Emanzipation der Frau: Kristina Schröder, Frauenquote und Gleichberechtigung

Was Kristina Schröder sich nicht zu denken traut

Frauenquote und die Emanzipation der Frau. Das Streben nach Freiheit und einem Leben ohne Unterdrückung dürfte so alt sein, wie die Menschheit selbst. Und dieses Streben war niemals nur reine Männersache, nicht nur Befreiungskämpfe gegen unterdrückende Herrscher, nicht nur Spartacus, Wilhelm Tell oder Robin Hood, sondern auch schon immer die Emanzipation der Frau gegen ein Patriarchat. Schaut man sich die feministische Geschichtsforschung an, entdeckt man vielfältige Beispiele für nicht patriarchalische Strukturen, die egalitäre Organisationsstrukturen entwickelt hatten (vgl. Lenz, Ilse; Luig, Ute: Frauenmacht ohne Herrschaft). Auch in der weiter gehenden geschichtlichen Entwicklung stößt man immer wieder auf Beispiele von Widerstand gegen die Herrschaft, Hierarchie und Unterdrückung jeglicher Form sowie die Entwicklung anderer Lebens- und Organisationsformen.

Ein Matriarchat gab es noch nie

Was sich jedoch nie entwickelte, waren Matriarchate, wenn man den Begriff entsprechend dem Patriarchat als „Herrschaft der Frau über den Mann“ übersetzt. Was es gab, waren Gemeinschaften und kleine Gesellschaften des Miteinanders ohne Herrschaft des einen über das andere Geschlecht. Jedoch ist die Zahl der rein patriarchalischen Gesellschaften nicht nur historisch wesentlich höher.

Dies bedeutet, dass es keine biologischen Gründe für Patriarchate geben kann, sondern das es soziologische sein müssen. Die Strukturen müssen patriarchalisch sein innerhalb dieser Herrschaften der Männer über Frauen. Die Männer fühlen sich darin selbstverständlich wohler, aber mehr und mehr Frauen richten sich in diesen Strukturen ein und nennen dies fälschlicherweise Emanzipation. Haben sie Mary Wollmatinger, den syndikalistischen Frauenbund, die Mujeres Libres, Simone Weil oder sogar Janet Biehl vergessen? Die Punkbewegung Riot Grrl müsste zumindest noch bei den Frauen im Gedächtnis sein, die nicht selbst schon in patriarchalischen Strukturen gefangen sind. Nur wenige Männer kennen diese Bewegung.

Grundsatzkritik wird unterbunden

Die Ideale viele Frauen wurden und werden im konkreten Alltag, im Zusammenleben und -arbeiten sowie der Art der politischen Auseinandersetzung durch das Verhalten von Männern aber auch von Frauen enttäuscht. Ein Verhalten, dass genau diesen patriarchalischen Strukturen entspringt. Strukturen, die jede Grundsatzkritik in hierarchische Bahnen zwängen. In diesen (vor allem geistig) beschränkenden Bahnen bewegen sich Frau und Mann. Für Männer sind sie jedoch komfortabler und so spüren sie diese Be- und Einschränkungen, wie auch die unterdrückenden Mechanismen weniger, als Frauen.

Was könnte aber eine Frauenquote daran ändern?

Wahrscheinlich wenig, wenn dann auch nur Frauen aufgrund eines Habitus Karriere machen oder einen Protegé finden, gleich welchen Geschlechts. Die Strukturen bleiben erhalten. Und doch ist die Frauenquote ein wichtiger Schritt zur Überwindung des Patriarchats. Denn zur Zeit besteht nur so eine Chance dass auch Frauen ohne Förderer, sogar ein paar Männer ohne dem entsprechenden Habitus in der politischen, ökonomischen und ökologischen Meinungsbildung auf „hoher Ebene“ mitwirken können. Das Ziel darf keine Gleichberechtigung des Unterdrückens sein, sondern die Auflösung des Patriarchats.

Schluss mit Männerträumen

Jegliche Unterdrückung ist ein Bestandteil und Stützpfeiler dieses Patriarchats. Jede Analyse, die das nicht berücksichtigt, ist falsch und die Unterdrückung der Frau muss auch für Männer als Maßstab gelten, wie unfrei eine Gesellschaft ist. Hier muss immer wieder das private öffentlich gemacht und politisiert werden. Das gilt nicht nur für das weiblich-private, sondern auch für das männliche, denn Frauen müssen das Recht erhalten, ohne Erklärungszwang politische, ökonomische und ökologische Räume für sich zu beanspruchen – an dem Arbeitsplatz, in Vereinen und in Bürgerinitiativen. Männer können dann auf Grund ihrer Unterdrückerstruktur keine Männerträume mehr für sich beanspruchen, die dann aber auch im Gegenzug nicht für Frauen gelten dürfen. Der Traum, irgendwann durch Taktik und Strategie einen Managerposten erlangen zu können, ist ein patriarchalischer. Auch die Benotung und Beurteilung nach Führungsqualitäten in hierarchischen Strukturen in patriarchalisch. Teamarbeit, Unterstützung und Solidarität jedoch sind matriarchalich und niemals eine Herrschaft der Frau über den Mann.

Eine Frauenquote wird dies niemals alleine erreichen können. Aber einen ersten Schritt kann sie bedeuten.

Uwe Koch