ADAC sieht Trend zum Besseren aber Mängel bei den Mannschaften

Mittelmeerfähren im Test

Auf den Fähren im Mittelmeer gibt es noch immer gravierende Sicherheitsmängel. Zwar schneiden die Schiffe im neuen ADAC-Test zumeist besser ab als in den vergangenen Jahren. Sorgen macht den Testern jedoch der zum Teil miserable Ausbildungsstand der Mannschaften. Die Ergebnisse seien "teilweise verheerend", klagte ADAC-Projektleiter Robert Sauter am Mittwoch. Im Unglücksfall wüssten die Seeleute oft nicht, was zu tun sei.

"Im Extremfall dauerte es bei Übungen mit ADAC-Testern in Griechenland bis zu 30 Minuten, ehe eine Rettungsboot zu Wasser gelassen werden konnte oder 20 Minuten, bis eine Feuerlösch-Pumpe genug Druck aufgebaut hatte", schilderte Sauter das Ergebnis einer Notfallübung auf dem Schiff "Aptera". Bemängelt wurde zudem, dass Passagiere nicht ausreichend über Sicherheitsvorkehrungen informiert würden. Dazu komme "Leichtsinn und Ahnungslosigkeit": Rettungsinseln würden festgebunden, so dass sie im Notfall mit dem Schiff untergingen, Brandschutztüren würden mit Balken offen gehalten. Auf dem Schiff "Ciudad de Salamanca" fanden die Tester sogar Löcher in den Rettungsbooten.

Nach den Worten von Kapitän und Fähren-Tester Jens Peter Hoffmann gefährden auch die Passagiere selbst zuweilen ihre eigene Sicherheit. So würden Notlichter von Schwimmwesten "als Souvenir gestohlen". Auf manchen Schiffen würden die Westen daher weggeschlossen - mit schlimmen Folgen im Notfall.

Insgesamt habe der Test, bei dem 22 Fähren untersucht wurden, aber ein "positives Ergebnis" gebracht, sagte ADAC-Vizepräsident Max Stich. "Man merkt: Die Reeder haben etwas getan", lobte er die Entwicklung. Allerdings lägen zwischen den Schiffen "Welten". Sauter hob hervor: "Keines der geprüften Schiffe ist durchgefallen."