Mehdorn will Fahrgastverband wegen Kritik an neuen Bahnpreisen verklagen

Neue Fahrpreise

Der Vorsitzende des Fahrgastverbands Pro Bahn, Karl-Peter Naumann, warf der Deutschen Bahn AG am Wochenende vor, jeder zweite Kunde zahle zu viel für sein Ticket. Der Vorstandsvorsitzende der Bahn, Hartmut Mehdorn, wies das umgehend als "realitätsfremdes Gerede" zurück und kündigte juristische Schritte gegen Naumann an. Dessen Äußerung sei "in höchstem Maße geschäftsschädigend", so dass sein Unternehmen den Verbandschef "auch schadenrechtlich verantwortlich machen" werde, erklärte Mehdorn am Sonntag in Berlin.

Naumann sagte, seiner Meinung nach liege das Problem bei den Bahn-Mitarbeitern. "Die geschulten Mitarbeiter kommen mit den neuen Tarifen nicht zurecht, viele Vergünstigungen werden den Kunden gar nicht erst angeboten. Bei der Bahn tobt das Preischaos", ist Naumann überzeugt. Im Sender SWR fügte er hinzu, oft sei die Preisauskunft zwar an sich korrekt, doch werde dem Kunden nicht gesagt, dass er durch eine geringfügige Änderung seiner Reisepläne viel günstiger fahren könnte.

Eine Stichprobe der „Bild am Sonntag“ in den Reisezentren der Deutschen Bahn ergab, dass Testpersonen für die selbe Fahrstrecke bis zu acht unterschiedliche Preise genannt wurden. In einem Fall habe die Bahn über 190 Euro oder 66 Prozent mehr als das günstigste Angebot verlangt. Rainer Engel, Jurist beim Fahrgastverband Pro Bahn, sagte dem Blatt, es sei "reine Glückssache", das günstigste Ticket zu bekommen.

Die Bahn warf Naumann vor, er versuche seit Monaten über verschiedene Kanäle, das seit Mitte Dezember geltende Preissystem "negativ und verzerrt dazustellen". Mehdorn betonte: "Es reicht jetzt wirklich. Aus schierem Populismus mal eben zu behaupten, wir würden täglich die Hälfte von Millionen Kunden übers Ohr hauen, ist unglaublich!"