzt" darüber, dass die Leitung der WHO ihre speziell eingerichteten Kapazitäten innerhalb des Hauses nicht ausgebaut habe, um den Zugang zu bezahlbaren Medikamenten zu erweitern, sagte Rowan Gillies, Internationaler Präsident von Ärzte ohne Grenzen, in Genf.

Im Jahr 2001 entwickelte die WHO das so genannte "Prequalification Project", um eine verlässliche internationale Referenz für die Beschaffung von lebensnotwendigen Medikamenten bereitzustellen. Das Programm bewertet unter anderem Produktdossiers, die wichtige Daten über Sicherheit, Qualität und Wirksamkeit von Medikamenten enthalten. Es ist nicht als Ersatz für nationale Zulassungsbehörden gedacht, soll aber ärmeren Ländern aushelfen, die nur begrenzte Möglichkeiten haben, die Qualität von Arzneimitteln selbst zu überprüfen.

Da mehr als die Hälfte der derzeit von der WHO präqualifizierten Arzneimittel Nachahmermedikamente (Generika) seien, habe das Projekt zunächst den Zugang zu erschwinglichen Medikamenten, vor allem aber zu HIV/Aids-Medikamenten, dramatisch verbessert, berichtet Ärzte ohne Grenzen. "Sollte der WHO-Generaldirektor die Kapazitäten dieses entscheidenden Programmes jedoch nicht ausweiten, riskiert er, dass das Projekt eher eine Barriere denn ein Werkzeug für den Zugang zu Medikamenten ist", sagte Ärzte-Präsident Gillies.

Die Weltgesundheitsversammlung beauftragte den WHO-Generaldirektor Lee Jong-Wook im Jahr 2004, Maßnahmen zu ergreifen, um den Zugang ärmerer Länder zu Produkten für die Diagnose und Behandlung von HIV/Aids zu verbessern. Demnach sollte auch das "Prequalification Project" gestärkt werden. Doch nach einem Jahr, mit nur 3,5 Stellen und einer geringen Zahl externer Berater sei das Projekt "weiter viel zu gering ausgestattet". Zudem habe es seit 2004 keinen Zuwachs in der Finanzierung gegeben, kritisierte Ärzte ohne Grenzen anlässlich der Weltgesundheitsversammlung.

Aus der kürzlich vom Globalen Fonds zur Bekämpfung von HIV/Aids, Tuberkulose und Malaria getroffenen Entscheidung, nur Medikamente zu finanzieren, die entweder von der WHO oder einer international anerkannten Arzneimittelgenehmigungsbehörde genehmigt wurden, entstehe ein noch stärkerer Druck, das WHO-Projekt auszuweiten. Dies sei besonders wichtig, da alle außer den am wenigsten entwickelten Ländern Patente auf Arzneimittel vergeben könnten, sagte Ellen 't Hoen von Ärzte ohne Grenzen. Daher seien dringend internationale Mechanismen nötig, um den zu erwartenden Preisanstieg bei neu entwickelten Medikamenten abzumildern.

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