"Irgendwelche Praxisgebühren eintreiben"

Ärzte in Baden-Württemberg schließen aus Protest ihre Praxen

Mit der Schließung ihrer Praxen protestierten am Mittwoch niedergelassene Ärzte in Baden-Württemberg gegen schlechte Arbeitsbedingungen. "Wir niedergelassenen Ärzte bekommen 20 Prozent unserer Leistungen nicht bezahlt und arbeiten ohne feste Vergütung. Zudem ersticken unsere Praxen in Bürokratie", kritisierte der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft MEDI Dr. Werner Baumgärtner die Proteste.

"Unsere Proteste werden sich gegen die Rahmenbedingungen richten, die die Politik uns vorgibt", sagte Baumgärtner. "Wir wollen wieder mehr Zeit für unsere Patienten haben, statt über sinnlosen Formularen zu sitzen oder irgendwelche Praxisgebühren für Krankenkassen einzutreiben. Wir wollen unseren Patienten weiterhin eine wohnortnahe und fachübergreifende ärztliche Versorgung bieten und eine feste Vergütung unserer Arbeit in Euro."

"Wir wollen weniger staatliche Gängelung und sind dagegen, dass sich Politiker und Krankenkassen ständig in unsere Therapiefreiheit einmischen", so Baumgärtner weiter. "Und wir akzeptieren die elektronische Gesundheitskarte nur dann, wenn die offenen Haftungsfragen für falsche Daten geklärt sind und die Datensicherheit auch tatsächlich gewährleistet ist."

Die Organisation beklagt sich auch über einen zunehmenden Ärztemangel. Viele Kollegen fänden keine Nachfolger für ihre Praxen. Den Patienten wird in einem Infoblatt erläutert, dass die Wartezeiten länger würden, "weil die Krankenkassen wegen der Budgetierung nicht genügend Geld für die medizinische Behandlung zur Verfügung stellen".

Gesetzgeber und viele Krankenkassen würden den Ärzten immer mehr Bürokratie aufzwingen. Das bedeute: "Formulare ausfüllen statt Patienten zu behandeln." Statt einer individuellen Behandlung bekämen viele Ärzte "immer mehr staatliche Vorgaben verpasst, wie wir unsere Patienten zu behandeln haben".

Das Fazit der Ärzte lautet: "Die wohnortnahe und fachübergreifende medizinische Versorgung wird zugrunde gerichtet. Wir werden zu Erfüllungsgehilfen von Politik und Krankenkassen degradiert." Immer mehr Behandlungsdaten verließen die Praxen. Dadurch entstünden "immer mehr Datenfriedhöfe" und das Arzt-Patientenverhältnis werde ausgehöhlt. "Wir Ärzte wollen aber, dass unsere Patienten eine wohnortnahe medizinische Versorgung bekommen und dass wir wieder Ärzte sein können – und nicht Erfüllungsgehilfen des Staates und der Krankenkassen zur Kostendämpfung."

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