MobilCom hat wieder Überlebensperspektive

Nach Kreditzusagen

Das angeschlagene Mobilfunkunternehmen MobilCom hat nach den Kreditzusagen vom Wochenende wieder eine Überlebensperspektive. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) sagte am Montag in Berlin, MobilCom sei ein "im Kern gesundes Unternehmen", das mit vernünftigem Aufwand auch restrukturiert werden könne. Der Kanzler betonte, die Bereitstellung der Kredite im Umfang von 400 Millionen Euro erfolge "nicht durch die öffentliche Hand", sondern durch Darlehen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und der Schleswig-Holsteinischen Landesbank.

Der Kursverlauf der MobilCom-Aktie, der am Freitag auf knapp über einen Euro gefallen war, glich am Montag einem Raketenstart. Nach Gewinnen von über 250 Prozent am Morgen notierte das Papier am Neuen Markt gegen 15.00 Uhr noch mit gut 185 Prozent im Plus bei 3,20 Euro.

Bundeswirtschaftsminister Werner Müller (parteilos) erläuterte auf einer Pressekonferenz mit Schröder, ein Teil der Kredite diene der Restrukturierung, nach der MobilCom voraussichtlich Mitte nächsten Jahres wieder schwarze Zahlen schreiben werde. Der andere Teil diene der Weiterführung der UMTS-Aktivitäten, zu denen France Télécom verpflichtet sei. Diese Kosten müssten vorgestreckt werden, sie kämen jedoch aufgrund der Verträge mit dem französischen Konzern zurück, versicherte Müller.

Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Michael Rogowski, kritisierte die Hilfsaktion. "Wir müssen uns dazu bekennen, dass wir uns in einer wettbewerbsorientierten Marktwirtschaft befinden", sagte Rogowski in Berlin. "Da gibt es Leben und Sterben." Wer dies nicht akzeptiere, komme nie von dem bestehenden "Subventionswettbewerb" weg. Kritik kam auch vom Präsidenten des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), Dieter Philipp, und dem Präsidenten des Bundes der Steuerzahler, Karl Heinz Däke. Däke sagte, es sei "keine Staatsaufgabe, Fehlentwicklungen in der Privatwirtschaft mit öffentlichen Geldern zu korrigieren".

Unterdessen sagte die Sprecherin von EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti, die Kommission wolle die Hilfe der Bundesregierung prüfen. Die Unterstützung stelle eine staatliche Garantie dar. Die Behörde erwarte daher eine Anmeldung. Wirtschaftsminister Müller sagte, die Kommission irre sich bei ihrer Einschätzung. Es handele sich nicht um eine staatliche Bürgschaft, sondern um ein Bankgeschäft.

Ein KfW-Sprecher erläuterte, die bankmäßige Besicherung des Marktkredits an MobilCom werde nach den üblichen Kriterien geprüft. Die KfW bestehe wie bei jedem Direktkredit zu Marktbedingungen auf einer adäquaten Besicherung. Ohne eine solche werde die KfW den Kredit nicht auszahlen. Müller hatte zuvor betont, der KfW-Kredit über 320 Millionen Euro sei bereits fest zugesagt. Falls sich die Besicherung von MobilCom als nicht tragfähig erweist, ist Beobachtern zufolge eine Bundesgarantie erforderlich. Für die Auszahlung des Sofortkredits an MobilCom über 50 Millionen Euro sei es aber Ziel der KfW, diese noch am Montag vorzunehmen, unterstrich der Sprecher. Die restliche Summe von 270 Millionen werde danach geprüft.

Nach den Worten des MobilCom-Vorstandsvorsitzenden Thorsten Grenz werden die 400 Millionen Euro "bis ins nächste Jahr" reichen. Wie Grenz weiter sagte, würden zum geplanten Ausbau des UMTS-Netzes konkrete Gespräche mit mehreren möglichen Partnern geführt. Er fügte hinzu, dass MobilCom mit France Télécom permanent in Verbindung stehe und die Gespräche zur Übernahme der Schuldenlast "sehr weit" seien. Beim Personalabbau gehe es um einige hundert Arbeitsplätze.

Wie Grenz sagte, werde er dem Aufsichtsrat am Dienstag ein Konzept zur Restrukturierung des defizitären Service-Provider-Geschäfts vorlegen, um sich dieses genehmigen zu lassen. Danach werde die Geschäftsleitung in Gespräche mit dem Betriebsrat über die anstehenden Maßnahmen treten. Alle Geschäftsfelder würden weiter betrieben, sagte Grenz. Die "übergroße Mehrheit" der Arbeitsplätze sei jetzt langfristig gesichert.