Pro Wildlife: "Bewirtschaftungssystem für Wale" ist eine Farce

Kontrollierter Walfang statt Fangverbot?

Im Rahmen der derzeit in Berlin stattfindenden Tagung der Internationalen Walfangkommission (IWC) hält sich hartnäckig das Gerücht, ein kontrollierter Walfang könne die Meeresriesen besser schützen als das gegenwärtig geltende Walfangverbot. Die Artenschutzorganisation PRO WILDLIFE räumt mit dieser Behauptung auf: "Es gibt keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass die Walfangländer unter einem Bewirtschaftungsverfahren weniger Wale töten würden als sie dies derzeit tun. Der Unterschied wäre jedoch, dass ihr blutiges Treiben dann legitimiert wäre", stellt Dr. Sandra Altherr klar, die für PRO WILDLIFE auf der IWC-Tagung teilnimmt. "Auch darf die erschreckend hohe Zahl von Walen und Delfinen, die in den Fischernetzen elend zugrunde gehen, nicht von der zusätzlichen Gefahr für Meeressäuger durch die direkte Jagd ablenken.

Seit 1986 gilt ein weltweites Walfangverbot. Dieses soll in Zukunft durch einen sogenannten Managementplan (englisch: RMP) ersetzt werden, der Quoten für bestimmte Walarten genehmigen würde. Ein übergreifendes Bewirtschaftungsverfahren (englisch: RMS) soll die Einhaltung des RMP sicherstellen. Während das RMP nahezu abgeschlossen ist, streiten Walschutz- und Walfangländer um die Kontrollmaßnahmen, zum Beispiel über internationale Beobachter auf den Walfangschiffen oder die Satelliten-Überwachung der Walfangaktivitäten.

Norwegen und Japan nutzen derzeit Ausnahmeregelungen für das Walfangverbot: Norwegen hat einen formaljuristischen Widerspruch eingelegt, Japan tötet die Meeresriesen unter dem Deckmantel der "Wissenschaft". Mehr als 1.000 Wale sterben hierdurch derzeit pro Jahr. Doch wäre die Zahl gefangener Wale niedriger, wenn das Fangverbot durch das RMS ersetzt würde? PRO WILDLIFE-Expertin Dr. Sandra Altherr bestreitet dies und verweist auf folgende Probleme:

Zwar wäre nach der Einigung auf das RMS zunächst eine Nullquote für alle Walbestände festgesetzt, doch diese wäre nur vorläufig gültig. In welcher Höhe später Fangquoten freigegeben werden, können selbst die Experten des IWC-Wissenschaftsausschusses nicht mit Sicherheit sagen. · Die Walfangländer könnten neben den legalisierten Fangquoten des Bewirtschaftungsverfahrens auch weiterhin unter dem Deckmantel der "Wissenschaft" Wale töten.

Das RMS kann entgegen wiederholter Darstellung den Beifang von Meeressäugern in der Fischerei nicht reduzieren. "Im Gegenteil ist zu befürchten, dass in Ländern wie Japan und Island die Zahl der beigefangenen Wale sogar noch steigen würde, wenn es reguläre Walfangquoten gäbe", befürchtet die PRO WILDLIFE Expertin. "Denn das Fleisch der beigefangenen Tiere lässt sich leichter absetzen, wenn es einen legalen Markt für Walprodukte gibt - ein großer Anreiz für die Fischer."

"Nach all den Erfahrungen der letzten Jahrzehnte und angesichts des rücksichtlosen Verhaltens der Walfangländer wäre es naiv, zu glauben, dass das RMS den Walfang wirklich unter Kontrolle bringen würde", sagt die Biologin Altherr. Die PRO WILDLIFE Sprecherin befürchtet im Gegenteil, dass mit einer Legalisierung des kommerziellen Walfangs ein fatales Signal gesetzt würde.