Fisch-Piraterie
Geschäft mit der illegalen Fischerei bringt eine Milliarde Euro pro Jahr
"Das korrupte System der Billigflaggen muss zerschlagen werden", fordert WWF-Fischereireferentin Stefanie Schmidt. Zahlreiche Länder - darunter auch solche, die gar keine eigene Küste haben - vergeben für geringe Gebühren Lizenzen an große Fischtrawler und verzichten meist auf die notwendigen Kontrollen. Die großen Fangschiffe segeln bevorzugt unter dem Banner von Belize, Honduras, Panama, St. Vincent oder Grenada.
Diese kriminelle Praxis ist nach Angaben des UN-Ernährungsprogramms bei einigen der wichtigsten Fischbestände für 30 Prozent des Fangs verantwortlich. Der ungewollte Beifang bei der Fisch-Piraterie gefährdet zudem auch Meeresschildkröten, Albatrosse, Haie und zahlreiche weitere Arten.
Der WWF hofft nun, dass die Generalversammlung der Vereinten Nationen einen Antrag zur nachhaltigen Fischerei auf den Weltmeeren befürwortet, der auch die Bekämpfung des illegalen und unkontrollierten Fischfangs und des Systems der Billigflaggen zum Ziel hat. "Illegale, ungemeldete und unregulierte Fischerei ist eine Plage für die Ozeane auf der Südhalbkugel", sagte der australische Fischereiminister Ian Macdonald. "Während verantwortungsvolle Nationen die Kosten einer nachhaltigen Fischerei tragen, fahren Billigflaggen-Länder und illegale Fangflotten die Ernte ein. Ohne Skrupel unterwandern sie die internationalen Regeln für den Naturschutz und ein nachhaltiges Management der Meeresressourcen."
Der Report brandmarkt auch die Menschrechtsverletzungen der kriminellen Fischindustrie. Dazu zählen Zwangsarbeit, Missbrauch, Hunger und die Aussetzung von Besatzungsmitgliedern in fremden Häfen. Häufig werde die Crew nicht entlohnt. Immer wieder würden verdächtige Zwischenfälle beobachtet. So sei es jüngst im Hafen von Montevideo unter ungeklärten Umständen zu einem Schusswechsel an Bord eines Fischtrawlers gekommen, bei dem elf chinesische Besatzungsmitglieder getötet wurden.
Häufig stammen die Besitzer oder Betreiber der Billigflaggen-Schiffe aus der EU, vorzugsweise aus Spanien und von den Kanaren. Dies zeigen Daten des Schiffsversicherers Lloyd. Der australische Fischereiminister Macdonald kündigte an, sein Land wolle die internationale Gemeinschaft zu einem gemeinsamen Vorgehen gegen die bislang unterschätzte Plünderung der Weltmeere bewegen.
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Am 02. Nov. 2005 unter:
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