Opel-Belegschaft atmet auf: Keine Werksschließungen

Automobilindustrie

Die Pläne für Werksschließungen und betriebsbedingte Kündigungen bei Opel sind offenbar für alle europäischen Standorte vom Tisch. Das Management verzichtet bei der Sanierung des angeschlagenen Autobauers auf "einseitige Entscheidungen", der Betriebsrat sichert im Gegenzug seine Unterstützung bei der "Sanierung" des Konzerns zu. "Notwendige Personalanpassungen" sollen "sozialverträglich gestaltet werden. Auf diese Eckpunkte haben sich am Montag in Rüsselsheim Betriebsrat und Konzernspitze nach gut vier Stunden am Verhandlungstisch geeinigt. Jetzt stehen die eigentlichen Verhandlungen über das harte Sanierungsprogramm "Olympia" an.

Opel-Vorstandschef Carl-Peter Forster sprach angesichts der Einigung von "großen Fortschritten". Konzernbetriebsratschef Klaus Franz berichtete von "Freude" und "Erleichterung" in der Belegschaft. Die "erste Hürde" sei nun genommen, sagte Franz, "Entwarnung" könne aber noch nicht gegeben werden. Die "ernste Ausarbeitung" der Details des Sanierungsprogramms "Olympia" stehe noch bevor, sagte Franz. Die "eigentliche große Herausforderung" sei die nach wie vor offene Frage, wie die Kapazitäten, die das Management in den vergangenen Jahren "aufgeblasen" habe, auf ein "vernünftiges Maß" reduziert werden könnten. Forster hatte als ein Sanierungsziel eine europaweite Kürzung der Kapazitäten um 15 Prozent oder 300.000 bis 350.000 Fahrzeuge pro Jahr genannt. Insgesamt will Forster mit "Olympia" bis Ende 2003 zwei Milliarden Euro (3,9 Milliarden Mark) einsparen, um Opel wieder in die Gewinnzone zu bringen.

Die Arbeitnehmerseite habe "großes Interesse" daran, dass das Unternehmen wieder in die Gewinnzone komme, sagte Franz. Dennoch seien nach den Verhandlungen vom Montag noch nicht alle Probleme ausgeräumt. "Es sind noch einige Dinge im Rohr", sagte Franz und nannte als Beispiel die Frage der Sozialleistungen. Über das Weihnachtsgeld und die übertariflichen Leistungen müsse gesprochen werden, sagte Franz. "Derzeit verdienen die Opel-Mitarbeiter mit bis zu 25 Prozent mehr weit über Tarif."

Einen Termin für den Beginn der "Olympia-Gespräche" nannte Franz nicht. Die Verhandlungen, an deren Ende ein europäischer Rahmenvertrag stehen solle, dürften jetzt nicht unter Zeitdruck geraten. "Wir brauchen Zeit, um vernünftig zu verhandeln."

Die Verhandlungen am Montag galten als entscheidend für die Realisierung des "Olympia"-Pogramms. Als Opel-Chef Forster bei der Vorstellung des Sanierungskonzepts in der vergangenen Woche Werksschließungen und betriebsbedingte Kündigungen nicht ausgeschlossen hatte, war er auf den konzertierten Widerstand der europäischen Betriebsräte gestoßen. Bevor Schließungs- und Kündigungspläne nicht vom Tisch seien, hatten die Arbeitnehmervertreter klargemacht, werde es keine Gespräche über das Sanierungsprogramm geben.