Konferenz diskutiert weltweiten Schutzstatus von Wildtieren und Pflanzen

Streit um bedrohte Arten

Am kommenden Montag beginnt die 12. Konferenz des Washingtoner Artenschutzübereinkommens, die vom 3. Bis 15. November in Santiago / Chile stattfindet. Zur Diskussion stehen 59 Anträge zur Änderung des Schutzes von insgesamt über 160 Tier- und Pflanzenarten. Neben den kontroversen Debatten um die Wiederaufnahme des Handels mit Elfenbein und Walfleisch geht es u.a. auch um einen verbesserten Schutz für Papageien, Schildkröten, Seepferdchen, Haie, Chamäleons und Mahagoni.

Während Tierhändler, Walfänger und Jäger rücksichtslos selbst hochbedrohte Arten auch weiterhin plündern wollen, warnen Naturschützer vor dramatischen Bestandsrückgängen vieler Arten. Pro Wildlife-Mitarbeiter nehmen an der Konferenz teil und werden regelmäßig berichten: "Es gilt, den skrupellosen Geschäften mit bedrohten Arten einen Riegel vorzuschieben", so eine Sprecherin.

Die Debatten auf der Konferenz werden sich auf die folgenden Schwerpunkte konzentrieren:

Elefanten: Fünf südafrikanische Länder (Südafrika, Namibia, Botswana, Simbabwe und Sambia) wollen die Freigabe von zunächst 87 Tonnen Elfenbein aus Lagerbeständen und eine weitere jährliche Exportquote von 12 Tonnen durchsetzen. Die Freigabe des Elfenbeinhandels würde der Wilderei und dem deutlich angestiegenen Elfenbein-Schmuggel weiteren Auftrieb geben. Die Elefantenbestände in Asien und Afrika sind rückläufig.

Traditionelle Chinesische Medizin: Ganze 22 Arten asiatischer Sumpfschildkröten (12 Anträge) und 32 Arten Seepferdchen sollen geschützt werden. Die Bestände sind innerhalb kurzer Zeit kollabiert - durch massive Wildentnahmen v.a. für die Märkte in Ostasien, wo den Tieren eine heilende Wirkung zugesprochen wird. Pro Wildlife konnte bei der letzten WA-Konferenz 2000 erstmals das Interesse der WA-Staaten auf die Bedrohung der Schildkröten in Asien lenken und den Schutz von neun Arten erreichen.

Wale: Japan beantragt, das Handelsverbot für Zwerg- und Brydewale aufzuheben. Dies würde das weltweite Walfangverbot aushebeln und wäre Anreiz für andere Länder, wieder in die Waljagd und den Handel mit Walfleisch einzusteigen. So will Island im kommenden Jahr 200 Finnwale, 68 Seiwale und 250 Zwergwale töten.

Papageien und andere exotische Heimtiere: Für viele Papageienarten reicht der bisherige eingeschränkte Schutzstatus nicht aus. Die drohende Ausrottung von vier Arten soll nun durch ein absolutes Handelsverbot verhindert werden. Auch die seltene Flachrückenschildkröte sowie 26 Chamäleon- und vier Froscharten aus Madagaskar sollen besser geschützt werden. Alle diese Arten sind durch die immense Nachfrage nach exotischen Heimtieren gefährdet - unzählige dieser Tiere landen auch in Deutschland.

Kommerziell genutzte Fischarten: Für Riesen- und Walhaie, den Schwarzen Seehecht und den Napoleonfisch sollen erstmals internationale Handelskontrollen erlassen werden. Gerade die Flossen von Haien sowie das Fleisch des Seehechtes und des Napoleonfisches erzielen gigantische Preise auf den Fischmärkten und in Feinschmeckerlokalen. Die Bestände werden deshalb rücksichtslos geplündert.

Das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (englisch CITES, Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora) wurde 1973 ins Leben gerufen und trat zwei Jahre später in Kraft. Es gibt drei Schutzkategorien: Anhang I listet vom Aussterben bedrohte Tierarten, für die ein absolutes Handelsverbot gilt. Anhang II umfasst bedrohte Arten, für die der Handel einer Beschränkung und Überwachung unterliegt. Anhang III ermöglicht Ländern, ihre nationalen Bestände unter Schutz stellen zu lassen. Inzwischen sind 160 Länder dem bedeutendsten internationalen Artenschutzinstrument beigetreten. Alle 2-3 Jahre stimmen die Vertragstaaten über Änderungen der Anhänge ab.