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Sasha Waltz präsentiert Tanztheaterstück der Berliner Schaubühne

Berlin

Was es mit dem ominösen Titel "17-25/4" auf sich hat, ist schnell aufgeklärt: Die Zahlen bezeichnen die Fläche im Grundbuch, auf der sich die Berliner Schaubühne befindet. Als die jungen Theatermacher Thomas Ostermeier und Sasha Waltz vor anderthalb Jahren dieses Theater übernahmen, wurden sie nicht müde zu betonen, wie interessant sie den Lehniner Platz fänden - schließlich mussten sie sich damals von Berlin-Mitte verabschieden. Sasha Waltz wollte rund um die Schaubühne auch gleich auf produktive Recherche für ein neues Tanztheaterstück gehen - und nun am Freitagabend gab es die Voraufführung dessen, wozu sie ihre Erkundungen inspiriert haben: "17-25/4" (Dialoge 2001)".

Der erste Eindruck des größtenteils am Boden platzierten Publikums: Der Lehniner Platz, an dem die Schaubühne zwischen Diskothek, Spielothek, Wohnstraßenödnis und einem in warmen Sommernächten besonders PS-stark befahrenen Ku'damm eine Art Insel der Hochkultur darstellt - trotz aller gegenteiliger Beteuerung des Sprechtheaterchefs Ostermeier -, dieser Lehniner Platz ist vor allem laut und chaotisch. Vielleicht spiegeln die ersten Szenen Sasha Waltz' Rechercheerfahrung wider: Es gibt zunächst Bilder einer unüberschaubaren Zusammenhangslosigkeit, eine Vielzahl einzelner Szenen, die scheinbar völlig zufällig nebeneinander stehen, unbegründete Ballungen von Menschen, zufälliges Auseinanderstreben.

Einige der über 25 Darsteller haben Plastikbändchen am Arm wie Neugeborene eine Namensmarkierung: Sie bilden ein Grüppchen, üben Rückenstrecken, Gelenkedehnen, Armrecken, Fingerkraulen, Luftgreifen, Händedrehen: Das ergibt interessante Effekte, doch der Bezug zum Thema wird nicht recht klar. Die Körpersprache ist wesentlich abstrakter als in "Allee der Kosmonauten", "Zweiland" oder "S" - der geringer gewordene Wiedererkennungswert einzelner Szenen schlägt aber nicht unbedingt in einen ästhetischen Mehrwert um.

Nach der Ouvertüre geht das Publikum eine Runde um's Haus. Die Darsteller sprechen zu ihnen vom Schaubühnendach, tanzen auf einem Garagengebäude und dem Gehweg, singen unterm Ahornbaum von der Schaukel, imitieren Fitnessstudiobenutzer. Den Außenraum des Hauses auf spezielle Art zur Erfahrung zu machen, ist zweifellos eine gute Idee: Doch fehlt es den einzelnen Nummern noch an inhaltlicher Kohärenz, dem ganzen Abend an einem Spannungsbogen. Dadurch relativiert sich auch die Wirkung der starken Szenen, die die Produktion durchaus schon vorweisen kann: Etwa wenn die Schaubühne zum Schiff wird und ihre Fenster sich mit Wasser füllen (eine Videoprojektion) - oben ertönt dazu Gesang und Leitern werden in Richtung Himmel erklommen. Oder wenn die gesamte Mannschaft am Ende des Abends auf riskante Weise riesige Leitern emporklettern muss.

Wenn "17-25/4" eine solche Riesenleiter wäre, dann befände sich Sasha Waltz etwa auf der halben Höhe - zum Applaus erschien sie erst gar nicht. Mitte September wird die Schaubühne ihre neue Spielzeit mit der eigentlichen Premiere von "17-25/4" beginnen. Was bis dahin aus der Inszenierung noch werden wird, kann mit Spannung erwartetwerden.

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