Erste Proteste gegen neuen Castor-Transport

Atomkraft

Ein weiterer Atommülltransport aus den Atomkraftwerken Biblis in Hessen und dem baden-württembergischen Phillipsburg wird am Montag in die französische Wiederaufbereitungsanlage La Hague rollen. Nach übereinstimmenden Angaben von Polizei und AtomkraftgegnerInnen sollen die Züge mit jeweils zwei Behältern für abgebrannte Brennelemente im südpfälzischen Wörth am Rhein zusammengekoppelt und dann über den Grenzübergang Lauterbourg zur französischen Wiederaufbereitungsanlage in La Hague gebracht werden. Die Ankunft in La Hague ist für Mittwoch geplant. Der Transport war ursprünglich bereits für letzte Woche vorgesehen.

Ursache für die Verschiebung sei eine massive Überlastung der Polizei aufgrund der seit Ende März wieder rollenden Atomtransporte, erklärte die bundesweite Anti-Atom-Kampagne "X-tausendmal quer". Seit dem Castor-Transport nach Gorleben darf hochradioaktiver Atommüll wieder zu den Plutonium-Fabriken in La Hague und Sellafield gebracht werden. Bei den bisher drei Transporten im April und Mai kam es bundesweit zu Aktionen von AtomkraftgegnerInnen. Jedesmal waren zwischen 5.000 und 10.000 PolizeibeamtInnen zum Schutz der Atomzüge im Einsatz. Polizeigewerkschaften, Innenminister der Länder und Bundesinnenminister Schily streiten derzeit hinter den Kulissen um die so nicht mehr aufrechtzuerhaltende Belastung der Einsatzkräfte. Alleine in diesem Jahr sind mehr als 50 weitere Transporte ins Ausland geplant. Zusätzlich soll im Herbst ein weiterer Castor-Zug nach Gorleben rollen.

Auch der jetzige Transport wird wieder von einem starken Polizeiaufgebot begleitet. Allein in Philippsburg werden mehr als 1.000 Beamte im Einsatz sein, kündigte die baden-württembergische Polizei bereits in der vergangenen Woche an. Zudem sollen zahlreiche Kräfte des Bundesgrenzschutzes die Strecke absichern. Die Einsatzleitungen in Hessen und Rheinland-Pfalz wollten am Sonntag aus "sicherheitstechnischen Gründen" keine Angaben über die Zahl der von ihnen eingesetzten Beamten machen.

"Es ist schlicht ein Skandal, wenn Bundesregierung und Atomwirtschaft unterschrieben wollen, daß dieser europäische Atommülltourismus noch bis 2005 weitergehen soll. Damit würde alleine in La Hague die angelieferte Menge ausreichen, um die Fabrik noch bis 2015 weiterbetreiben zu können, mit verheerenden Auswirkungen für Umwelt und AnwohnerInnen", sagt "X-tausendmal quer"-Sprecher Jochen Stay. Nötig seien ein sofortiges Ende der Wiederaufarbeitung und der Stopp der Atommüllproduktion in der AKWs. "Alles andere ist nicht zu verantworten."

Bereits am heutigen Sonntag gab es friedliche Demonstrationen gegen die Transporte. Protestaktionen soll es in den nächsten Tagen an den AKW-Standorten sowie im deutsch-französischen Grenzgebiet zwischen Wörth und Lauterbourg sowie in Frankreich geplant. Der letzte Atomtransport nach La Hague fand am 15. Mai statt.