"Truppen raus aus Afghanistan"
Friedensbewegung bezeichnet neues Afghanistan-Konzept als Mogelpackung
Kritik üben Braun und Strutynski auch an der Aussage im Afghanistan-Konzept der Bundesregierung, der "internationale Terrorismus" dürfe Afghanistan nicht wieder als Ruhe-, Rückzugs- und Regenerationsraum nutzen können. "Insofern dient unser Afghanistan-Engagement unmittelbar deutschen Interessen." Die Kritiker des Afghanistan-Krieges halten diese Sichtweise für völlig verkehrt: "Afghanistan war weder vor dem 11.09.2001 ein solcher Rückzugsraum (kein einziger Attentäter kam damals aus Afghanistan), noch befindet sich dort heute das Zentrum des internationalen Terrorismus." In viel größerer Anzahl würden sich Terroristen ("oder was man dafür hält") in Irak, in Pakistan, in Somalia,in Algerien, auf den Philippinen und selbstverständlich in den ausgemachten "Schurkenstaaten" wie Iran oder Sudan tummeln.
In Afghanistan seien viele Probleme erst durch den US-geführten Krieg unter Beteiligung der Bundeswehr verschärft worden. "Die Bundesregierung verschließt auch die Augen davor, dass die Karsai-Regierung keinen Rückhalt in der Bevölkerung hat", so Braun und Strutynski. Das Land werde beherrscht von den Taliban, regionalen Warlords, Drogenbaronen und lokalen Stammesführern. Sie verweisen auf eine UN-Studie, wonach in Afghanistan 2006 - also nach 5 Jahren "Demilitarisierung" - zwischen 1200 und 2200 illegale bewaffnete Gruppen mit insgesamt 120.000 bis 200.000 Bewaffneten und mehr als 3,5 Millionen leichten Waffen existierten.
Die Karsai-Regierung schätze Zahl der illegalen bewaffneten Gruppen sogar noch wesentlich höher. "Kein Wort davon in dem neuen Konzept der Bundesregierung, obwohl solche und andere ungeschminkte Angaben kürzlich in einer Studie des wichtigsten Think Tanks des Außenministeriums, dem Institut 'Stiftung Wissenschaft und Politik' (SWP) veröffentlicht wurden", monieren die Kriegsgegner. "Darin wird auch darauf hingewiesen, dass etwa das afghanische Parlament zu etwa einem Drittel mit Abgeordneten besetzt ist, die solche illegalen bewaffneten Banden befehligen oder mit ihnen zusammenarbeiten." Die Bundesregierung aber lobe dasselbe Parlament in höchsten Tönen: "Das Parlament wird zunehmend zu einem Forum für politische Debatten."
Der Studie "Gescheiterte Demilitarisierung" der regierungsnahen Stiftung Wissenschaft und Politik zufolge sei nicht nur die angestrebte Entwaffnung der Milizen gescheitert, sondern der ganze militärisch gestützte Afghanistan-Einsatz.
Auch die "Aufbau"-Bilanz der Bundesregierung gleiche einem Potemkinschen Dorf. Die wenigen Zahlen, die etwa zum Bildungs- und Gesundheitssystem genannt würden, seien "rein fiktiv und nicht belegt".
Auch der Entwicklungsbericht der Vereinten Nationen zeichne ein gänzlich anderes Bild als die deutsche Bundesregierung. Beispielsweise sei die Arbeitslosigkeit in Afghanistan auch deswegen unbeschreiblich hoch, weil die Ökonomie heute fast ausschließlich auf die Opiumproduktion konzentriert sei, was wiederum eine "Nebenwirkung" von Krieg und Besatzung sei. Bauern, die in der Schlafmohnproduktion arbeiteten, könnten aber bestenfalls ihre Lebenshaltungskosten decken, während die Warlords und Drogenhändler Millionen machten.
Braun und Strutynski verweisen des weiteren "Berichte von Insidern", wonach der gesamte Regierungsapparat Karsais und seine eigene Familie zutiefst in die Drogengeschäfte verstrickt" sei. Das Karsai-Regime wurde von den USA únd ihren Verbündeten installiert.
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Am 10. Sep. 2008 unter:
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