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Internationale Energie-Agentur fordert Atomkraftwerke wegen Klimaschutz

"Absurde Strategie"

Vor Beginn der Weltklimakonferenz in Nairobi warb die Internationale Energie-Agentur (IEA) in Paris für den Bau neuer Atomkraftwerke in aller Welt. Ohne Atomstrom und neue Kernkraftwerke sei das Problem der Erderwärmung nicht in den Griff zu bekommen. Überdies sei ohne Nukleartechnik die weltweite Energieversorgung nicht sicher genug, heißt es in dem Papier der Agentur, einer Dachorganisation der westlichen Industrieländer. Diese Position der IEA stieß in Deutschland auf herbe Kritik. Atomstrom bewirke in der Klimapolitik praktisch nichts, sagte Bundesumweltminister Siegmar Gabriel am Sonntag im Deutschlandfunk. "Auch wenn man unsinnige Aussagen beständig wiederholt und dafür einflussreiche Organisationen einspannt, bleiben sie nichts anderes als Unsinn", kommentierte die Vorsitzende der atomkritischen Ärzteorganisation IPPNW, Angelika Claußen.

Gabriel sagte, Kernkraftwerke erzeugten Strom aber keine Wärme. Dies führe dazu, dass in der Umgebung eines Atomkraftwerks viele Wärmekraftwerke benötigt würden, die alle Kohlendioxid ausstießen. "Die sinnvolle Alternative sind Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen, so Gabriel. Diese produzierten Strom und Wärme mit einem Wirkungsgrad um die 90 Prozent und erzeugten im Ergebnis weniger Kohlendioxid als Kernkraftwerke plus Wärmekraftwerke.

Die Wahl zwischen den Gefahren der Radioaktivität und denen von Kohlendioxid sei für ihn eine Wahl zwischen Cholera und Pest. Intelligente Politik bestehe nicht darin, zwischen zwei Übeln zu wählen. Wenn man auf mehr Energieeffizienz, auf erneuerbare Energien, aber auch auf moderne Kohletechnologien setze, seien weder eine Stromlücke zu befürchten, noch Probleme mit Kohlendioxid.

IPPNW: Wie will die Atomindustrie 1000 neue Atomkraftwerke bauen?

Die IPPNW-Vorsitzende sagte, dass es weltweit rund 440 Atomkraftwerke gebe. "Um nur 10 Prozent der fossilen Energie zu ersetzen, müssten größenordnungsmäßig 1000 zusätzliche Atomkraftwerke errichtet werden, vom Ersatz der bestehenden Anlagen abgesehen. Das ist absolut unrealistisch. Und selbst wenn es gelänge, hätte man allenfalls 10 Prozent des Kohlendioxid-Problems vom Tisch", so Claußen.

Nach Darstellung der IPPNW gibt es für den Neubau von 1000 Atomkraftwerken "überhaupt nicht die industriellen Fertigungskapazitäten". Der Bau dieser Großanlagen würde mehrere Jahrzehnte dauern. Selbst in ihrem besten Jahr 1985 habe die Atomindustrie lediglich 34 Gigawatt, entsprechend 26 großen Atomkraftwerken, neu in Betrieb nehmen können. "Seitdem sind die Fertigungskapazitäten für neue Atomkraftwerke deutlich gesunken", so Claußen. "Der Zubau von 1000 neuen Atomkraftwerken würde also größenordnungsmäßig 40 Jahre Zeit beanspruchen." In Westeuropa sei derzeit gerade mal ein neues Atomkraftwerk in Finnland in Bau. "Und dort kommt es wegen des Pfuschs am Bau wie üblich zu nicht eingeplanten Verzögerungen."

Auch wegen der knappen Uranvorräte hält die IPPNW die weitere Nutzung der Atomenergie für den falschen Weg. "Bei einem forcierten Zubau von Atomkraftwerken wären die wirtschaftlich erschließbaren Uranvorräte aufgebraucht, noch ehe auch nur ein nennenswerter Teil der neuen Atomanlagen errichtet wäre", so Claußen und fragt: "Will die Internationale Energie-Agentur eine derart absurde Strategie tatsächlich empfehlen?"

Hinzu komme, dass zunehmend Kriege um die knappen Energie-Rohstoffe geführt würden, so Claußen. Schon jetzt streite man sich in Afrika und im Mittleren Osten mit China und anderen Ländern um den Zugriff auf die begehrten Erdöl und die Gasvorräte.

Für die deutsche Bundeswehr sei mit dem neuen "Weißbuch" die Sicherung von Energierohstoffen offiziell als neue Aufgabe definiert worden. "Wenn der Uranbedarf aufgrund eines Zubaus von Atomkraftwerken sogar noch steigt, dann ist es nicht ausgeschlossen, dass schon in wenigen Jahren Kriege zum Beispiel in Kasachstan, im Niger oder in Namibia um die dortigen Uranvorräte geführt werden."

Ein Ausbau der Atomenergie ist nach Auffassung der internationalen Ärzteorganisation für die Verhütung des Atomkrieges auch deswegen nicht zu verantworten, weil dann zwangsläufig noch mehr Atomwaffenländer entstehen würden. Auch sei der Vorstoß der IEA wegen des weltweit ungelösten Atommüll-Problems "völlig unverständlich".

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