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Joachim Gauck - vom evangelischen Pastor zum Bundespräsidenten

Politik - Wahl des höchsten deutschen Amtes

nach Christian Wulff haben wir nun in wenigen Jahren den 3. Bundespräsidenten - Joachim Gauck! Nach Wahlen, die keine waren, wurde nun das höchste deutsche Amt neu besetzt. Wenig überraschend und eine logische Konsequenz der Ereignisse der letzten Zeit. Auch wenn erstaunlich viele Abgeordnete ihr Recht auf Enthaltung gebrauchten. Ist das der Auftrag unserer Volksvertreter? In einer personellen Frage, die das angeschlagene Image Deutschlands in weiteren Misskredit bringen kann, - auch wenn es hierzu auch andere Stimmen gibt - einfach den Mund zu halten? Oder zeigt es vor allem die allgemeine Gleichgültigkeit gegenüber einer lahmen politischen Inszenierung, die vom ersten Tag an völlig substanzlos war? Vom Wulff im Schafspelz zu einer Entscheidung zwischen Gauck und Böse.

Es ist geschafft! Joachim Gauck ist neuer Bundespräsident. Nachdem seine Ernennung seit inzwischen Monaten durch die nicht enden wollende Wulff-Affäre eingeleitet und von der einzigen Partei, die nicht für Gauck stimmt (die Linke), eine inadäquate Kandidatin gestellt wurde, wird die ermüdende Offensichtlichkeit durch die Medien noch schön aufgebauscht.

Es ist auch wenig überraschend, dass Gaucks Bücher seit seiner Nominierung echte Megaseller sind. Damit folgt der einstige Freiheitsaktivist aus der ehemaligen DDR nicht nur den Fußstapfen der Kanzlerin, sondern auch dem Paradigma des Kapitalismus. Aus jeder Situation das Maximum an Gewinn herausziehen. Immerhin wird Gauck durch die horrenden Tantiemen für seine Bücher nicht auf vermeintlich verwerfliche und kompromitierende Zuwendungen aus der Industrie zurück greifen müssen. Ob er aus diesen Gründen integer bleiben und der Verführung amtsimmanenter Privilegien verzichten wird, bleibt abzuwarten.

Letztlich werden solche Belege der Korruption, die in der politischen Landschaft Gang und Gebe sind, ohnehin erst aufgedeckt, wenn das jemandem aus der amtierenden oder für die Zukunft bestimmten Regierung nutzt. Solange die Regierungsclique sorgsam ihre gemeinsamen Leichen im Keller hütet, bleiben auch mehr oder weniger delikate Details in sicherem Gewahrsam. Die Joker werden erst ausgespielt, wenn das übrige Blatt nichts mehr hergibt.

Mit Gauck aber hat die aktuelle Politik eine deutlichere Aussage gemacht, als vielen bewusst sein mag. Er repräsentiert ein entschiedenes Vielleicht. Ein Mann der konservativen Mitte, parteilos und ohne klar konturiertes Profil. Er zeigt sehr deutlich die Profillosigkeit der aktuellen Politikvertreter, aber auch die Absurdität des Amtes, das er bekleidet. Der Prototyp eine Strohmannes, einer Marionette an den Fäden der Großindustrie und der Finanzwelt.

Gauck wurde klar ausgewählt, weil von ihm weder Forderungen nach Reformen noch lästige Kritik zu erwarten sind. Ein Mann, der durch und durch das Bewährte verkörpert - eine Welt, die sich nicht ändern braucht.

Sein Buch "Freiheit" betont den Wert der Freiheit von Menschen, die diese Freiheit, wie er selbst, vor der Wende nicht hatten. Für jemanden, der sich in den Kreisen hochrangiger Politikvertreter bewegt, ist Freiheit nicht mehr als ein Konsumgut. Die Freiheit, die Privilegien seiner Position in vollen Zügen zu genießen. Hier geht es nicht um Bildungsfreiheit oder gar soziale Freiheit. Ein Mann wie Gauck steht, wenn überhaupt, für die Freiheit der Überprivilegierten. Und wenn für diese Freiheit die Rechte anderer beschnitten, oder politische Gegner, wie die Parteimitglieder der Linken, bespitzelt werden müssen, sind das Maßnahmen, die nur recht und billig erscheinen.

Die Frage all dieser Entwicklungen aber ist, wie viel sich die Bürger noch gefallen lassen müssen. Zumindest die, die noch die Geistesgegenwart haben, sich zu empören. Den Rest interessiert es nicht. Vielleicht die dankbarere Position.

Oliver Rückemann

Seit mehr als 11 Jahren freier Berater - Autor des Buches "Ökolution 4.0 - Wirtschaftliche und gesellschaftliche Imperative in Zeiten ökologischer und ökonomischer Krisen"

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