Mütter mit Job leben gesund

Frauengesundheitsbericht

Die Verbindung von Beruf und Familie wirkt sich offenbar positiv auf die Gesundheit von Frauen aus. Berufstätige Mütter hätten ein gesteigertes Selbstwertgefühl und Wohlbefinden, sagte Bundesfamilien- und Frauenministerin Christine Bergmann (SPD) am Dienstag in Berlin bei der Vorstellung des ersten Frauengesundheitsberichtes der Bundesregierung. Häusliche Gewalt und Misshandlungen seien häufig unerkannte Ursachen für Gesundheitsprobleme von Frauen. 19.000 Frauen sterben jährlich an Brustkrebs. Die Studie beleuchtet erstmals die gesundheitliche Situation von Frauen in Deutschland.

Die Koppelung von Job und Familie ist Bergmanns zufolge inzwischen für das Gros der Frauen in Deutschland zur Normalität geworden. In den alten Ländern sind dem Bericht zufolge 56 Prozent, in den neuen sogar 74 Prozent der verheirateten Mütter mit Kindern unter 18 Jahren berufstätig. Dagegen litten Frauen, die zwangsweise aus der Arbeitswelt ausscheiden, oft stark unter diesem Zustand. Dies habe nicht selten negativen Einfluss auf deren Gesundheit, sagte die Ministerin.

"Frauen und Männer unterscheiden sich in ihren Krankheiten und Krankheitsursachen deutlich", resümierte Bergmann. Der 1996 vom Bundesfrauenministerium in Auftrag gegebene Bericht solle zu einer Neuorientierung im Gesundheitswesen beitragen, die geschlechtsspezifische Unterschiede mehr als bisher berücksichtige.

Frauen leiden demnach wesentlich häufiger als Männer unter Essstörungen und unauffälliger, so genannter "stiller" Medikamentensucht. Sie nehmen häufiger Schmerz-, Beruhigungsmittel und Antidepressiva.

Andererseits leben sie durchschnittlich sechs Jahre länger und achteten tendenziell mehr auf ihre Gesundheit als Männer: Sie trinken und rauchen weniger. Allerdings griffen in den vergangenen Jahren auch immer mehr speziell junge Frauen nach der Zigarette.

Brustkrebs ist dem Bericht zufolge mit 26,4 Prozent noch immer die häufigste Krebserkrankung und mit knapp 18 Prozent die häufigste Krebs-Todesursache von Frauen. Jährlich erkrankten daran knapp 46.000 Patientinnen, fast 19.000 sterben. Bergmann beklagte, dass Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Frauen oft zu wenig beachtet werden. Immerhin stirbt daran den Angaben zufolge über die Hälfte der Frauen. "Herzinfarkt wird bei Frauen oft gar nicht identifiziert", sagte Bergmann.

Die Lebensplanung junger Frauen hat sich dem Bericht zufolge in den vergangenen Jahrzehnten drastisch gewandelt: Immer weniger Frauen werden Mütter, und sie bekommen ihre Kinder immer später. Die Geburtenziffern sind seit 1960 stark gesunken. Sie lagen den Angaben zufolge 1999 bei 9,9 in Westdeutschland und in Ostdeutschland bei sieben je 1.000 Personen. Daneben steige bei den Frauen die Zahl der kinderlosen Singles. Ein Drittel der Frauen des Jahrganges 1965 werden der Studie zufolge voraussichtlich kinderlos bleiben.